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Die Explosion im Chempark Leverkusen hat mindestens fünf Menschen das Leben gekostet. Inzwischen ist bekannt, welche Chemikalien im explodierten Tanklager waren. Die Untersuchungen des niedergeregneten Staubs dauern an. Es gibt aber eine erste Entwarnung für Anwohner.

Nach der Explosion am Dienstag im Chempark gab die Stadt Leverkusen am Freitag auf einer Pressekonferenz erste Ergebnisse der Staubanalysen bekannt. Demnach haben die Untersuchungen der Ruß- und Staubrückstände, die nach dem Brand in der Müllverbrennung in den umliegenden Wohngebieten niedergingen, nach Angaben des Landesumweltamtes (LANUV) nur eine geringe Schadstoffbelastung ergeben.

Es wurde kein Dioxin gefunden

Es seien keine Rückstände von Dioxin und dioxinähnlichen Stoffen in den Rußpartikeln festgestellt worden, so Vertreter von Stadt und LANUV. Die Ergebnisse deuteten bisher darauf hin, dass die beim Brand freigesetzten Stoffe nur ein geringes Dioxin-Bildungspotential gehabt hätten. Die Vorsichtsmaßnahmen für die Anwohner bleiben allerdings vorerst bestehen.

„Die Messungen waren alle unauffällig.“

Die offiziellen Analyseergebnisse des @lanuvnrw liegen heute vor, es gibt keine Rückstände von #Dioxin oder dioxinähnlichen Stoffen in den Rußpartikeln nach dem Brand im @CHEMPARK #Leverkusen. Mehr unter: https://t.co/D1RuDZcMu3 @CURRENTA

Schwefel- und phosphorhaltige Stoffe im explodierten Tanklager Leverkusen

Im explodierten Tank sollen sich flüssige phosphor- und schwefelhaltige Reststoffe aus Chemikalien für die Landwirtschaft befunden haben. Das teilte die Kölner Bezirksregierung am Samstag mit. Durch weitere Proben soll geklärt werden, ob gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt wurden, hieß es.

Immer noch werden Mitarbeiter vermisst

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei hatten am Donnerstagnachmittag aus den Trümmern drei weitere Menschen tot geborgen, fast eine Woche später eine weitere Person. Das gaben Staatsanwaltschaft und Polizei Köln bekannt. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg damit auf sechs. Eine Personen wird noch vermisst. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, ist gering.

Die Staatsanwaltschaft Köln und die Ermittler haben am Donnerstag mit den Ermittlungen an der Unglücksstelle begonnen. Man werde jetzt nicht sofort schnelle Ergebnisse präsentieren können, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem WDR. „Wer sich dieses Ausmaß dieser ungeheuren Explosion angesehen hat, wird das nachvollziehen können“, so Bremer.

Die Polizei hat damit begonnen, von den Angehörigen der Vermissten DNA-Proben anzunehmen, um die Ermittlungen zu erleichtern.

Die Obduktion der Toten sei veranlasst, gleichzeitig laufe die Ursachenforschung.

Wie gefährlich ist Dioxin für Menschen?

Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt ging nach der Explosion von „Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen“ aus, die über die Rauchwolke in umliegende Wohngebiete getragen wurden. Nach Informationen des Amtes hätten in den betroffenen Tanks unter anderem auch chlorierte Lösungsmittel gelagert, teilte ein Sprecher mit.

In welcher Konzentration dies tatsächlich geschehen sei, wurde jetzt anhand von Stichproben untersucht – bis jetzt gibt es Entwarnung.

Experte vermutet Unfall beim Abpumpen oder Umpumpen

„Ich mache das inzwischen seit 35 Jahren und einen Unfall mit derart schlimmen Folgen habe ich noch nie erlebt“, sagte Markus Gleis, wissenschaftlicher Oberrat im Umweltbundesamt, am Donnerstag im WDR. Er ist zuständig für das Fachgebiet Abfalltechnik und kennt die Anlage in Leverkusen gut.

