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Kira Urschinger (Foto: SWR3)
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Rund 6,2 Millionen Menschen haben sich in den USA irgendwann mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Unser USA-Korrespondent Arthur Landwehr berichtet über die aktuelle Corona-Lage, auch im Vergleich zu Deutschland.

Schauspieler Tom Hanks, Schauspielerin Alyssa Milano oder Dwayne „The Rock“ Johnson – immer mehr berühmte Persönlichkeiten aus den USA, die an Corona erkrankt sind, äußern sich öffentlich zu ihren Erfahrungen. Wohl auch vor dem Hintergrund, dass die Pandemie in Übersee nicht von allen ernst genommen wird.

Dwayne The Rock Johnson hat sich mit einer Instagram-Videobotschaft an „alle Menschen auf der 🌎" gewandt. Für ihn sei Corona schlimmer gewesen als das meiste, das er bisher erlebt habe. „Und ich wurde schon oft ausgeknockt und in den Arsch getreten." . . . @therock #dwaynetherockjohnson #dwaynejohnson #therock #coronavirus #corona #covid19 #bleibtgesund #jumanji #wwe #laurenhashian #fastandfurious

This was me on April 2nd after being sick for 2 weeks. I had never been this kind of sick. Everything hurt. Loss of smell. It felt like an elephant was sitting on my chest. I couldn’t breathe. I couldn’t keep food in me. I lost 9 pounds in 2 weeks. I was confused. Low grade fever. And the headaches were horrible. I basically had every Covid symptom. At the very end of march I took two covid19 tests and both were negative. I also took a covid antibody test (the finger prick test) after I was feeling a bit better. NEGATIVE. After living the last 4 months with lingering symptoms like, vertigo, stomach abnormalities, irregular periods, heart palpitations, shortness of breath, zero short term memory, and general malaise, I went and got an antibody test from a blood draw (not the finger prick) from a lab. I am POSITIVE for covid antibodies. I had Covid19. I just want you to be aware that our testing system is flawed and we don’t know the real numbers. I also want you to know, this illness is not a hoax. I thought I was dying. It felt like I was dying. I will be donating my plasma with hopes that I might save a life. Please take care of yourselves. Please wash your hands and wear a mask and social distance. I don’t want anyone to feel the way I felt. Be well. I love you all (well, maybe not the trolls. Just the kind people.)❤️

Fallzahlen in den USA verglichen mit Deutschland

Die offizielle Zahl: Rund 6,2 Millionen Menschen haben sich in den USA irgendwann mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Da aber über Wochen und Monate kaum getestet werden konnte, rechnet man mit einem Vielfachen dieser Zahl, berichtet unser USA-Korrespondent Arthur Landwehr für SWR3 aus dem ARD-Studio Washington. Mit Covid-19 gestorben sind knapp 190.000 Menschen in den USA.

Zum Vergleich: In Deutschland sind es 250.000 registrierte Infektionen mit 9.300 Toten. Die USA haben etwa die vierfache Einwohnerzahl von Deutschland, also sind, bezogen auf die Bevölkerung, in den USA etwa sechsmal so viele Menschen infiziert und 4,5 mal so viele gestorben wie in Deutschland.

Corona in den USA bedeutet: Wahlkampf

Schon mit Beginn der Pandemie war der Umgang damit extrem politisch geprägt. Die USA befinden sich im Präsidentschaftswahlkampf, der auch durch die wirtschaftliche Situation der Menschen mit entschieden wird. Im Februar hatten die Vereinigten Staaten die niedrigste Arbeitslosenquote seit vielen Jahrzehnten, die Löhne stiegen, der für die Altersversorgung wichtige Aktienmarkt boomte. Donald Trump tat alles dafür, einen Lockdown zu verhindern, der all das zum Stillstand bringen und seine Chancen auf Wiederwahl schmälern würde.

Er leugnete lange und verhinderte damit aktiv, dass das Virus eingedämmt wird. Es fehlten Tests, die Gesundheitsbehörden waren ebenso wenig vorbereitet wie Krankenhäuser und Ärzte. Das paarte sich mit Gerangel um Zuständigkeit zwischen der Washingtoner Regierung und den Bundesstaaten. Die Folge: Chaos.

Auf der anderen Seite war es Donald Trump, der als erster und recht konsequent den Flugverkehr stoppte, erst China, dann Europa.

Kritik an Trumps Corona-Politik

Donald Trump wird wegen seines Krisenmanagements von vielen kritisiert, auch von Stars. Bette Midler zum Beispiel, Rosie O’Donnell, Jim Carrey, Chris Evans, Ben Affleck oder Bruce Springsteen – aber auch die ehemalige First Lady Michelle Obama. Sie alle forderten Trump auf, Politik aus dem Spiel zu nehmen und der Gesundheit Priorität zu geben.

„Präsident zu sein ändert nicht, wer du bist. Es offenbart, wer du bist“, deutliche Worte, die Michelle Obama beim Parteitag der US-Demokraten am Abend sagte. . . . #wahlkampf #usa #demokraten #republikaner #obama #michelleobama #barackobama #donaldtrump #joebiden #election2020 #parteitag #milwaukee #whitehouse #president #rede #speech #zitat @michelleobama @realdonaldtrump

Demonstrationen und Verschwörungstheorien in den USA

Gleichzeitig gibt es auch in den USA etliche, die hinter Corona eine politische Verschwörung sehen, auch hier gab es Demonstrationen ohne Maske und in Michigan sogar einen Sturm auf den Gouverneurssitz.

