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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)
Djamila Chastukhina
Djamila Chastukhina (Foto: DASDING)

Bei einer Lawine aus Eis, Schnee und Felsen starben mindestens elf Menschen. Bei fünf zuletzt Vermissten zogen Rettungskräfte ein trauriges Fazit. Doch sie wollen weiter suchen.

Knapp eine Woche nach dem Gletscherabbruch in den Dolomiten ist der letzte noch vermisste Bergsteiger gefunden und tot geborgen worden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer nach dem Unglück auf elf. Bei den Toten handelt es sich um sechs Männer und drei Frauen aus Italien sowie zwei tschechische Bergsteiger.

Acht Menschen wurden verletzt. Darunter sind ein Mann und eine Frau aus Deutschland, die in einer Klinik der Provinz Belluno behandelt werden. Ihr Zustand sei stabil, hieß es zuletzt vom Krankenhaus. Sie sollen 58 und 67 Jahre alt sein.

Dolomiten: Alle übrigen fünf Vermissten tot

Die Einsatzkräfte gingen am Samstag davon aus, dass sich keine weiteren Menschen unter den Eis- und Geröllmassen am Berg Marmolata in den norditalienischen Alpen befinden. Fünf Alpinisten galten zuletzt noch als vermisst. Durch einen Abgleich von DNA konnten Experten sie aber gefundenen Leichen zuordnen.

Ein Hubschrauber der Bergrettung fliegt zu dem abgebrochenen Gletscher am Berg Marmolata. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ein Hubschrauber der Bergrettung fliegt zu dem abgebrochenen Gletscher. Picture Alliance

Lawine am Marmolata traf mindestens zwei Gruppen

Am Sonntag rollte eine Lawine aus Eis, Schnee und Felsbrocken mit hoher Geschwindigkeit ins Tal. Dieses Twitter-Video soll angeblich den Vorfall zeigen – ob es echt ist, lässt sich jedoch nicht mit absoluter Sicherheit sagen:

The footage of the large ice avalanche in Marmolada today in close proximity. We don't know the author, we will write it in the comments as soon as we will know it. Indeed an impressive sequence https://t.co/zDo4q40qOP

Der Gletschersturz ereignete sich an der Marmolata und damit dem höchsten Berg der Dolomiten. Dort waren gerade mehrere Bergsteiger auf den Routen unterwegs, die am häufigsten für den Aufstieg genutzt werden. Mindestens zwei Gruppen, im Bergsteiger-Jargon auch als Seilschaften bezeichnet, wurden dadurch von der Lawine getroffen.

Weitere Bergsteiger saßen fest

Daraufhin eilten Bergretter aus der umliegenden Gegend, den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol, mit Hubschraubern und Hundestaffeln zu der Unglücksstelle. Dort bargen sie Tote und transportierten Verletzte in Kliniken. Außerdem brachten sie Bergsteiger in Sicherheit, die nach dem Lawinenabgang in der Nähe festsaßen.

Dieses Bild italienischer Behörden soll gerettete Bergsteiger zeigen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico | --)
Dieses Bild italienischer Behörden soll gerettete Bergsteiger zeigen. picture alliance/dpa/Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico | --

Unzählige Tonnen des Gletschers brachen ab

Dieses Video zeigt offenbar den Gletscher, nachdem ein großer Teil seiner Masse abgebrochen ist:

Incredible footage from an helicopter of the mountain rescue of the basal detachment in Marmolada. Water lubrication at the base (or interstrata) and increased pressure in water-filled crevasses are probably the main causes for this catastrophic event https://t.co/2OXRExkdjy

Reinhold Messner: Klimawandel und Erderwärmung sind schuld

Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner macht den Klimawandel und die Erderwärmung für den Abbruch und die dadurch entstandene Lawine verantwortlich: „Diese fressen die Gletscher weg“, hat der 77-Jährige der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Die Gletscher würden wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen immer instabiler.

Messner äußerte sich am Montagabend in den ARD-Tagesthemen dazu:

Der Meteorologe Karsten Schwanke geht davon aus, dass wir Unfälle oder Gletscherbrüche wie in Norditalien in den nächsten Jahren häufiger sehen:

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