STAND
AUTOR/IN
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Patrick Seibert (Foto: SWR3)

Die Corona-Warn-App kann dabei helfen, Infektionsketten zu unterbrechen, indem Kontakpersonen gewarnt werden. Jetzt hat die App eine neue Funktion, die das noch einfacher machen soll.

Die neue Version der Corona-Warn-App bietet nun ein sogenanntes Kontakttagebuch. Darin können die Nutzer notieren, mit wem sie sich in einem Zeitraum von 14 Tage getroffen haben und wo sie sich aufgehalten haben.

Diese Funktion soll vor allen Dingen als Gedächtnisstütze dienen. Denn im Fall einer Corona-Infektionen müssen möglichst detailliert alle Kontakte eines Infizierten nachverfolgt und dann benachrichtigt werden – um sich gegebenenfalls in Quarantäne begeben zu können. Diese Aufgabe übernehmen derzeit die Gesundheitsämter. Mithilfe des Kontakttagebuchs wird das nun für die Verantwortlichen einfacher. Das Protokoll aus der App soll sich künftig auch direkt an das zuständige Gesundheitsamt übermitteln lassen. 

Warum ist ein Kontakttagebuch wichtig?

Das Führen eines Kontakttagesbuchs war eine zentrale Empfehlung des Virologen Christian Drosten. Hintergrund ist die Möglichkeit, Infektionsketten zu unterbrechen. Coronavirus-Infizierte können schon mehrere Tage vor Krankheitsausbruch anstecken seien. Das heißt, auch wer sich gesund fühlt und keine Symptome zeigt, kann das Virus weitergeben. Deshalb ist es wichtig, Risikosituationen und Kontakte genau nachvollziehen zu können.

Die neue Version der Corona-Warn-App steht für iPhone-Nutzer seit Dienstag bereit. Bei Android kann es unter Umständen aus technischen Gründen noch einige Tage dauern, bis die Aktualisierung zur Verfügung steht. Die App kann im Google Play Store und im App Store heruntergeladen werden.

Corona-Warn-App europaweit nutzbar

Beim letzten Update der Corona-Warn-App im Oktober waren zwei Funktionen hinzugekommen. Seitdem ist sie auch über die Grenzen Deutschlands hinaus in etlichen europäischen Ländern nutzbar. Zunächst waren Irland und Italien integriert worden, später sollten unter anderem Dänemark, Lettland, Niederlande, Österreich, Polen, Tschechien und Spanien folgen.

Update der Corona-Warn-App soll Risikoberechnung verbessern

Außerdem können seitdem positiv Getestete freiwillig Krankheitssymptome in der App notieren. Durch die zusätzlichen Angaben soll die App bessere Risikoberechnungen liefern können. Mögliche Kontaktpersonen sollen so eine präzisere Einschätzung ihres Ansteckungsrisikos erhalten.

Je mehr wir über die Symptome wissen und den Zeitraum der Symptome kennen, desto genauer können wir die Warnungen in der App einstellen.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI)

Infizierte Personen seien nur eine bestimmte Zeit lang infektiös, erklärte RKI-Chef Lothar Wieler. Sie würden andere Menschen nur in diesem Zeitraum anstecken. Diese Zeitspanne beginne typischerweise zwei Tage vor Symptombeginn und dauere bis etwa eine Woche bis zehn Tage nach Symptombeginn. Durch Führen eines Symptom-Tagebuchs könne man diese Zeiträume künftig besser eingrenzen.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App kann messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Dazu wird eine stromsparende Bluetooth-Technik genutzt. Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Dann kann man sich auf Kassenkosten testen lassen.

Video herunterladen (2,8 MB | MP4)

Der Daten-Abgleich findet ausschließlich auf dem eigenen Handy statt. Mit wem man sich getroffen hat, wird also nicht auf andere Server übertragen. Die Entscheidung, ob man sich die App auf das Smartphone installieren will, ist freiwillig. Die App kann auch nachträglich wieder deaktiviert oder deinstalliert werden.

App ersetzt nicht die AHA-Regeln

Vorteil der App ist, dass auch Kontakte nachvollzogen werden können, die die Gesundheitsämter nicht ermitteln können – beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die App sei aber kein Allheilmittel zur Bekämpfung der Pandemie, so Wieler. Sie ersetze nicht die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) und das Lüften. „Aber je mehr die Pandemie an Dynamik gewinnt, desto wichtiger wird die Corona-Warn-App als ein kleines Werkzeug, das eben auch einen Beitrag dazu liefert, dass wir die Pandemie besser beherrschen können.“

STAND
AUTOR/IN
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Patrick Seibert (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. München

    Erster Corona-Fall in Deutschland Ärztin machte Entdeckung zum Coronavirus – und keiner wollte es hören

    Vor fast einem Jahr war die Corona-Pandemie, die uns heute immer noch so fest im Griff hat, irgendein Virus aus China. Weit weg von unserer Lebenswirklichkeit. Eine Ärztin aus München entdeckte damals den ersten offiziellen Fall in Deutschland.  mehr...

  2. Senat entscheidet über Impeachment Ex-Präsident Trump drohen rund 30 Klagen

    Die US-Demokraten wollen auch nach der Amtszeit von Donald Trump das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn durchbringen. Der Senat stimmt darüber ab. Doch auch abseits davon drohen Trump zahlreiche juristische Verfahren.  mehr...

  3. SWR3 Tatort-Check Dieser Tatort ist mehr ein Spielfilm als ein Krimi

    Kommissar Falke wird von einer alten Freundin auf Norderney gelockt, weil dort nach und nach die ganze Insel verkauft werden soll. Etwas, was sie öffentlich anprangern will. Doch plötzlich wird ausgerechnet einer von denen ermordet, die da am meisten am Vorhaben verdienen.  mehr...

  4. News-Ticker zum Coronavirus Probleme bei Lieferung von Impfstoff: Druck auf Astrazeneca wächst

    Wegen der stark gestiegenen Infektionszahlen gibt es zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen in Deutschland. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Ticker.  mehr...

  5. Die besten Messenger-Dienste „Whatsapp-Alternative Telegram auf keinen Fall verwenden.“

    Wer kein Whatsapp verwenden möchte, landet schnell bei Telegram. Nicht zuletzt der Wendler und die Corona-Kritiker nutzen den Messenger gerne – und haben praktisch keinen Datenschutz mehr.  mehr...

  6. SWR3-Faktencheck: Sucharit Bhakdi Ist die Corona-Impfung von Biontech und Pfizer gefährlich?

    In mehreren Sendungen hat Bhakdi geschildert, dass der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer gefährlich sei. Wir prüfen seine Thesen.  mehr...