Anders als in Deutschland teilten aber viele Politiker diese Auffassung und wollten keiner gemeinsamen Linie im Kampf gegen die Pandemie zustimmen. Ende Mai sahen die USA eine neue Explosion der Infektionszahlen. Bundesstaaten wie Florida, Georgia und South Carolina wollten die Sommersaison retten, öffneten Strände, Hotels und Restaurants – um sie kurze Zeit später wieder schließen zu müssen.

Jeder Bundesstaat hat seine eigenen Regeln

Jeder Bundesstaat in den USA macht es bis heute unterschiedlich, manche haben sogar Reisebeschränkungen für Bürger anderer Bundesstaaten. South Dakota erlaubte ein Motorradtreffen mit 250.000 Teilnehmern, im Großraum Washington sind Treffen mit über 100 Menschen verboten.

Entsprechend die Zahlen: South Dakota hat derzeit 224 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche, die USA insgesamt 84.

Immer mehr junge Menschen ziehen zu ihren Eltern

Mit einem hat man bei Beginn der Corona Pandemie nicht gerechnet: mit der Migration der jungen erwachsenen Amerikaner nach Hause. Im Juli, so hat das Pew Research Center herausgefunden, lebten mehr als die Hälfte, nämlich 52 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wieder zu Hause bei mindestens einem Elternteil. So viele waren es seit der großen Depression, der schweren Wirtschaftskrise 1929, nicht mehr.

Nun steigen diese Zahlen seit dem Tiefpunkt 1960 Jahr für Jahr, haben aber mit Ausbruch der Corona Krise einen Sprung gemacht. Die Gründe sind leicht ausgemacht, denn es sind vor allem drei Gruppen, die wieder nach Hause gezogen sind und vor allem die oft horrenden Mieten in den Städten sparen wollen.

  • Da sind diejenigen, die ihren Job verloren haben und die jetzt jeden Dollar umdrehen müssen.
  • Andere arbeiten seit Monaten im Home-Office und das kann auch dort sein, wo man günstiger wohnt, nämlich zu Hause.
  • Und nicht zuletzt die vielen tausend Studierenden, deren Seminare und Vorlesungen online stattfinden.

Die meisten Wohnheime auf dem Campus waren oder sind geschlossen, private Wohnungen in den Unistädten teuer. Jetzt wird schon darüber gefachsimpelt, wie man den Nachwuchs wieder aus dem Haus bekommt. Mehr zum US-Trend „Zurück ins Hotel Mama“ gibt's bei der Tagesschau.

Schwerwiegende Folgen der Corona-Pandemie in den USA

Das ist aber sicher nicht das größte Problem: Die amerikanische Wirtschaft brach gleichzeitig mit der gesamten Weltwirtschaft ein, Millionen wurden arbeitslos, großen und kleinen Unternehmen drohte die Pleite. Hier handelten Regierung, Kongress und Notenbank schnell, massiv und konsequent. Ungefähr drei Billionen Dollar wurden in den Markt gepumpt, weit mehr ist geplant. Es gab Kredite und Zuschüsse, um Arbeitsplätze zu erhalten, vor allem aber wurde das Arbeitslosengeld aufgestockt, auf 1.000 Dollar pro Woche. Außerdem bekamen die meisten einmalig 1.200 Dollar überwiesen. Das war mehr als viele vorher verdient hatten. Deshalb sank während der Pandemie die Zahl der überschuldeten Haushalte, etwas das viele überrascht hat. Dieses Programm ist ausgelaufen, über die Fortsetzung wird gestritten. Davon wird auch abhängen, wie es in den USA wirtschaftlich weitergeht.

Geblieben ist ein kleiner Zuschuss. Außerdem dürfen Mieter nicht vor die Tür gesetzt werden, wenn sie wegen Corona finanzielle Probleme haben. Die Börse hat ihre Verluste wett gemacht, scheint sich aber, und das beunruhigt viele Ökonomen, vollkommen von der eigentlichen Volkswirtschaft abgekoppelt zu haben.

Für die meisten Amerikaner die ihre Altersversorgung in Fonds angelegt haben, ist das allerdings eine sehr gute Nachricht. Auch in den USA hat die Schule wieder begonnen. Donald Trump hat darauf gedrängt, dass alle Kinder wieder zur Schule gehen. Dazu ist es aber nicht gekommen – auch hier macht es jeder Bundesstaat anders. Einige Schulen haben auf, andere bleiben beim Online-Unterricht. Das ist vor allem in den ärmeren Gebieten der großen Städte ein soziales Problem: Schule und Bildung sind eine Chance, das Milieu zu verlassen. Aber schon durch das eine Schuljahr sind viele Kinder zurückgefallen, wenn zu Hause Computer oder Unterstützung fehlte. Vor allem aber bekommen Tausende Kinder in der Schule ihre einzige richtige Mahlzeit am Tag. Deshalb sind manche Schulen in sozialen Brennpunkten auch während der Pandemie allein für die Schulspeisung offen geblieben.

Wettrennen um einen Corona-Impfstoff

Die Wahl rückt näher und damit die Spekulation über einen Impfstoff. Erwartet wird, dass noch im Oktober die ersten Menschen geimpft werden, einfach um ein Ass im Ärmel für die Präsidentschaftswahl zu haben. Da aber ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten, weil das Vertrauen in einen Impfstoff und damit die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, nur sehr niedrig ist.

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