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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hört nach der EM im Sommer auf. Diese Entscheidung sei bei ihm erst vor wenigen Wochen gefallen, sagte Löw zur Begründung.

Warum hört Fußball-Bundestrainer Jogi Löw nach der WM im Sommer auf? Auf die Antwort auf diese Frage waren alle gespannt, Löw hat sie jetzt bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag gegeben.

Löw habe sich schon im vergangenen Jahr vorgenommen, im Februar oder März dieses Jahres Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen solle. Durch die Pandemie habe er auch viel Zeit gehabt, nachzudenken: „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Stab an den nächsten Trainer weiterzugeben.

Kritik an Löw hatte keine Auswirkungen auf seine Entscheidung

Die Kritik an seiner Person nach den Vergüngungsplänen der Nationalmannschaft und dem damit verbundenen Aus von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller oder der 0:6-Pleite gegen Spanien im vergangenen November habe seine Entscheidung nicht beeinflusst, sagte Löw.

15 Jahre als Bundestrainer sind eine lange Zeit – geradezu eine Ewigkeit

Bilder-Galerie: Die wichtigsten Stationen im Leben von Jogi Löw

Jogi Löw am 31. Mai 1980 beim SC Freiburg. Nicht nur sein Schnauzbart konnte sich sehen lassen. Auch die Torbilanz von ihm war solide. 14 Treffer gelangen ihm in der Spielzeit 197980. (Foto: Imago, Imago)
Jogi Löw am 31. Mai 1980 beim SC Freiburg. Nicht nur sein Schnauzbart konnte sich sehen lassen. Auch seine Torbilanz war solide. 14 Treffer gelangen Löw in der Spielzeit 1979/80. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Löw lief während seiner Profikarriere nie für die deutsche A-Nationalmannschaft auf. Allerdings kam er zwischen 1979 und 1980 zu vier Einsätzen in der U21. Wie hier 1980 gegen Schottland (1:0). Imago imago images / Horstmüller Bild in Detailansicht öffnen
In der Saison 1980/81 war Löw beim VfB Stuttgart als Spieler unter Vertrag. Hier ist Jogi und zusammen mit seinem VfB-Kollegen Dieter Kohnle beim Krafttraining oder wie man heute sagen würde: im "Gym". Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Jogi Löw (SC Freiburg) 1986 im Zweikampf mit Bernhard Trares (Darmstadt 98). Von 1985 bis 1989 war er zum dritten Mal bei den Breisgauern unter Vertrag. In den vier Jahren kam er in 116 Spielen auf 38 Tore. Imago imago images / Alfred Harder Bild in Detailansicht öffnen
Als Rolf Fringer 1995 Cheftrainer beim VfB Stuttgart wurde, arbeitete Joachim Löw als Spielertrainer beim drittklassigen FC Frauenfeld in der Schweiz. Doch Fringer wollte den damals 35-Jährigen, den er noch aus Schaffhausen kannte, als Co-Trainer bei den Schwaben. Ein Jahr lang war Löw daraufhin Assistenztrainer beim VfB. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem "Magischen Dreieck" (Krassimir Balakow, Giovane Élber und Fredi Bobic) gewann Jogi Löw 1997 als Cheftrainer des VfB Stuttgart den DFB Pokal. Imago imago images / Oliver Behrendt Bild in Detailansicht öffnen
"Einigkeit und Recht und Freiheit" singen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Co-Trainer Joachim Löw vor dem Viertelfinale gegen Argentinien bei der Heim-WM 2006. Endergebnis des Spiels: 4:2 für Deutschland, nach Elfmeterschießen. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem Jürgen Klinsmann seinen Vertrag nicht verlängerte, wurde Jogi Löw 2006 zum neuen Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft. Sein Debüt gab er am 16. August mit einem 3:0-Erfolg gegen Schweden. Imago imago images / Picture Point Bild in Detailansicht öffnen
Weltmeister 2014: Der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Imago imago images / Oliver Behrendt Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem Jogi Löw die deutsche Mannschaft ungeschlagen durch die WM-Qualifikation führte, folgte bei der WM 2018 in Russland ein Debakel. Die Weltmeister von 2014 verloren in der Gruppenphase gegen Mexiko und Südkorea. Erstmals in seiner Geschichte schied das DFB-Team bereits in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft aus. Im Anschluss wurden Stimmen laut die Löws Rücktritt forderten. Imago imago images / ActionPictures Bild in Detailansicht öffnen
Doch Jogi Löw blieb. Nach zwei Jahren als Co- und 15 Jahren als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft verabschiedet sich der gebürtige Badener nun von seiner Trainerkarriere beim DFB. Imago imago images / MIS Bild in Detailansicht öffnen

Löw: Auch Niederlagen waren wichtig

Löw sei stolz auf das, was er mit der Mannschaft erreicht habe – unter anderem die Weltmeisterschaft in Brasilien. Aber auch die nicht so schönen Momente seien wichtig gewesen: „Ich bin stolz auf die Erfolge, die wir erzielt haben, aber auch auf die Niederlagen, die uns dann immer wieder Kraft gegeben haben.“ Jetzt freue er sich darauf, die Heim-EM 2024 auch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Die Entscheidung, die Löw jetzt getroffen habe, sei zu einem guten Zeitpunkt gefallen. Zum einen habe er jetzt noch den vollen Fokus auf die EM im Sommer. Zum anderen habe der DFB genug Zeit, sich um seine Nachfolge zu kümmern, sagte Löw. Und sein Nachfolger brauche auch Zeit, vor dem nächsten Turnier bei der Mannschaft anzukommen: „Man sollte dem neuen Trainer auch Raum und Zeit für die Entwicklung geben.

