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SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach argumentiert für eine Cannabis-Legalisierung. Der Grund dafür wirft allerdings Fragen auf.

In einem Interview mit der Rheinischen Post erklärte Karl Lauterbach (SPD) seine neue Haltung in Sachen Legalisierung von Cannabis: Eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene mache Sinn. Dann könnten Konsumenten besser vor gepanschtem Cannabis geschützt werden. Der Grund:

Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßen-Cannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.

Jahrelang habe er eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme er als Arzt aber zu einem anderen Schluss, sagte Lauterbach in dem Interview weiter.

In den Sondierungsgesprächen von SPD, Grünen und FDP nimmt die Debatte um eine #Cannabislegalisierung wieder an Fahrt auf. SPD-Gesundheitsexperte @Karl_Lauterbach plädierte beispielsweise nun dafür – obwohl er lange Zeit ein Gegner dessen war. [RP+] https://t.co/3UMZlzCQQo https://t.co/xpV5h8VTYc

Wird Cannabis tatsächlich mit Heroin gestreckt?

SWR3 hat dazu bei der Drogenberatungsstelle Release in Stuttgart nachgefragt. Von dort heißt es, dass man sich das eher nicht vorstellen könne, beziehungsweise keine Erfahrungen mit Cannabis habe, das durch Kokain oder Heroin gestreckt wurde.

Auch die verschiedenen Nutzungsarten würden das ausschließen, so die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle. Denn Kokain schnupfe man oder man stelle Crack draus her. Heroin könne man auf Alufolie verdampfen und einatmen, aber in Joints würde das so erst mal nichts bringen. Und: Wer kifft, würde den Unterschiede in Stärkegrad schnell merken und gestrecktes Zeug eher lassen.

LKA Rheinland-Pfalz ist skeptisch in Bezug auf Lauterbach-Aussage

Auch das Landeskriminalamt Rheinland Pfalz (LKA) zeigte sich in Bezug auf die Aussage des Gesundheitsexperten Lauterbach, dass Cannabisprodukte im Schwarzhandel mit „neuartigem Heroin“ gestreckt würden, skeptisch. Auf SWR3-Nachfrage erklärte Siegfried Zörntlein, Chemiker und forensischer Toxikologe im LKA, in deren Labor sei ein solches Material bisher noch nicht aufgetaucht. Den LKA-Ermittlern lägen diesbezüglich keine Fälle vor. Auch im engen Austausch mit Toxikologie-Kollegen aus Rechtsmedizin und anderen Landeskriminalämtern aus dem ganzen Bundesgebiet wurde demnach von solchen Fälle nicht berichtet.

Tatsächlich sei aber Cannabis auf dem Markt, das mit potentiell gefährlichen Wirkstoffen versetzt sei, so der LKA-Chemiker. Dabei handle es sich oft um sogenannten CBD-Hanf, dessen Blüten einen hohen CBD-Gehalt (Cannabidiol) bei sehr niedrigem THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) aufweisen. Diese Blüten würden mit synthetischen Cannabinoiden versetzt.

Aufgrund der ungenauen Dosierung und der mitunter sehr starken Potenz dieser neuartigen Cannabisrezeptorwirkstoffe seien Rauschverlauf und Vergiftungserscheinungen hier nicht ohne weiteres vorhersehbar, erklärte Zörntlein. Er denke daher, dass es sich bei der Aussage des SPD-Gesundheitsexperten Lauterbach letztlich um eine Verwechslung der dem CBD-Hanf zugesetzten Wirkstoffe gehandelt haben dürfte.

Liberale Drogenpolitik der neuen Ampel-Koalition?

Verwechslung oder nicht – dass die Diskussion über die Legalisierung von Cannabis gerade wieder Fahrt aufnimmt, könnte auch an den derzeitigen Sondierungsgesprächen liegen. FDP und Grüne, die mit der SPD über eine mögliche Ampel-Koalition sprechen, sind für eine Legalisierung von Cannabis und einen „Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften“. Ihnen geht es dabei auch um eine Entkriminlisierung.

