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Viele Häuser sind vom Erdbeben zerstört. Die Menschen in Haiti finden kaum Schutz vor dem Tropensturm „Grace“. Die Lage im Katastrophengebiet wird immer chaotischer, sagen Helfer vor Ort.

Mehr als 2.000 Menschen sind bei dem Erdbeben in Haiti ums Leben gekommen. Mehrere Tausend wurden verletzt. Die Krankenhäuser sind völlig überlastet, Straßen sind zerstört, Häuser eingestürzt - kurz: „Die Lage in Haiti ist unübersichtlich und chaotisch.“ Das sagt der Leiter des Kinderhilfswerks Unicef in Haiti, Jean Stenio Pierre, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wir haben ernsthafte Probleme, die Menschen unterzubringen, die ihre Behausungen durch das Erdbeben verloren haben. Die Leute sind dem Regen ausgesetzt.

Die Behörden gehen davon aus, dass mindestens 30.000 Familien obdachlos geworden sind. Wegen der Nachbeben trauten sich die Menschen auch nicht in den intakten Gebäuden Schutz zu suchen, so Pierre.

Unicef-Leiter zur Lage in Haiti: „Zerstörung ist erschreckend“

Helfer hätten zudem Probleme gehabt in betroffene Gebiete zu kommen, um die Menschen dort zu versorgen, weil die Wege dorthin zu gefährlich seien. Einige wichtige Verbindungsstraßen werden von Banden kontrolliert, erklärt der Unicef-Leiter. Mittlerweile gebe es aber Korridore für humanitäre Hilfe. Das sei wichtig, denn gerade in den abgelegenen Vierteln sei die Zerstörung durch das Beben erschreckend. „Der Mangel ist außerordentlich.“

Erdbeben war im ganzen Land zu spüren

Am Samstagmorgen (Ortszeit) hatte ein Erdbeben der Stärke 7,2 das ganze Land erschüttert. Es hat sich offiziellen Angaben nach rund zwölf Kilometer von der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud in einer Tiefe von rund zehn Kilometern ereignet. Die Zahl der Toten ist nach offiziellen Angaben auf nehr als 2.000 gestiegen. Der Zivilschutz geht von rund 10.000 Verletzten aus. Ministerpräsident Ariel Henry hat einen einmonatigen Ausnahmezustand ausgerufen.

17.08.2021:. Le #bilanPartiel humain du #séisme s’élève désormais à 1 941 morts: ✅1 597 dans le Sud ✅205 dans la Grand’Anse ✅137 dans les Nippes ✅ 2 dans le Nord-Ouest. Plus de 9 900 blessés sont enregistrés dans les départements du Sud, des Nippes et de la Grand’Anse. https://t.co/AQcCYrK0Ia

Viele Menschen warten auf medizinische Hilfe und Nahrungsmittel aus dem Ausland. Die trifft aber nur langsam ein.

Tropensturm „Grace“ zieht über Erdbebengebiet

Tropensturm „Grace“ hat die Lage in Haiti weiter verschärft: Er zog genau über das Krisengebiet im Süden des Landes. Wegen der heftigen Regenfälle ist der Rettungseinsatz für die Erdbebenopfer gestoppt worden. Viele Menschen sind seit dem Beben obdachlos und viele Gebäude einsturzgefährdet. Hilfsorganisationen verteilen auf der Straße Essen an die Menschen.

Amerikanische Staaten und EU versprechen Hilfe für Haiti

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Kolumbien, Argentinien, Mexiko, Kanada und die USA boten bereits Hilfe an. US-Präsident Joe Biden erklärte auf Twitter, dass die USA für Haiti da sein werden und sicherte die Unterstützung beim Wiederaufbau zu:

In what is already a challenging time for the people of Haiti, I am saddened by the devastating earthquake that occurred in Saint-Louis du Sud, Haiti this morning. Through USAID, we are supporting efforts to assess the damage and assist efforts to recover and rebuild.

Die EU will den Karibikstaat mit zunächst drei Millionen Euro unterstützen. Die EU-Kommission teilte mit, das Geld solle etwa für medizinische Versorgung, für Wasser-, Abwasser- und Hygienedienste sowie für Unterkünfte eingesetzt werden. Zu weiterer Unterstützung sei man bereit, sagte EU-Kommissar Janez Lenarcic.

The EU mobilises €3 million in humanitarian aid following the devastating earthquake that struck Haiti on August 14. The aid will address the most urgent needs of the affected communities. We stand ready to provide further assistance. More: https://t.co/BKkkxCdncO https://t.co/W45DzjqxK8

200.000 Tote bei Erdbeben in Haiti im Jahr 2010

Vor elf Jahren wurde Haiti schon einmal von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Im Januar 2010 waren bei dem Erdbeben der Stärke 7,0 mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 300.000 weitere verletzt worden. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Das Beben jetzt war allerdings noch etwas heftiger als das vor elf Jahren.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 24. September, 07:30 Uhr - SWR3 Nachrichten

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