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Laura Bisch (Foto: SWR3)

Vor 25 Jahren wurde der Paragraf 175 endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Damit endete die Verfolgung Homosexueller – zumindest auf dem Papier. Das ist die Geschichte des Paragrafen in Zahlen.

§ 175

Der Paragraf war in der Kaiserzeit entstanden und später von den Nationalisten noch mal verschärft worden. Männer, die zu dieser Zeit bei „sexuellen Handlungen mit dem gleichen Geschlecht“ erwischt wurden, mussten lange ins Gefängnis.

Übrigens: Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Bundesregierung den strengeren Paragrafen aus der Nazi-Zeit, während die DDR zur alten Fassung des Kaiserreichs zurückkehrte – und den Paragrafen dann bereits 1968 abschaffte.

1969

Ein Jahr nachdem die DDR den Paragrafen gegen Homosexuelle abgeschafft hatte, beschloss dann die Große Koalition eine Strafrechtsreform: Homosexualität war ab dann keine Straftat mehr, wenn die Männer älter als 21 Jahre alt waren. Die Zahl der Verfahren gegen Männer ging damit deutlich zurück.

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1973

Vier Jahre später wurde der Paragraf dann noch mal verändert: Ab da galt Homosexualität nur noch als Straftat, wenn die Beteiligten unter 18 Jahre alt waren.

1980

Bis eine Partei dann aber vorschlug, den Paragrafen ganz zu streichen, sollten noch mal sieben Jahre vergehen. Dann – 1980 – kam die erste Forderung, den Paragrafen ganz aus dem Strafgesetzbuch zu streichen – und zwar von der FDP.

Den Antrag auf Streichung in den Bundestag eingebracht, haben dann allerdings die Grünen – das war 1985.

11. Juni 1994

An diesem Tag – nach insgesamt 123 Jahren – wurde der Paragraf § 175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen.

30. Juni 2017

Ein Meilenstein für homosexuelle Paare: Am 30. Juni 2017 beschließt der Bundestag den Gesetzentwurf, der die „Ehe für alle“ vorsieht. Damit können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland seit dem 1. Oktober heiraten.

In Harvard wurde Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar für ihr Engagement in dieser Sache gefeiert – tatsächlich hatte sie sich aber lange Zeit gegen die Entscheidung gewehrt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Bei der Abstimmung über die „Ehe für alle“ stimmte sie sogar dagegen.

11. Juni 2019

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte in Berlin, er wolle die sogenannten Konversionstherapien noch in diesem Jahr verbieten lassen. Diese „Therapien“ sollen die sexuelle Orientierung von meist jungen Menschen verändern – von homosexuell zu heterosexuell.

„Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht behandlungsbedürftig“, sagte Spahn. Eine Fachkommission bestehend aus Menschen aus Politik und Wissenschaft sowie zwei Gutachten waren zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Verbot aus medizinischer Sicht geboten und auch rechtlich möglich sei.

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