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Im Landkreis Leer müssen 70 Menschen vorsorglich in Quarantäne. Der Coronavirus-Ausbruch steht offenbar in Zusammenhang mit einer privaten Feier in einem Restaurant.

In Niedersachsen dürfen Restaurants seit dem 11. Mai wieder öffnen. Im Landkreis Leer könnten sich nun in einem Lokal mehrere Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Der Landkreis teilte am Freitag mit: „Die Infektionen stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Besuch in einem Lokal.“

Offenbar handelt es sich um eine private Feier anlässlich der Wiederöffnung eines Restaurants im Ort Moormerland am 15. Mai. Nach Angaben des Landrates des Kreises Leer, Matthias Groote (SPD) prüft das Ordnungsamt nun, Hinweise auf Regelverstöße in dem Lokal.

70 Menschen vorsorglich in Quarantäne

Bis Samstag wurden zehn Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Alle seien am 15. Mai bei der Wiederöffnung des Lokals dabei gewesen, teilte der Landkreis mit. Für 70 Kontaktpersonen sei häusliche Quarantäne angeordnet worden. Da einige von ihnen Symptome zeigten, sei mit weiteren Fällen zu rechnen, hieß es. Im Landkreis Leer habe es eigenen Angaben zufolge vorher mehr als eine Woche lang überhaupt keine Neuinfektionen gegeben.

Gesundheitsministerin spricht von Privatparty

Am Samstag verteidigte Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) die Lockerungen in dem Bundesland: Diese seien mit einem gewissen Risiko verbunden. Wichtig sei jetzt, alle Kontakte der Infizierten konsequent nachzuverfolgen. Genau das geschehe jetzt im Kreis Leer, so Reimann.

Inzwischen äußerte sich auch der Inhaber der Gaststätte in der Gemeinde Moormerland gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Demnach wurden wenige Tage nach dem Eröffnungsabend am 15. Mai vier Gäste und er selbst positiv auf das Coronavirus getestet. Später folgten weitere positive Testergebnisse bei Freunden von ihm. Doch ob sie sich beim Eröffnungsabend infiziert hätten, könne der Gaststätten-Inhaber nicht sagen. Möglich seien auch Infektionen davor oder danach. Die Hygiene- und Abstandsregeln seien eingehalten worden.

Womöglich müssen noch mehr Menschen in Quarantäne

Quarantäne muss nach Angaben von Landrat Groote noch für wesentlich mehr Menschen angeordnet werden. Das sagte er am Freitag in einem Video auf Twitter, in dem er auch die aktuelle Lage im Landkreis beschreibt. Er spricht dabei von fünf neuen Fällen ohne weiter auf deren Hintergrund einzugehen. Vermutlich zählen sie aber zu den mutmaßlichen Restaurant-Infektionen, denn erste neue positive Testergebnisse wurden nach Angaben des Landkreises bereits am Dienstag gemeldet.

Der Landkreis Leer verzeichnet wieder 5 neue bestätigte Fälle. 🦠📈 Wie diese miteinander zusammen hängen und welche Veränderungen die neue Niedersächsische Verordnung mit sich bringt, berichtet Landrat Matthias Groote im Video ⬇️ https://t.co/p8OeaTWbI5

Landrat Groote warnte in einer Mitteilung außerdem: „Corona ist nicht vorbei, das Virus kann sich jederzeit weiterverbreiten.“

Dehoga: Abstands- und Hygieneregeln sollen Neuinfektionen verhindern

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga reagierte bestürzt auf den Fall. Durch das Hygiene- und Abstandskonzept, das der Verband erarbeitet habe, seien Neuinfektionen in Restaurants eigentlich nicht möglich, sagte eine Dehoga-Sprecherin bei NDR 1 Niedersachsen.

Experten warnen: Coronavirus in Innenräumen besonders ansteckend

Einige Experten hatten bereits vor Restaurant-Besuchen in geschlossenen Räumen gewarnt. Andreas Podbielski von der Universitätsmedizin Rostock sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass Gäste von Restaurants möglichst draußen sitzen sollen. Podbielski ist in Rostock Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene. Das Coronavirus werde „ganz maßgeblich“ über die Luft übertragen. „Draußen schützt der Luftzug vor einer Infektion“, erklärte Podbielski. In Innenräumen hingegen gebe es keine hundertprozentige Garantie – selbst, wenn man alle sechs bis zehn Minuten lüften würde.

Gaststätten und Cafés wurden Mitte März bundesweit geschlossen. Nachdem die Neuinfektionen deutlich zurückgingen, durften sie im Mai wieder schrittweise öffnen – allerdings mit Einschränkungen. Abstände müssen eingehalten werden und das Personal muss Mundschutz tragen. Je nach Bundesland müssen Gäste Adresse und Telefonnummer bei einem Besuch hinterlassen.

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