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Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
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Bereits vor einem Tag bebte die Erde im EU- und Urlaubsland Kroatien – mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Am Morgen gab es weitere Erdbeben und Seismologen gehen davon aus, dass es noch nicht zu Ende ist.

Am frühen Mittwochmorgen haben zwei weitere Erdbeben das Gebiet um die kroatischen Kleinstädte Sisak und Petrinja erschüttert. Das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) gab die Stärken mit 4,8 und 4,6 an.

„Was noch nicht heruntergefallen ist, ist jetzt heruntergefallen“

Damit waren die Erdstöße deutlich geringer als am Vortag. Die Experten hatte die Stärke für das Erdbeben am Dienstag mit 6,4 angegeben. Das Epizentrum lag an beiden Tagen bei Petrinja, das rund 45 Kilometer südöstlich von Zagreb liegt.

Bei dem Beben am Mittwoch wurde zunächst nichts von neuen Opfern bekannt. Trotzdem trifft es die Region schwer. Denn das Beben am Vortag hat schwere Schäden angerichtet. „Was noch nicht von den Ruinen der Stadt heruntergefallen ist, ist jetzt heruntergefallen“, sagte der Bürgermeister von Petrinja, Darinko Dumbovic, im staatlichen Fernsehen HRT.

Regierung rechnet mit weiterem Anstieg der Opferzahl

Mindestens sieben Menschen waren am Dienstag ums Leben gekommen. Viele wurden verletzt. Die Zahl der Todesopfer werde „wahrscheinlich“ noch weiter steigen, sagte Plenkovic am Abend nach dem Erdbeben. Unter den Opfern waren nach Angaben der Polizei ein junges Mädchen in Petrinja sowie fünf weitere Menschen in einem nahegelegenen Dorf. Kroatischen Medienberichten zufolge soll das ums Leben gekommene Mädchen zwölf Jahre alt gewesen sein.

Es gab aber auch gute Nachrichten: Sechs Menschen wurden mit Hilfe von Spürhunden lebend aus den Ruinen geborgen, wie es von den Rettungsdiensten hieß.

Menschen in Petrinja haben Angst

In Petrinja fiel durch das Beben der Strom aus – auch im Krankenhaus. Der Fernsehsender N1 zeigte Bilder von Patienten, die ihre Handys als Taschenlampen benutzten. Das Stadtzentrum lag mit Anbruch der Nacht im Dunkeln. Eine 70-Jährige sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie wolle zusammen mit ihren Enkelinnen in ihrem Auto schlafen: „Wir haben Angst, nach Hause zurückzukehren.“ Andere versammelten sich in einem Park und hüllten sich in Decken ein.

Die Stadt ist ein einziges Ruinenfeld. Es ist eine Katastrophe.

Darinko Dumbovic, Bürgermeister von Petrinja

Fast 40 Erdstöße in 49 Stunden – Weitere Erdbeben erwartet

Auch aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb wurden am Dienstag Schäden gemeldet. Zu spüren war das Beben in ganz Kroatien, aber auch in Österreich, Italien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina. Es war eines der stärksten der vergangenen Jahre in Kroatien.

Insgesamt seien in den letzten 49 Stunden in Kroatien 38 Erdstöße verzeichnet worden, berichtete das Nachrichtenportal jutarnji.hr. Bereits am Montag waren im selben Gebiet Erdstöße der Stärke 5,2 und 5,0 verzeichnet worden. Im März hatte ein Erdbeben der Stärke 5,4 in Zagreb große Schäden angerichtet. Eine Jugendliche war gestorben, mehr als zwei Dutzend Menschen waren verletzt worden. Die Balkan-Region ist stark erdbebengefährdet, weil sich dort die afrikanische Platte unter die eurasische schiebt. Kroatische Seismologen rechnen mit weiteren Beben.

Slowenien schaltet AKW ab

Slowenien schaltete wegen des Bebens vorsichtshalber das Atomkraftwerk Krsko ab, meldete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Es liegt unmittelbar an der Grenze zu Kroatien. Eine Abschaltung sei in solchen Situationen ein Standardvorgang, hieß es.

Regierungschef Plenkovic kündigte an, Container nach Petrinja schicken zu lassen. „Wir müssen alternative Unterkünfte finden, hier ist es nicht sicher“, sagte er bei einem Besuch in der Stadt.

EU sagt Hilfen für Kroatien zu

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Hilfe zugesagt. „Wir sind bereit zu unterstützen“, schrieb sie nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Andrej Plenkovic auf Twitter.

After another powerful earthquake in Croatia, the 2nd in the past 2 days, I spoke with Prime Minister @AndrejPlenkovic again. We are ready to support. I have asked @JanezLenarcic to stand ready to travel to Croatia as soon as the situation allows. We stand with Croatia.

Sie habe den für humanitäre Hilfe zuständigen Kommissar Janez Lenarcic gebeten, so bald wie möglich ins Erdbebengebiet zu reisen. „Wir stehen an der Seite Kroatiens“, betonte von der Leyen.

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