Im Prinzip gebe es in Deutschland keine alten Anlagen, „sondern das sind Anlagen, die dort zwar früh gebaut wurden, aber immer der neuesten Anlagentechnik und Sicherheitstechnik entsprechen“. Dennoch: Es gehe häufig um explosionsartige und auch leicht brennbare Gemische.

Natürlich muss ich damit sicher umgehen, es muss wahrscheinlich bei dem Abfüllen oder Umpumpen was schiefgegangen sein.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion eingeleitet. Der Vorwurf richte sich gegen unbekannt, teilte die Behörde mit.

Entwarnung in Leverkusen für die Bevölkerung

Von der Einsatzstelle selbst gehe keine Gefahr mehr aus. Hermann Greven, Leiter der Feuerwehr Leverkusen, warnte aber Anwohner davor, mögliche Schmutzpartikel, die durch den Brand entstanden sind, mit ins Haus zu tragen. Man sollte vorsorglich die Schuhe am Eingang ausziehen.

Was ist im Chempark in Leverkusen passiert?

Um 9.30 Uhr am Dienstagmorgen hatte es eine riesige Explosion im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig gegeben. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) bestand bei einem zweiten Tank Explosionsgefahr.

Der Tank habe 100.000 Liter hochentzündliche, giftige Abfallstoffe enthalten, so Reul. Die Feuerwehr habe die Gefahr aber bannen können. Nach Reuls Angaben waren allein 300 Feuerwehrleute im Einsatz.

Warnstufe „Extreme Gefahr“

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete die Explosion in die Warnstufe „Extreme Gefahr“ ein. Die Anwohner waren aufgerufen, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten. „Mittlerweile gibt es eine Entwarnung für das gesamte Stadtgebiet“, erklärte Currenta am Dienstagabend.

Warnung für Bürrig und Opladen: Vorsicht bei Ruß und verdächtigen Niederschlägen

Vorerst gilt: Nahrungsmittel aus dem Garten nicht verzehren und auch keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel, Pools oder ähnliches nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist. Auch sollen verschmutzte Gegenstände nicht gereinigt werden, da eine erhöhte Schadstoffkonzentration bislang nicht ausgeschlossen werden kann. Wer im Garten nicht aufschiebbare Arbeiten erledigen muss, soll Handschuhe tragen.

Chempark-Leiter Lars Friedrich appelliert an die Bürger, nach der Explosion auf verdächtige Niederschläge zu achten. Wer solche findet, sollte sie keineswegs anfassen, so Friedrich. Vielmehr sollte umgehend die Stadt oder der Chempark über die Niederschläge informiert werden. Dafür wurde eine Hotline eingerichtet: 0214-4063333.

In mehreren Stadtteilen gingen „cent- bis eurogroße“ Rußpartikel nieder, „die eine ölige Konsistenz haben“, wie die Stadt mitteilte.

Social-Media-Fotos zeigen riesige Rauchwolke

Auf Fotos, die Anwohner in den sozialen Medien gepostet haben, ist zu sehen, wie heftig die Explosion war. Kai schreibt, der Knall sei noch in Köln zu hören gewesen.

Fliegt in Leverkusen erst Mal die Verbrennungsanlage in die Luft.... Explosion hat man wohl bis nach Köln gehört 💥 https://t.co/4Z4O2TuoGU

Barbara hat die Rauchwolke aus ihrer Wohnung fotografiert.

Explosion in #Leverkusen #Wiesdorf . Aus der City, nicht aus dem Bayerwerk https://t.co/PSmKpOdRpy

Auch Cemal schreibt, dass die Rauchsäule aus der Müllverbrennungsanlage aufsteige.

Eine Müllverbrennungsanlage von Bayer in Leverkusen ist vor ca 10-15 min in die Luft geflogen. Falls ihr in der Nähe seid, passt auf euch auf https://t.co/WVMpkCQp3N

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. September, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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