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Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, die Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie bis in den Mai zu verlängern. Welche Regeln in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten, erfahrt ihr hier.

Einige Beschränkungen wird es erstmal noch geben. Vor allem geht es nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darum, das bisher Erreichte nicht zu gefährden.

Werden die strengen Kontaktregeln jetzt gelockert?

Grundsätzlich nicht. Es gelten auch weiterhin für alle Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz diese Regeln: Draußen darf man sich alleine oder höchstens zu zweit aufhalten. Angehörige eines Haushalts, zum Beispiel Familien, dürfen zusammen nach draußen gehen, auch wenn es mehr als zwei Personen sind. Weiter gilt ein Abstand von mindestens anderthalb Metern.

Muss ich künftig eine Maske tragen? Ja!

Für die Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist es inzwischen Pflicht, beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr eine Maske zu tragen. Das müssen und sollen keine medizinische Schutzmasken sein. Diese sollten medizinischem und pflegendem Personal überlassen werden. Es genügt ein Schal oder Tuch über Mund und Nase, wenn kein anderer einfacher Mundschutz zur Verfügung steht.

Wie lange diese Maskenpflicht gelten soll, sei noch nicht entschieden, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

FAQ zur neuen Pflicht Was ihr jetzt zur Maskenpflicht wissen müsst

Seit Montag gilt fast bundesweit die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen. Doch was für eine Maske muss wer eigentlich wo tragen? Und was droht, wenn man sich nicht daran hält?  mehr...

Prinzipiell müssen auch Kinder eine Maske tragen. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind allerdings Kinder bis zum sechsten Geburtstag von der Pflicht ausgenommen.

Wann öffnen die Schulen wieder?

Baden-Württemberg: Der Schulbetrieb wird ab 4. Mai an schrittweise wieder aufgenommen. Hochschulen und Kindergärten bleiben zunächst geschlossen. In Baden-Württemberg sollen zuerst die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule, die vor ihrem Abschluss stehen. „Die sind auch alt genug, um sich an die Abstandsregeln zu halten“, sagte BW-Ministerpräsident Kretschmann. Danach erst sollen die Viertklässler an die Grundschulen zurückkehren, um ihnen einen geordneten Übergang auf die weiterführenden Schulen zu ermöglichen.

Lehrerinnen und Lehrer, die etwa wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehören, sollen nach Angaben des Kultusministeriums vorerst nicht unterrichten. Auch Schülerinnen und Schüler mit Vorerkrankungen sollen zu Hause bleiben – genauso wie die, deren Eltern zur Risikogruppe gehören. „Gesundheitsschutz geht vor“, betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Rheinland-Pfalz: Seit dem 27. April gehen in Rheinland-Pfalz einzelne Schüler wieder zur Schule – zunächst die, die in diesem Jahr eine Abschlussprüfung haben.

In der „Öffnungsphase 2“ ab 4. Mai folgen laut Ministerium weitere 130.000 Schüler, darunter 34.000 in den vierten Grundschulklassen, 26.000 an den Realschulen plus, 18.500 in Integrierten Gesamtschulen und 40.000 an Gymnasien. Bei den weiterführenden Schulen sind dies im Wesentlichen die Jugendlichen ab der 9., 10. oder 11. Klasse.

Hochschulen sollen zunächst geschlossen bleiben – außer für Prüfungen und bestimmte Aktivitäten etwa in Laboren.

Wie wird der Unterricht konkret aussehen?

Das ist noch unklar und von Schule zu Schule unterschiedlich. Die Kultusminister sollen sich in den nächsten Wochen über Hygiene und Schutzmaßnahmen Gedanken machen. Dabei soll es neben dem Unterricht auch um die Pausen und den Schulbusbetrieb gehen.

Kitas sollen stufenweise wieder öffnen - wann ist unklar

Kitas und Kindergärten bleiben vorerst geschlossen. Die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder und das Bundesfamilienministerium empfehlen einen behutsamen Wiedereinstieg in die Kindertagesbetreuung in vier Phasen.

Die vier Phasen umfassen demnach die aktuelle Notbetreuung, eine erweitere Notbetreuung, einen eingeschränkten Regelbetrieb und die Rückkehr zum Normalbetrieb. Die stufenweise Öffnung soll zudem von breit angelegten Studien begleitet werden.

Welche Geschäfte dürfen wieder öffnen?

Generell gilt laut der Bundesregierung, dass Läden bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern wieder öffnen dürfen. In Rheinland-Pfalz können Geschäfte ihre Verkaufsfläche aber mit Absperrungen begrenzen, wenn sie über diesem Maß liegen. Dann können auch sie einen Teil ihres Ladens wieder für die Kundschaft öffnen.

Hier geht's zur Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz

In Baden-Württemberg gilt das nicht, hier bleibt es bei der 800-Quadratmeter-Regelung.

Hier geht's zur Verordnung des Landes Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind Buchhandlungen, Auto- und Fahrradwerkstätten wieder offen. Theater, Konzerthäuser, Cafés, Restaurants, Kneipen und Discos bleiben allerdings erst mal noch zu. Das gilt auch für Schwimmbäder und Sportstätten. Sport draußen zu machen, ist aber erlaubt – zu zweit, mit Menschen aus dem gleichen Haushalt und unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes.

Friseure dürfen wieder öffnen - unter strengen Hygieneauflagen

Friseurbetriebe sollen sich dem Beschluss zufolge darauf vorbereiten, unter Auflagen den Betrieb ab dem 4. Mai wieder aufzunehmen – für sie gelten ganz besondere Hygieneauflagen.

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Wann sind Veranstaltungen wieder erlaubt?

Großveranstaltungen sollen nach Vorstellungen der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin bis zum 31. August grundsätzlich untersagt werden. Konkrete Regelungen, etwa zur Größe der Veranstaltungen, sollen demnach von den Ländern getroffen werden. Betroffen sind davon in jedem Fall auch Sportereignisse mit Zuschauern – ob oder wo in der Bundesliga und 2. Liga Geisterspiele stattfinden dürften, blieb aber offen. Gottesdienste sollen weiterhin nicht stattfinden.

Altmaier warnt vor „Hühnerhaufen“

Die unterschiedliche Herangehensweise gefällt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) weniger. „Wir dürfen nicht durcheinanderlaufen wie ein Hühnerhaufen und uns gegenseitig abwechselnd mit Verschärfungen und Lockerungen überbieten“, sagte er der Bild am Sonntag.

Wenn wir jetzt die Nerven behalten, können wir einen zweiten Lockdown vermeiden. Deshalb ist ein gemeinsames Handeln von Bund und Ländern so wichtig.

Die in den vergangenen Tagen erarbeiteten Coronavirus-Verordnungen der Bundesländer zeigen aber: Im Kleingedruckten sind die Bundesländern von einer einheitlichen Linie weit entfernt – Altmaiers Appell dürfte hier ein frommer Wunsch bleiben.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 27. Juli, 14:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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