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Der Vorfall war im Februar, dann kursierte ein Video dazu, jetzt hat sich das geistliche Oberhaupt der Tibeter entschuldigt. Was genau passiert ist und wie wir den Fall einordnen, lest ihr hier.

Wer das Video nicht gesehen hat, wurde spätestens durch die öffentliche Entschuldigung auf den Fall aufmerksam. Denn auf dem offiziellen Twitter-Account des Dalai Lamas erschien am Montag diese Nachricht: „Ein Videoclip zirkuliert, der ein kürzliches Treffen zeigt, bei dem ein kleiner Junge seine Heiligkeit den Dalai Lama fragte, ob er ihm umarmen könne. Seine Heiligkeit möchte sich bei dem Jungen und seiner Familie wie auch bei seinen vielen Freunden rund um die Welt für den Schmerz entschuldigen, den seine Worte verursacht haben könnten.

Video von Zungen-Vorfall: Dalai Lama entschuldigt sich

Weiter hieß es dort: „Seine Heiligkeit neckt oft Leute, die er trifft, auf eine unschuldige und verspielte Art, sogar in der Öffentlichkeit und vor Kameras.“ Er bedaure demnach den Vorfall.

pic.twitter.com/vlmUbI4vqz

Das ist passiert: Dalai Lama will „Zunge abgelutscht“ bekommen

Bei einer öffentlichen Veranstaltung im Februar im Tempelkomplex Tsuglagkhang im indischen Dharamsala beantwortet der Dalai Lama Fragen aus dem Publikum. Als ein kleiner Junge ihn fragte, ob er ihn umarmen dürfe, bat ihn der Dalai Lama zu sich. Anschließend küsste der Junge ihn auf die Lippen. Dann streckt der Dalai Lama ihm die Zunge entgegen und fordert ihn auf, diese zu lutschen.

Einschätzung der SWR-Fachredaktion „Religion, Migration und Gesellschaft“:

So schätzt den Vorfall SWR3-Fachredakteur Mark Kleber ein:

Richtig ist, dass der Dalai Lama gerne humorvoll auftritt und Scherze macht. Aber ob das als Entschuldigung reicht – da mache ich ein Fragezeichen. Das wird der Empörung, die das Video ausgelöst hat, nicht gerecht, finde ich persönlich.

Um fair zu bleiben: Es gab meines Wissens niemals Vorwürfe gegen den Dalai Lama wegen sexueller Belästigung. Er gilt als moralische Autorität. Es gibt wenig Kritik an ihm. Er hat vor ein paar Jahren einmal für Kritik gesorgt, als er sagte, natürlich könne auch eine Frau Dalai Lama werden, sie müsse nur attraktiv sein. Das fanden viele sexistisch, dafür hat er sich später auch entschuldigt.

Ich persönlich habe beim Betrachten des Videos den Eindruck, dass die körperliche Nähe zwischen dem Dalai Lama und dem Jungen nach unseren Begriffen grenzwertig ist, und finde selbst diese Aufforderung nicht nur eklig, sondern sie setzt ein völlig falsches Signal im Umgang von Erwachsenen mit Kindern. Also ich komme eher zum Schluss, dass es da nicht um etwas Sexuelles ging, aber ich glaube, der Dalai Lama hat sich damit selbst schwer geschadet. Dass er sich nicht bewusst war, welchen Shitstorm er damit auslöst, ist für mich in der Tat überraschend.“

Wer ist der Dalai Lama?

Der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt der Tibeter – sowas wie der Papst der Buddhisten. Der jetzige 14. Dalai Lama ist der buddhistische Mönch Tenzin Gyatso. Geboren wurde er 1935.

Wie wird man Dalai Lama?

Wenn ein Dalai Lama stirbt, denken Buddhisten, dass er als Kind wiedergeboren wird. Und dieses Kind wird dann der nächste Dalai Lama. Hier wird erklärt, wie der Dalai Lama einen Nachfolger bekommt.

Woher kommt eigentlich der Personenkult um den Dalai Lama?

Mark Kleber, aus der SWR-Fachredaktion „Religion, Migration und Gesellschaft“ nennt dafür drei Gründe: Zum einen habe er als buddhistisches geistliches Oberhaupt einen hohen Stellenwert, denn seine Anrede laute ja auch „Seine Heiligkeit“ – das gilt also dem Amt. Zum anderen habe er für sein politisches Engagement und seinen Einsatz für gewaltlosen Widerstand gegen die chinesische Herrschaft in Tibet viel Anerkennung bekommen – auch den Friedensnobelpreis 1989.

Und ein dritter Grund ist:

Vor allem im Westen ist der Dalai Lama bekannt, weil er schon eine fast popkulturelle Ikone geworden ist. Er steht für Harmonie, Güte und Lebensweisheit und setzt sich auch für Werte wie Klimaschutz ein. Der Dalai Lama ist eine „Marke“ für moderne Sinnsuche geworden.

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Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Die AFP (Agence France-Presse) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AP und SID.

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