Die Cannabislegalisierung sei eine überfällige Selbstverständlichkeit, schrieb Jens Teutrine, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, auf Twitter. Er machte aber auch klar, dass es für eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mehr brauche als „legales Kiffen“.

Die #Cannabislegalisierung ist eine überfällige Selbstverständlichkeit. Stigmatisierung, Prohibition & Kriminalisierung sind gescheitert. Für eine 🚦 braucht es mehr als legales Kiffen, z.B. Agenda für sozialen Aufstieg, BAföG-Reform, enkelfitte Rente & Erhöhung Minijobgrenze.

Liberalere Drogenpolitik. Ein Kommentar Gebt das Cannabis endlich frei!

Polizeigewerkschafter poltern gegen eine liberalere Cannabis-Politik – und zeigen dabei eine offensichtliche Ahnungslosigkeit zulasten der Millionen Cannabis-Konsumenten im Land, meint Stefan Giese.  mehr...

CDU und Vertreter der Polizei gegen Cannabis-Legalisierung

Gegenwind in Bezug auf eine mögliche Cannabis-Legalisierung kommt vom CDU-geführten Bundesgesundheitsministerium. Ein Sprecher von Minister Jens Spahn (CDU) sagte, bei Cannabis handle es sich um eine gefährliche Substanz, eine Legalisierung sei daher nicht angezeigt. In bestimmten medizinischen Fällen könne die Verwendung von Cannabis allerdings helfen.

Auch einige Vertreter von Polizeigewerkschaften warnen vor einer Legalisierung. Sie argumentieren unter anderem, bei Cannabis handle es sich um eine oft verharmloste Droge, die gerade bei Jugendlichen zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen könne.

Sollte Cannabis legalisiert werden? Das sagt ihr auf Facebook dazu

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP haben sich schon häufiger für einen regulierten legalen Verkauf von #Cannabis...Posted by SWR3 on Tuesday, October 12, 2021

Hier sind ein paar Antworten – und die zeigen, dass die Meinung beim Thema Legalisierung von Cannabis weit auseinandergehen:

Ja, und zwar für Kranke als Medizin. Einer Freundin hat das medizinische Canabis bei ihrer Krebserkrankung sehr geholfen – zumindest als Schmerzstiller. Die Hürden und der Papierkram waren jedoch eine Zumutung.

Solange Alkohol fast ohne Einschränkung verkauft und gekauft werden kann, erübrigt sich jede Frage zur Legalisierung. Die Antwort *muss* JA lauten. Insbesondere wäre dies hilfreich für Cannabiskonsum ohne Chemie, Streckung, etc., was den Krankenkassen mit Sicherheit gefällt… und unserem Körper. Drink responsible. Smoke responsible.

Bitte Polizei Meldungen lesen, wie oft und immer öfter bekifft Auto gefahren wird und wieviel Unfälle dadurch passieren.

Kaum haben sie den süßen Duft der Macht gerochen, gehen Grün/Gelb ab wie Schmidts Katze! Die Freigabe von Canabis wäre meiner Meinung nach ein ultrafatales Signal für die jungen Generationen. Beim Kauf von Alkohol und Zigaretten muss der Perso gezeigt werden, die Tüten gibt's dann zum Schädeldeckenlüften an jeder Ecke legal....da fehlen einem die Worte.

Für Familien, die schon Drogentote zu beklagen haben, stellt sich diese Frage mal gar nicht.

Headshops die nur an Menschen über 25 Jahren verkaufen und gut ist. Ich leide an einer lebenslangen Angststörung und Cannabis hat mir immer geholfen, mich nicht irgendwann einfach aufzuhängen.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 22. Oktober, 05:30 Uhr - SWR3 Nachrichten

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