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Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer
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Toni Kroos und sein Bruder Felix sprechen in ihrem Podcast "Einfach mal Luppen" am Dienstag Klartext – und legen nach mit Kritik gegen Reporter Nils Kaben. Da ist wenig Versöhnung in Sicht!

In dem Podcast der Kroos-Brüder nimmt Toni Kroos kein Blatt vor den Mund. Er beschreibt, warum er unter anderem so angenervt war von den Fragen des Reporters: „Das war ein Moment, der war wirklich emotional für mich.“ Unmittelbar zuvor habe er mit Luca Modric noch auf dem Platz gelegen und „wir haben uns bepisst vor Glück.“

Ich fand die Herangehensweise in so einem speziellen Moment viel zu wenig empathisch. Und das ist in so einem emotionalen Moment bei mir nicht gut angekommen.

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Nachrichten Hier redet Toni Kroos in seinem Podcast über das missglückte Interview

Dauer

Er habe auch kein Problem damit, über die sportlichen Sachen zu sprechen. Und er erwarte auch nicht, „da drei Minuten gefeiert zu werden von dem Reporter.“

Aber Kroos findet, dass „der Kollege vom ZDF“ die Chance gehabt hätte, ein ganz besonderes Interview mit ihm zu führen, wo man sagen kann, das kann man jetzt auch mal so laufen lassen, weil man so glücklich ist wie selten zuvor.“

Dass dann mit so einer zweiten und dritten Frage so kaputtzumachen, das konnte ich einfach nicht verstehen. (...) Das habe ich echt als völlig empathielos wahrgenommen, als völlig fehlendes Fingerspitzengefühl, und das von einem Mann, der ja extrem viel Erfahrung haben soll.

Kroos nach Abbruch des Interviews: „Das ist mir scheißegal im Finale“

Der Abbruch seines Interviews nach dem Gewinn der Champions League sei nicht falsch gewesen. „Direkt so dieses: 'Ja, ich will hören, dass ihr unverdient gewonnen habt', das ist mir scheißegal im Finale, das musst du gewinnen das Finale.

Wir hatten natürlich zwei, drei Druckphasen zu überstehen, aber da habe ich auch gesagt, das ist doch normal, was erwartest du? Dass wir Liverpool 90 Minuten dominieren? Das ist eine Weltklassemannschaft, die musst du halt schlagen, das haben wir gemacht.

Toni Kroos findet Interview-Abbruch immer noch gerechtfertigt

Was er hätte anders machen können? Und ob er seine Meinung mit etwas Abstand auf das Interview nun geändert hat? Darauf antwortet Kroos, man könne das auch mit etwas weniger Emotion bewerten. Aber er schiebt nach: „Ich muss aber sagen, dass sich meine Meinung nicht geändert hat.“

Ich hätte das Wort ‚Scheißfrage‘ von mir aus weglassen können… man hätte es bei ‚Drecksfrage‘ belassen können.

Bruder Felix sagt dazu im Podcast, dass sein Bruder, wenn er das Interview eine halbe Stunde später gegeben hätte, „andere Worte gewählt“ hätte, „was nichts geändert hätte, dass die Fragen schlecht gewesen wären. Der Journalist hat einfach eine Scheiß-Leistung gebracht in dem Moment.“ Aber:

Ich glaube, dass du das hättest charmanter lösen können, ihm mitzuteilen, dass er schlecht war.

Was ist nach dem CL-Spiel im Interview passiert?

Eigentlich hatte Toni Kroos sein Interview überglücklich begonnen. Mit gutem Grund: Der spanische Fußball-Rekordmeister Real Madrid hat am Samstagabend die Champions League gewonnen.

Real Madrid gewinnt Champions League ohne Liverpooler Gegentor

Das Team mit Ex-Weltmeister Kroos setzte sich im Finale in Paris gegen den FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp mit 1:0 (0:0) durch. Ein einziges Tor – reingelegt von dem Brasilianer Vinícius Júnior in der 59. Minute – hatte die Partie für Madrid entschieden. Ein Tor von Karim Benzema in der ersten Halbzeit war wegen eines knappen Abseits nicht gegeben worden.

Achtes Finale, achter Titel: Real Madrid ist den Weg zu Ende gegangen und hat sich mit einer abgebrühten Leistung gegen Liverpool den nächsten Champions-League-Titel geholt. https://t.co/eawx5QzkYt

Liverpool/Paris

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Kroos findet Fragen zu negativ und zu deutsch

Nach dem Spiel: endloser Jubel der Madrilenen. Dann tritt Kroos vor die Kamera. Das Gespräch mit ZDF-Reporter Nils Kaben beginnt freundlich: „Das muss ganz bestimmt erstmal ein paar Tage sacken“, beschreibt Kroos seine Gefühle.

„Ich habe diesen Pokal einige Male gewonnen, aber das ist für mich ein ganz besonderer Tag, weil alle meine Kinder diesmal im Stadion sind“, sagt der 32-Jährige. „Wie schön das ist, das ist für mich kaum zu beschreiben.“

Die anschließenden kritischen Fragen zum Spielverlauf sind Kroos dann offenbar nicht genehm. Genauer gesagt: zu „negativ“ oder auch zu „deutsch“.

Kroos: „Dann stellst du mir zwei so Scheißfragen“

Kaben fragt unter anderem, ob es Kroos überrascht hat, dass Real vor seinem Sieg derart in Bedrängnis geraten sei. „Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, dann stellst du mir zwei so Scheißfragen – das ist Wahnsinn“, antwortet der 2014er-Weltmeister von Real Madrid dem verblüfften Kaben.

„Das ist doch nicht überraschend“, sagt Kroos anschließend. Das sei ja nicht irgendein Gruppenspiel. „Das ist hier das Finale!“ Kaben versucht noch, seine Fragen zu erklären. Doch Kroos winkt kurz darauf ab und lässt ihn stehen. Nach nur 45 Sekunden ist das Interview zu Ende.

„Ganz schlimm, ganz schlimm, wirklich“

Sekunden später läuft Kroos nochmal an dem Reporter vorbei und sagt: „Ganz schlimm, ganz schlimm, wirklich.“ Als die Kamera schon weggeschwenkt hat, hört man ihn zetern – diesmal lauter.

Dabei geht es gegen das, was er wohl als deutsche Mentalität verstanden wissen will: „Du stellst erst zwei negative Fragen“, hört man Kroos rufen. „Da weiß man direkt, dass du aus Deutschland kommst.“

ZDF-Sportchef: „Kirche mal im Dorf lassen“

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann findet den Verlauf des Interviews „bedauerlich “:

Diese Situationen direkt nach dem Schlusspfiff sind immer besonders. Vielleicht hätte der Kollege noch etwas bei den Emotionen bleiben und ein wenig später zum Kern des Spiels kommen sollen. Grundsätzlich waren die Fragen berechtigt und kein Grund, das Interview abzubrechen. Nils Kaben war auch verdutzt. Er wollte Toni Kroos nicht provozieren.

Fuhrmann sagte weiter, er sehe keine Notwendigkeit der Nachbereitung. Man „sollte die Kirche im Dorf lassen“.

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