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It's coming Rome! Italien ist Europameister und nimmt den Pokal mit nach Hause. Das ganze Land feiert seine Mannschaft. In England herrscht dagegen Trauer.

Um 6:06 Uhr landet die Alitalia-Maschine von London auf dem Flughafen in Rom. Darin sitzt die italienische Nationalmannschaft und hat den Pokal der Fußball-Europameisterschaft im Gepäck. Die Fans schreien vor Freude, Dutzende Flughafen-Mitarbeiter haben sich um die Maschine versammelt. Sie applaudieren und begrüßen mit Sprechchören die Mannschaft. Die Spieler winken voller Freude beim Aussteigen, Abwehrspieler Leonardo Bonucci ruft: „Wir sind die Champions von Europa!

Rom, Mailand, Palermo: Ganz Italien feiert seine EM-Helden

Schon in der Nacht, unmittelbar nach dem dramatischen Sieg im Elfmeterschießen gegen Gastgeber England, jubelten Hunderttausende in ganz Italien über den EM-Triumph der Squadra Azzurra. Mit Autokorsos, Hupkonzerten und zahlreichen spontanen Siegesfeiern feierten die Tifosi den Erfolg der Elf von Trainer Roberto Mancini.

Feuerwerkskörper wurden bis in die frühen Morgenstunden im ganzen Land abgebrannt. In Mailand strömten die Fans zum Domplatz und ließen mit Gesängen und Jubelschreien ihrer Freude freien Lauf, viele schwenkten italienische Flaggen.

In Rom hatten Tausende Fans die Partie auf Großbildleinwänden vor dem Kolosseum und auf der zentralen Piazza del Popolo verfolgt und den Sieg gefeiert. Auch auf vielen anderen Plätzen der Stadt wurde gefeiert, meist ohne Masken und ohne Einhaltung der Abstandsregeln.

Große Trauer bei den englischen Fans

Während Italien feiert, sieht die Lage in England ganz anders aus. Die Zeitungen dort schwankten spät am Sonntagabend zwischen riesiger Enttäuschung und Stolz. „Unerträgliche Schmerzen – die heldenhaften Three Lions verlieren im Elfmeterschießen“, schrieb der Mirror. „Nicht schon wieder! Ein mutiges England verliert im herzzerreißenden EM-Finale im Elfmeterschießen gegen Italien“, meinte der Daily Star. Im Wembley-Stadion weinten viele Fans und machten sich schnell auf den Nachhauseweg.

Niemand ist auf sich alleine gestellt. Wir gewinnen und verlieren als Team“, sagte Englands Trainer Garreth Southgate, der die Schuld für das verlorene Elfmeterschießen auf sich nahm: „Das ist meine Entscheidung, nicht die der Spieler. Wir haben die besten Schützen ausgewählt, die auf dem Feld standen.“ Er, sagte der 50-Jährige, sei der, dem die Schuld zu geben sei.

Der Elfmeterfluch lässt England auch im EM-Finale nicht los

Denn es war ausgerechnet im Elfmeterschießen und ausgerechnet in Wembley. Da standen die Three Lions nach 55 Jahren endlich wieder im Finale eines großen Turniers. Und dann schlug er wieder zu – der Elfmeterfluch, der England so unerbittlich verfolgt.

Englands Trainer Southgate weiß genau, wie sich das anfühlt, wenn man den vielleicht wichtigsten Elfmeter der Karriere nicht verwandelt. Schließlich ist er Teil der Geschichte des englischen Elfmeterfluchs. 1996 verschoss er gegen den deutschen Torwart Andi Köpke im EM-Halbfinale. Und das vor heimischem Publikum. Auch im Wembley-Stadion. Umso mehr dürfte er gezittert haben, dass es hier, in Englands größtem Fußballtempel, wieder zum Elfmeterschießen kommt.

Fußball: EM-Final. Englands Kalvin Phillips und Luke Shaw trösten ihren Mannschaftskameraden Bukayo Saka, nachdem dieser beim Elfmeterschießen einen Elfmeter nicht verwandeln konnte.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Und dann stand es nach 120 Minuten plus Nachspielzeit 1:1. Jetzt hätte sich die Geschichte gnädig zeigen können. Aber es kam anders. Drei verschossene Elfmeter für England und Italien ist Europameister. Nichts da von wegen Football's coming home. "It‘s coming Rome" trendete dann auch gleich in den sozialen Medien.

IT’S COMING ROME ! 🇮🇹 #ITAENG #ForzaAzzuri #ItsComingRome !!!! https://t.co/s9PZIgLjhu

Die Meme-Ersteller waren wieder ziemlich kreativ.

#ItsComingRome #ITAENG #Euro2020Final #EURO2020 #Chiellini https://t.co/3w29M7gSn9

Veni, vidi, vici...

Die Nacht nach dem Spiel kurz zusammengefasst. #ItsComingRome https://t.co/PASvZ9Gkia

Über den Hashtag #itscomingrome freut sich Twitter vermutlich tatsächlich tierisch, schließlich beschert er dem Kurznachrichtendienst haufenweise Klicks.

Was soll ich sagen? :D :D #ItsComingRome https://t.co/a8fEseoIro

Im echten Leben lässt sich das Tattoo wohl leider nicht so leicht abändern.

Und wie findet ihrs #ItsComingRome https://t.co/MKwBYuPyTu

Aber im Netz gab es nicht nur Glückwünsche und eine Portion Schadenfreude, sondern auch die Warnung vor Konsequenzen:

Ruft nur #ItsComingRome ihr Narren, doch die Rache wird mein sein! https://t.co/vCTf8I6ntu

Europa

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