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In den größeren Städten im Südwesten brodelt es: Das Coronavirus breitet sich dort im Moment rasend schnell aus. Nach zwei Hotspots in Baden-Württemberg ist jetzt auch in Rheinland-Pfalz ein neuer entstanden.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz steigt die Zahl der Corona-Hotspots immer weiter an. Mittlerweile gibt es in beiden Bundesländern mehrere Stadt- und Landkreise, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 50 liegt. Ab diesem Wert müssen die Städte und Kreise neue Beschränkungen einführen.

Im Moment sind in Baden-Württemberg die Stadt Stuttgart mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 55,8 (Stand: 11.10.2020) und der Landkreis Esslingen (74,4; Stand: 11.10.2020) betroffen.

In Rheinland-Pfalz lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen zuletzt in Mainz bei über 50. Die rheinland-pfälzische Hauptstadt ist damit dritte Hotspot in dem Bundesland.

Neben Mainz (57; Stand: 11.10.2020) haben auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm (68; Stand: 11.10.2020) und der Kreis Neuwied (50; Stand: 11.10.2020) die kritische 50er-Marke überschritten.

Überblick: So ist die Lage in den Städten und Kreisen in SWR3-Land

In Stuttgart herrscht ab Mittwoch Maskenpflicht

In Stuttgart ist die Lage so angespannt, dass die Stadt sogar schon die Bundeswehr um Hilfe gebeten hat. Die Soldaten sollen dabei helfen, die Kontakte der Neuinfizierten nachzuverfolgen. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 50 gestiegen ist, schafft es die Stadtverwaltung nicht mehr, alle Kontakte ohne Hilfe von Außen nachzuprüfen.

Außerdem werden die Corona-Maßnahmen verschärft. In der Innenstadt ist ab Mittwoch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht. Der Verkauf von Alkohol soll auf bestimmten Plätzen ab 21 Uhr, der Konsum ab 23 Uhr verboten werden.

Diese Beschränkungen gelten laut Stadt erst einmal für zwei Wochen. Bei privaten Feiern sind dann nur noch zehn Teilnehmer erlaubt, in öffentlichen und angemieteten Räumen 25, sagte ein Sprecher des Stadt. Illegale Partys sollen durch mehr Kontrollen verhindert werden.

Jetzt checken: Wie ist die Lage in meinem Landkreis?

In Rheinland-Pfalz greift der „Corona-Warn- und Aktionsplan“

Wenn ein Landkreise bei der Sieben-Tage-Häufigkeit bestimmte Grenzwerte überschreitet, sind die Kommunen verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen. In Rheinland-Pfalz gibt es dafür den „Corona-Warn- und Aktionsplan“ des Landes.

In Kommunen mit mehr als 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche sollen demnach künftig Kontrollen und Öffentlichkeitsarbeit verschärft werden.

Steigt der sogenannte Inzidenzwert auf über 35, richten die Kommune und die mit der Pandemie-Bekämpfung befassten Landesbehörden eine Taskforce ein. Die berät über schnelle Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel strengere Maskenpflichtvorschriften oder Beschränkungen bei der zulässigen Höchstgrenze von Teilnehmern an Veranstaltungen und Feiern.

Kommunen mit einem Inzidenzwert von mehr als 50 prüfen weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Dazu können zum Beispiel neue Kontaktverbote gehören oder die Rückkehr zum Unterricht mit kleineren Klassen.

Keine pauschalen Lösungen

Ob und welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden, hängt dabei ganz von der konkreten  Situation vor Ort ab. Lässt sich das Infektionsgeschehen auf einen bestimmten Personenkreis begrenzen, können andere Maßnahmen kommen, als wenn sich das Infektionsgeschehen nicht eingrenzen lässt.

„Es gibt keinerlei Automatismus“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), als der Warn- und Aktionsplan Ende September eingeführt wurde.

Kanzlerin und Großstadtbürgermeister beschließen neue Regeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf sich vergangene Woche mit den Rathauschefs der elf größten deutschen Städte in einer Videokonferenz, um mit ihnen über die Lage in den Ballungsgebieten zu sprechen. An der Videokonferenz nahmen die Oberbürgermeister und Bürgermeister von Berlin, Hamburg, Bremen, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Leipzig und Stuttgart teil.

Merkel und die Rathauschefs bschlossen unter anderem, dass bei Erreichen der kritischen Grenzen die Regeln wieder verschärft werden sollen. So sollen unter anderem Sperrstunden verhängt und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit zur Pflicht werden.

Auch die Teilnehmerzahl auf öffentlichen Veranstaltungen oder privaten Feiern soll dann wieder massiv eingeschränkt werden. Zudem sollen die Bundeswehr und das Robert-Koch-Institut künftig Experten in Corona-Hotspots schicken.

Vor allem Großstädte kämpfen gegen Corona

Im Moment sind vor allem die Großstädte von der Corona-Pandemie betroffen. Hier bilden sich immer mehr Hotspots. Aber auch Kommunen mit weniger Einwohnern sind betroffen. Bayern hat deswegen die Liste der innerdeutschen Risikogebiete massiv ausgeweitet.

Seit Samstag gilt die Einstufung neben Berlin oder Frankfurt am Main auch für die kleineren Städte Offenbach in Hessen sowie für die Städte Herne, Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Das teilte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums mit.

Überblick: So sehen die Corona-Zahlen in Deutschland aus

Beherbergungsverbot für Touristen aus Risikogebieten

Mittlerweile gilt in den meisten Bundesländern ein Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten. Bund und Länder einigten sich darauf, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Ausschlaggebend ist auch hier die Sieben-Tage-Inzidenz – sie muss für das Beherbergungsverbot bei über 50 liegen.

Kritik am Beherbergungsverbot wird lauter

Viele Politiker fordern mittlerweile, dass der Beschluss wieder aufgehoben werden solle. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollen darüber am Mittwoch bei der Ministerpräsidentenkonferenz reden.

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, findet die Regeln „nicht durchdacht“ und meint: „Da wird man noch mal rangehen müssen“. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellte zumindest Gastronomen und Hoteliers, die durch die Beschränkungen Verluste erleiden, zusätzliche Hilfen in Aussicht.

Überblick: Das sind die deutschlandweiten Corona-Hotspots

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