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Laura Bisch (Foto: SWR3)

Man kann die neueste Pisa-Studie so oder so lesen: Einerseits haben sich die Schüler in Deutschland bundesweit verschlechtert, andererseits sind ihre Leistungen im Vergleich zu anderen Ländern noch immer überdurchschnittlich. Was ändert sich durch ein schlechteres Pisa-Ergebnis bei uns?

Bis 2013 wurden Deutschlands Schüler immer besser und besser – seit 2016 dann immer schlechter. Insgesamt gab es in dieser Zeit zwei Pisa-Studien.

Die Bilanz 2019: Die deutschen Schüler haben sich in allen drei Bereichen der internationalen Vergleichsstudie – also Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – wieder leicht verschlechtert.

Aber: deutsche Schüler weiterhin überdurchschnittlich

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies bei der Vorlage der Zahlen am Dienstag in Berlin aber auch darauf hin, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin über dem OECD-Durchschnitt lägen – und damit auf einem guten Niveau.

In Mathematik und Naturwissenschaften sei Deutschland sogar deutlich besser als der Durchschnitt der OECD-Länder. Der Abstand zur Spitzengruppe in Europa und Asien mit Singapur, Hongkong, Japan, Estland, Kanada oder Finnland bleibt dennoch groß.

Warum wird Deutschland im Pisa-Vergleich immer schlechter?

Einer der Faktoren für den Leistungsrückgang könnten die seit der Flüchtlingskrise gestiegenen Ansprüche an das Bildungssystem sein, hieß es von der OECD. Der Anteil von Schülern „mit eigener Migrationserfahrung“ sei seit der letzten Pisa-Erhebung deutlich gestiegen – und deren Integration in das Bildungssystem sei eine große Herausforderung.

Die Autoren kritisierten bei der Vorlage der Ergebnisse ein altbekanntes Problem in Deutschland: Der Schulerfolg hänge in der Bundesrepublik weiterhin stärker von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. Privilegierte Schüler hätten einen deutlichen Leistungsvorsprung zu denen, die sozial benachteiligt seien.

Mädchen können besser Lesen, Jungs sind besser in Mathe

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Mädchen können besser Lesen als Jungen – und zwar nicht nur in Deutschland. In Mathe sind die Jungen vorne. Bei den Naturwissenschaften sehen die Autoren in Deutschland keine Unterschiede.

Außerdem ist laut der Studie der Anteil der leistungsschwachen Schüler ziemlich hoch: Als bedenklich eingestuft wird, dass jeder fünfte 15-Jährige beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau erreicht. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.

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