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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Ein trans Mann wird attackiert, nachdem er zwei CSD-Teilnehmerinnen helfen wollte. Seine Verletzungen sind so schwer, dass er im Koma stirbt. Verdächtigt wird ein 20-Jähriger.

Mehrere tausend Menschen haben am Freitagabend in Münster des 25-jährigen Malte gedacht, der nach einer brutalen Attacke beim Christopher Street Day (CSD) gestorben ist. Ein Richter hat nun entschieden, dass der 20-jährige mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft muss. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Was ist beim CSD in Münster passiert?

Mehrere Teilnehmerinnen des CSD in Münster am vergangenen Samstag (27. August) wurden der Polizei zufolge von einem Mann beleidigt. Unter anderem soll er sie mit den Worten „Lesbische Hure“ und „Verpisst euch“ beschimpft haben. Ein 25-Jähriger habe ihn gebeten, damit aufzuhören. Daraufhin soll der Angreifer ihm ins Gesicht geschlagen haben. Als der Helfer zu taumeln begann, habe der Mann ihm noch einmal mit der Faust ins Gesicht geboxt. Der 25-Jährige habe das Bewusstsein verloren und sei mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufgeschlagen.

Der Angreifer und ein Begleiter flohen demnach. Rettungskräfte brachten den jungen Mann ins Krankenhaus, wo er ins künstliche Koma versetzt wurde. Am Freitagmorgen erlag er seinen Verletzungen.

+++ 25-Jähriger verstirbt nach Gewaltattacke am Rande des CSD +++ Mehr: https://t.co/7dtsKzXiRi #PolizeiMünster #Münster https://t.co/MS35jZAv0Q

Polizei fasst Verdächtigen in Münster

Noch am selben Tag konnte die Polizei einen 20-jährigen Tatverdächtigen fassen. Die Mordkommission hatte zuvor Bilder und Videos vom CSD ausgewertet und so den mutmaßlichen Täter gefunden. Eine Ermittlerin erkannte ihn dann am Hauptbahnhof von Münster und nahm ihn fest.

Auch gegen den unbekannten Begleiter des Verdächtigen wird ermittelt. „Möglicherweise ist er an den Beleidigungen beteiligt gewesen“, sagte Oberstaatsanwalt Dirk Ollech.

Queerfeindlicher Angriff bei CSD

Für Felix Adrian Schäper, Vorstand des Vereins Trans*Inter*-Münster, steht fest: Es war ein queerfeindlicher Angriff. Malte sei trans gewesen. Und der Angreifer hatte vorher zwei lesbische Frauen homofeindlich beschimpft. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, spricht von einem Hassverbrechen und queerfeindlichen Angriff:

Nach einem queerfeindlichen Angriff beim CSD in Münster ist Malte C. heute seinen Verletzungen erlegen. Unser Beileid und tiefes Mitgefühl gelten seinen Angehörigen und Freund*innen. "Ich hoffe, dass Maltes Tod unsere Gesellschaft aufrüttelt." Queerbeauftragter @svenlehmann https://t.co/7WkuJYnUei

Nach einer Hassattacke beim CSD Münster ist #Malte verstorben. Ich bin fassungslos + traurig. Mein Beileid + tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen + Freund*innen. Gewalt gegen queere Menschen ist eine Bedrohung, der wir alle uns entgegen stellen müssen. https://t.co/J5JEWYAelQ

Der Münsteraner Bischof Felix Glenn nannte es eine „barbarische“ und „irrsinnige Tat“. Auch die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigte sich auf Twitter angesichts der „Hassgewalt“ fassungslos:

Ein junger Mann wird totgeschlagen, weil er anderen helfen wollte. Auf einem #CSD. Mitten in Deutschland. Im Jahr 2022. Das macht mich fassungslos und unendlich traurig. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen von #Malte. Solcher Hassgewalt müssen wir mit aller Härte entgegentreten. https://t.co/p1xhq94iFs

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schrieb auf Twitter: „Wer Zivilcourage zeigt, schützt Werte und Normen, die das Fundament einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft bilden.

Der Mut, sich im Alltag für andere einzusetzen, verdient höchste Anerkennung. Nordrhein-Westfalen steht für eine weltoffene, tolerante und bunte Gesellschaft. Dafür hat sich dieser junge Mann eingesetzt. Dass er dabei sein Leben verloren hat, macht mich fassungslos und traurig.

Tausende Menschen bei Trauermarsch

Die Stadt wollte in Münster an allen städtischen Gebäuden die Flaggen auf halbmast setzen. „Er geht uns alle an“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) mit Blick auf den Angriff. „Unsere Stadtgesellschaft ist weltoffen und tolerant und wird weiter dafür kämpfen, ein sicherer Ort für marginalisierte Menschen zu sein.“ An einer Trauerkundgebung haben am Freitagabend in Münster in der Spitze rund 6.500 Menschen teilgenommen, sagte ein Polizeisprecher dem WDR. Heike Zafar war vor Ort:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Münster: Demo zum Gedenken an CSD-Todesopfer

Dauer
Mannheim

Gegen Gewalt an queeren Menschen Mannheim: Mahnwache nach tödlichem Angriff beim Christopher-Street-Day

Auf dem Mannheimer Paradeplatz soll es am Sonntag um 18 Uhr eine Mahnwache für das Opfer eines Angriffs beim Christopher-Street-Day (CSD) geben.  mehr...

LGBTI: Diskriminierung und Gewalt an der Tagesordnung

Die nordrhein-westfälische Gleichstellungsministerin Josefine Paul (Grüne) erklärte: „Noch immer sind Diskriminierung, Hass, Hetze und auch Gewalt für viele queere Menschen eine leider alltägliche Erfahrung.“ Das belegen auch die Ergebnisse einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur unter 16.000 Menschen aus dem LGBTI-Spektrum, die der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) auf seiner Website präsentiert.

Baden-Württemberg

Nach tödlichem Angriff beim CSD Münster CSD-Sprecher Stuttgart: "Wir sind mehr als entsetzt"

Nach einem Angriff am Rande des CSD in Münster ist ein 25-Jähriger am Freitag an seinen Verletzungen gestorben. Der Sprecher des CSD Stuttgart zeigt sich im SWR-Interview entsetzt.  mehr...

SWR4 BW Aktuell am Mittag SWR4 Baden-Württemberg

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die Presseabteilung der Polizei verfasst zu vielen Einsätzen einen kurzen Bericht. Der wird den Medien zur Verfügung gestellt. Sie liefern Informationen zum Beispiel zu Unfällen, Ermittlungen und Festnahmen. Außerdem veröffentlicht die Polizei auch Zeugenaufrufe oder Bilder von vermissten Personen und bittet die Medien darum, die Informationen zu verbreiten.

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Die ARD - das sind zehn öffentlich-rechtlichen Rundfunksender in Deutschland zusammen. Dazu gehören zum Beispiel der SWR (Südwestrundfunk), der BR (Bayrische Rundfunk) und der WDR (Westdeutscher Rundfunk). Die ARD-Journalisten berichten in Radio, Fernsehen, Internet und über Social Media, was in ihrer Region oder auch weltweit passiert. Außerdem gibt es Redaktionen für spezielle Themen zum Beispiel die Politik in Deutschland oder Gerichtsentscheidungen in Karlsruhe oder Sendungen wie Tagesschau oder Sportschau.

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