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Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca vorsorglich gestoppt, Impftermine sind abgesagt. Was bedeutet das für Menschen, die bereits damit geimpft wurden?

Alle aktuellen Infos zu diesem Imfpstoff findest Du hier:

Spahn gibt Impfstoff frei Der Südwesten impft wieder mit Astrazeneca – Ursache für Thrombosen entdeckt?

Der Astrazeneca-Stopp in Deutschland ist Geschichte: In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird das Mittel wieder gespritzt. Forscher aus Greifswald wollen die Ursache für die Thrombosen entdeckt haben – und was man dagegen tun kann.  mehr...

Die Bundesregierung folgt mit dem vorläufigen Stopp einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts. Grund seien weitere Meldungen über Hirnvenen-Thrombosen. Es müsse geprüft werden, ob es einen Zusammenhang mit der Verimpfung des Astrazeneca-Vakzins geben könnte.  

In den ARD-Tagesthemen am Montagabend erklärte der Präsident des Paul-Ehrlich-Institut, Klaus Cichutek, den vorübergehenden Stopp. Man habe nach mehreren tödlichen Fällen von Blutgerinnseln eine neue Lage und müsse die Befunde im europäischen Vergleich diskutieren. Das zeige, dass Impfstoffe gut überwacht würden.

Update zum #Astrazeneca-Impfstopp: Drei der sieben Thrombose-Fälle sind laut @PEI_Germany tödlich verlaufen. "Es ist gerechtfertigt, einen Moment zu pausieren und diesen Befund mit den europäischen Daten abzugleichen", sagte PEI-Präsident Cichutek den @tagesthemen

EMA: Nutzen größer als Risiken

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hält den Nutzen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für größer als die Risiken. Die Direktorin der EMA, Emer Cooke, betonte, eine Situation wie diese sei nicht unerwartet. Bei Millionen Impfungen seien seltene oder ernsthafte Vorkommnisse unausweichlich. Die EMA prüfe nun, ob es sich dabei tatsächlich um eine Nebenwirkung handle oder um Zufall.

Spahn: Aussetzung ist „reine Vorsichtsmaßnahme“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezeichnete die vorläufige Aussetzung der Corona-Schutzimpfungen mit dem Präparat von Astrazeneca als „reine Vorsichtsmaßnahme“. „Wir setzen aus, um zu überprüfen“, sagte Spahn in einer Pressekonferenz. Das Ergebnis der Überprüfung sei offen.

#AstraZeneca-Impfung ausgesetzt: Pressekonferenz mit @jensspahn https://t.co/Xu5DW8cB1l

Mit Astrazeneca geimpft – und jetzt?

Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass Personen, die den Covid-19-Impfstoff Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, z.B. mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollten.

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stoppen Impfungen mit Astrazeneca

Auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben bereits vergebene Termine für den Wirkstoff vorsorglich ausgesetzt. Das haben die zuständigen Ministerien der Bundesländer bekannt gegeben.

Alle Infos zum Impfstopp von Astrazeneca in Baden-Württemberg:

Alle Infos zum Impfstopp von Astrazeneca in Rheinland-Pfalz:

Hersteller: Keinerlei Beweise für erhöhtes Risiko für Lungenembolie

Astrazeneca selbst hat seinen Covid-19-Impfstoff verteidigt. Der britisch-schwedische Hersteller des Vakzins betonte, die Analyse von mehr als zehn Millionen Fällen habe „keinerlei Beweis für ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie oder Thrombose“ ergeben. Weiter: Es gebe „sehr beruhigende Beweise“, dass das Vakzin in Großbritannien, wo es in Europa bisher am Häuftigsten verimpft wird, nicht zu einer Zunahme von Blutgerinnseln geführt habe.

Lauterbach kritisiert Stopp der Astrazeneca-Impfungen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält es für falsch, dass nun auch in Deutschland die Impfungen mit Astrazenca-Impfdosen ausgesetzt werden. „Auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler“, twittert Lauterbach. „Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen. In der jetzt Fahrt aufnehmenden 3. Welle wären die Erstimpfungen mit dem Astrazeneca Impfstoff Lebensretter.“

Auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler. Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen. In der jetzt Fahrt aufnehmenden 3. Welle wären die Erstimpfungen mit dem AstraZeneca Impfstoff Lebensretter https://t.co/FYhon24KnN

Irritiert äußerte sich auch die SPD-Europapolitikerin Katarina Barley zum Astrazeneca-Stopp. „Die neueste Generation der Antibabypille hat als Nebenwirkung Thrombosen bei acht bis zwölf von 10.000 Frauen. Hat das bisher irgendwen gestört?“, fragte sie auf Twitter.

Übrigens: die neueste Generation der Antibabypille hat als Nebenwirkung Thrombosen bei 8-12 von 10.000 Frauen. Hat das bisher irgendwen gestört? #AstraZeneca ⁦@betterbirthctrl⁩ https://t.co/BiTurG7EDg

Blutgerinnsel und Thrombosen nach Impfung mit Astrazeneca?

Als erstes Land hatte Dänemark die Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt. Die Behörden in Kopenhagen hatten auf mehrere Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem Vakzin verwiesen. Es folgten Norwegen, Island sowie die EU-Länder Bulgarien, Irland und am Sonntagabend dann auch die Niederlande.

Österreich, Estland, Lettland, Litauen und Luxemburg setzten die Nutzung von einer bestimmten Astrazeneca-Charge aus, Italien und Rumänien stoppten eine andere Charge.

In Großbritannien wird weiter mit Astrazeneca geimpft

Von den Impfstopps unbeeindruckt, impft man in Großbritannien weiter mit Astrazeneca. Die britische Regulierungsbehörde für Impfstoffe nehme zwar die Berichte über Nebenwirkungen ernst, bisher fehle aber der Beweis für einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und Thrombosen.
Aus London berichtet Thorben Ostermann:

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. Oktober, 06:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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