Ich sehe mich 2024 einfach nicht mehr. Und ich finde das auch richtig.

Schweinsteiger postet emotionale Message bei Instagram

Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger zollte Löw seinen Respekt in einem sehr emotionalen Post bei Instagram: „Er hat den deutschen Fußball als Bundestrainer über Jahre positiv geprägt, gekrönt durch den WM Titel 2014. Auch ich habe ihm persönlich viel zu verdanken.

Löw ließ in ARD-Interview nichts vom Rücktritt anklingen

Erst vor wenigen Wochen hatte ARD-Fußballreporter Tom Bartels Jogi Löw noch interviewt. Damals ließ der Bundestrainer nichts anklingen, dass er über einen Rückzug nachdenke, sagte Bartels SWR3. „Er hat völlig öffen gelassen, ob er nach der EM weitermacht.

ARD-Fußballexperte Tom Bartels (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Marcus Brandt)

Nachrichten Bartels: "Er hat seine Zukunft völlig öffen gelassen"

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Völler: „Löws Entscheidung verdient Respekt“

Rudi Völler sagte nach dem Rücktritt von Jogi Löw: „Seine Entscheidung verdient Respekt.“ Werder Bremen-Trainer Florian Kohlfeldt sagte: „Jogi Löw ist einer der Trainer mit den größten Verdiensten um den Deutschen Fußball überhaupt. Dieser Lebensleistung gilt mein größter Respekt und ich hoffe, dass er im Sommer den Abschied bekommt, den er verdient.

🗯Rudi #Völler: „Jogi #Löw's Entscheidung verdient Respekt. Jetzt hat er die Chance, befreit in die @EURO2020 in diesem Sommer zu gehen und einen wunderbaren Abschluss zu schaffen. Dafür werden wir ihm alle die Daumen drücken.“ #Bayer04 https://t.co/HlVcWOBxZc

🗣️ #Kohfeldt: "Jogi #Löw ist einer der Trainer mit den größten Verdiensten um den Deutschen Fußball überhaupt. Dieser Lebensleistung gilt mein größter Respekt und ich hoffe, dass er im Sommer den Abschied bekommt, den er verdient." #Werder | #dscsvw https://t.co/jMBMuArpjf

Löw ist dienstältester Nationalcoach der Welt

Löw ist seit 2006 Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft. Er hatte das Amt von seinem damaligen Chef Jürgen Klinsmann übernommen und die DFB-Auswahl 2014 in Brasilien zum vierten WM-Triumph geführt. Löw ist aktuell der dienstälteste Nationalcoach der Welt.

Bei der im Sommer anstehenden Europameisterschaft will Löw nochmal alles geben: „Ich verspüre weiterhin den unbedingten Willen sowie große Energie und Ehrgeiz“, sagte Löw. „Ich werde mein Bestes geben, unseren Fans bei diesem Turnier große Freude zu bereiten und erfolgreich zu sein.

DFB-Präsident Keller würdigt Löw

DFB-Präsident Fritz Keller äußerte „großen Respekt vor der Entscheidung von Joachim Löw.“ Mit der frühzeitig Ankündigung seines Abschieds lasse er dem DFB „die nötige Zeit, mit Ruhe und Augenmaß seinen Nachfolger zu benennen.

Joachim Löw (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Marcus Brandt)
Sein größter Erfolg: Joachim Löw mit dem WM-Pokal nach dem Finalsieg am 13. Juli 2014. picture alliance / dpa | Marcus Brandt

Klopp, Flick, Matthäus und Co. — Wer kommt nach der Ära-Löw?

Teammanager Oliver Bierhoff habe schon den Auftrag bekommen, zu sondieren, sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Die Grüchteküche brodelt, Namen wie Lothar Matthäus und Jürgen Klopp stehen im Raum. Klopp hat allerdings schon abgesagt: „Ich stehe nicht zur Verfügung“. Er er habe einen Job. Und zwar einen Dreijahresvertrag in Liverpool.

Auch Lothar Matthäus hat dem DFB bereits vor einer Woche abgesagt. Nachdem Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl seinen ehemaligen Mitspieler des FC Bayern als Nationaltrainer ins Gespräch gebracht hatte, sagte Matthäus in der Fernsehsendung Sky90: „Natürlich interessiere ich mich für den Fußball und die Nationalmannschaft, aber ich bin mit meinem Leben zufrieden. Das schließe ich aus.

Weitere Kandidaten sind Löws ehemaliger Co-Trainer Hansi Flick (heute FC Bayern München), U21-Coach Stefan Kuntz und der derzeit vereinslose Ralf Rangnick. Hansi Flick dürfte aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit aber nicht den Wunsch haben, den deutschen Rekordmeister zu verlassen.

Bierhoff: Wir haben keinen Zeitdruck

Eine übertstürzte Entscheidung werde es aber nicht geben, sagte Bierhoff. Er werde auch keine Wasserstandsmeldungen abgeben, sondern die Suche in aller Ruhe durchführen. Und auch Fritz Keller machte klar: „Wir haben alle Zeit der Welt. Wir werden in aller Sorgfalt die Nachfolge sondieren“.

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