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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Wer Heizlüfter kauft, um teures Gas einzusparen, begeht einen Fehler, zeigt eine Beispielrechnung von Behörden. Ist ein möglicher Gas-Stopp ein besserer Kaufgrund?

In einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox haben zehn Prozent der Befragten gesagt, sie hätten sich im letzten halben Jahr eine Elektroheizung gekauft. Die große Nachfrage hat mehrere mögliche Gründe. Die wichtigsten dürften der Preis und die Sicherheit sein, nicht in einer kalten Wohnung frieren zu müssen. Aber treffen sie zu?

Kaufgrund 1: Stromheizung angeblich billiger als teures Gas

Dieser Meinung sind nach Angaben des Vergleichsportals Verivox etwas mehr als ein Viertel der Befragten im Rahmen der Umfrage. Weitere 39 Prozent seien der Ansicht, dass die Kosten von Strom und Gas zumindest in etwa gleich seien. Doch damit liegen zwei Drittel der Befragten falsch, teilt das Vergleichsportal über die Umfrage mit, die nach eigenen Angaben für Deutschland repräsentativ ist. Angaben der Bundesnetzagentur scheinen das zu bestätigen: Obwohl die Gaspreise in letzter Zeit stark gestiegen seien, sei Strom trotzdem noch ungefähr um die Hälfte teurer, hat Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller in der aktuellen Welt am Sonntag gesagt.

Ein neueres Modell eines Heizlüfters, der rot leuchtet (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)
picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Das Portal Verivox kommt sogar auf einen noch größeren Preisunterschied: Im August habe eine Kilowattstunde Strom im bundesweiten Schnitt 42 Cent gekostet, bei Gas waren es demnach rund 18 Cent, also ein Unterschied von mehr als 100 Prozent. Das Portal geht aber von einem bevorstehenden deutlichen Anstieg aus.

Wer also rein die Kosten betrachtet, fährt laut Bundesnetzagentur und Verivox zumindest zur Zeit mit einer Gasheizung – allen Preisanstiegen zum Trotz – finanziell besser als mit einem Heizlüfter.

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Baumarkt Hammer SWR3 Comedy: Baumarkt Hammer (081) Heizlüfter

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Gasumlage und Preisanstieg kommen noch dazu

Noch unklar ist allerdings, wie hoch der Preisunterschied letztlich ausfällt, wenn neben weiteren Preissteigerungen auch die Gasumlage einberechnet wird, die die Bundesregierung am Donnerstag auf den Weg gebracht hat. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte zuletzt eine Größenordnung von 1,5 Cent bis fünf Cent pro Kilowattstunde genannt. Ihre genaue Höhe soll am 15. August bekanntgegeben werden.

Auf eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kämen demnach inklusive der Mehrwertsteuer jährliche Mehrkosten zwischen 357 und 1.190 Euro zu, berichtet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich auf Berechnungen des Verivox-Konkurrenten Check24. Habeck kündigte parallel zur Umlage an, Bürger an anderer Stelle finanziell entlasten zu wollen.

Kaufgrund 2: Sorge vor einem Gas-Stopp

Viele hatten dem Vergleichsportal zufolge in der Umfrage angegeben, sie hätten den Heizlüfter in der Sorge gekauft, sie könnten ansonsten im kommenden Winter vielleicht nicht ausreichend heizen. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert in diesem Zusammenhang den Verivox-Energieexperten Thorsten Storck mit der Ansicht, solche Sorgen seien unbegründet: „Selbst wenn Russland die Gaslieferungen vollständig einstellt, bleiben die Heizkörper zuhause warm.“ Haushalte gehörten zu den gesetzlich geschützten Kunden, die auch dann mit Gas beliefert würden, wenn die Gasversorgung stark eingeschränkt wäre, so Storck. Allerdings ist der derzeitige Schutz von Privathaushalten offenbar nicht in Stein gemeißelt.

Habeck: Auch Haushalte müssen ihren Anteil leisten

Denn Minister Habeck stellte Mitte Juli in Frage, dass Privathaushalte in jedem möglichen Zukunfts-Szenario Priorität genießen. „Die europäische Notfallverordnung Gas sieht vor, dass kritische Infrastruktur und Verbraucher geschützt sind und Industrie und Wirtschaft nicht“, sagte Habeck. Dies sei sinnvoll bei kurzfristigen und regionalen Problemen. „Das ist aber nicht das Szenario, das wir jetzt im Moment haben", sagte er weiter: „Wir reden hier möglicherweise von einer monatelangen Unterbrechung von Gasströmen“, sagte er mit Blick auf russische Gaslieferungen.

Sein Ministerium relativierte die Äußerungen anschließend: Kindergärten, Krankenhäuser oder auch private Verbraucher seien geschützt und würden „auch im Fall einer Gasmangellage weiter versorgt“, teilte die Behörde der Süddeutschen Zeitung auf Nachfrage mit. Es gehe nicht darum, dass diese Kunden nicht mehr beliefert würden, sondern wie diese einen Beitrag leisten könnten zur Einsparung von Gas, so das Ministerium.

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Aber auch Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller sieht das Thema offenbar weniger eindeutig als der Verivox-Experte: Müller sagte in der aktuellen Welt am Sonntag, private Haushalte seien im Fall einer Mangellage nicht vor verordneten Einschränkungen geschützt. Grundsätzlich seien auch Verordnungen denkbar, die nur noch das Beheizen einzelner Räume erlauben. Er wolle aber über nichts spekulieren, weil diese Diskussion noch geführt werde.

Warnung vor Stromausfällen durch Heizlüfter

Was auch immer die Gründe für den Kauf eines Elektro-Heizlüfters sind: Die Geräte könnten unabhängig davon im Herbst und Winter das Stromnetz gefährden, befürchten Verbände. Ihr massenhafter Einsatz könne die Netze überlasten, warnen der Elektrotechnik-Verband VDE und der Gaswirtschaftsverband DVGW. Sinnvoller sei, Gasheizungen „maßvoll“ zu nutzen und ihre Effizienz zu steigern.

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