STAND
AUTOR/IN
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

NRW-Innenminister Reul spricht von einem „Anschlag“, der Staatsschutz ermittelt: Aus einer scharfen Waffe wurden mehrere Schüsse auf das Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge in Essen abgefeuert.

Nach den Schüssen auf das Rabbinerhaus der Alten Synagoge in Essen hat die Polizei den Schutz jüdischer Gebäude dort verstärkt. Bei den Ermittlungen seien außerdem am Kuppeldach der neuen Synagoge weitere Schäden gefunden worden, teilte die Polizei mit. Es könnte sich um Einschusslöcher handeln. Derzeit werde geprüft, ob es einen Zusammenhang mit den anderen Schüssen gibt.

Mindestens vier Schüsse schlugen laut Polizei in die Tür des Rabbinerhauses ein. Wann genau, war zunächst unklar. Man gehe davon aus, dass es „irgendwann in der Nacht war, als keiner da war“, sagte ein Polizeisprecher. Die Schüsse trafen demnach eine verglaste Eingangstür. Der Rahmen sei beschädigt und es gebe Schüsse durch die Scheibe. Mittlerweile stehe fest, dass sie aus einer scharfen Schusswaffe stammten. Es sei niemand verletzt worden.

Olaf Biernat berichtet aus Essen zum Stand der Informationen am Freitagnachmittag:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Schüsse auf Synagoge in Essen

Dauer

Olaf Biernat berichtet.

Verdächtiger auf Video zu sehen

Zeugen hatten die Einschusslöcher gegen 8:30 Uhr am Freitagmorgen gemeldet. Es gibt Videoaufzeichnungen aus der Nacht: Auf den Aufnahmen einer Kamera, die den Platz bei der Alten Synagoge filmt, sei eine Person zu sehen, die die Tat begangen haben soll. Laut dem nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul (CDU) soll es sich um einen Mann handeln. Der Staatsschutz sei eingebunden.

Uns wurde eine Videoaufnahme zur Verfügung gestellt, auf der eine Person bei einer Schussabgabe zu erkennen sein könnte. Auf Grund der schlechten Aufnahmequalität können noch keine genauen Angaben gemacht werden. #Synagoge #Essen https://t.co/rci0Fd9ClB

Reul spricht von einem „Anschlag“

NRW-Innenminister Reul zeigte sich erschüttert. „Wenn jemand mit einer scharfen Waffe schießt, muss man von einem Anschlag sprechen“, wird er in einem Tweet seines Ministeriums zitiert. Er versprach der jüdischen Gemeinde eine schnelle Aufklärung.

Am Rabbinerhaus der Alten Synagoge in Essen wurden Einschusslöcher entdeckt. „Wenn jemand mit einer scharfen Waffe schießt, muss man von einem Anschlag sprechen", so Minister #Reul. https://t.co/FxVrSTV2zr

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), schrieb bei Twitter: „Jüdisches Leben ist ein Teil unseres Landes, ein Teil von uns – heute und an jedem anderen Tag.

Die Schüsse auf die #Synagoge in #Essen schockieren und entsetzen mich. Wir stehen fest an der Seite der Jüdinnen und Juden in Nordrhein-Westfalen und schützen sie gegen Hass & Gewalt. Jüdisches Leben ist ein Teil unseres Landes, ein Teil von uns – heute und an jedem anderen Tag.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, twitterte, die Schüsse zielten nicht nur auf die jüdische Gemeinde, sondern seien eine Bedrohung für die gesamte deutsche Gesellschaft.

Die Schüsse auf die alte Synagoge in Essen zielen nicht nur auf die jüdische Gemeinde in 🇩🇪,sondern sind eine Bedrohung für die gesamte deutsche Gesellschaft. Der Kampf gegen Antisemitismus muss oberste Priorität haben. Hier darf nicht nachgelassen werden! https://t.co/0R28VvYLfS

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) bezeichnete die Tat als „neuerlichen Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland“. Antisemitismus dürfe keinen Platz haben.

Laut Polizei sind am Rabbinerhaus an der Alten #Synagoge in #Essen Einschusslöcher entdeckt worden. Ich bin entsetzt über diesen neuerlichen Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland. Antisemitismus darf keinen Platz haben. Es ist unsere Pflicht, jüdisches Leben zu schützen.

Rabbinerhaus nicht von jüdischer Gemeinde genutzt

Das getroffene Rabbinerhaus wird laut einer Sprecherin der Stadt Essen nicht von der jüdischen Gemeinde genutzt. Es beherbergt heutzutage ein Institut für deutsch-jüdische Geschichte und Räume der Universität Duisburg-Essen. Das Gebäude grenzt an die Alte Synagoge, die heute als Kulturzentrum genutzt wird, unter anderem für Ausstellungen und Veranstaltungen zur jüdischen Geschichte.

Das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde in Essen ist inzwischen die neue Synagoge außerhalb des Stadtzentrums. Die Kultusgemeinde kommt noch zu besonderen Anlässen, wie dem Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938, in der Alten Synagoge zusammen. Damals wurden diese sowie das Rabbinerhaus angezündet und im Innenbereich zerstört. Wie bei Gebäuden mit jüdischem Bezug üblich ist die Polizei während der Öffnungszeiten stets vor Ort.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Der Evangelische Pressedienst (epd) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AFP, AP und SID.

Die Presseabteilung der Polizei verfasst zu vielen Einsätzen einen kurzen Bericht. Der wird den Medien zur Verfügung gestellt. Sie liefern Informationen zum Beispiel zu Unfällen, Ermittlungen und Festnahmen. Außerdem veröffentlicht die Polizei auch Zeugenaufrufe oder Bilder von vermissten Personen und bittet die Medien darum, die Informationen zu verbreiten.

STAND
AUTOR/IN
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. Heidelberg

    Hauptbahnhof betroffen Bombenentschärfung in Heidelberg: Tausende müssen Häuser verlassen

    Im Heidelberger Stadtteil Bahnstadt ist eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Ab dem frühen Morgen wird das Gebiet für die Entschärfung evakuiert.

    SOUNDS SWR3

  2. Einmalig und ganz besonders Erlebt das SWR3-Weihnachtskonzert 2022 mit Mark Forster

    Wir versüßen euch die schönste Zeit des Jahres: Mit dem SWR3-Weihnachtskonzert mit Mark Forster. Hier gibt’s alle Infos, wie ihr dabei sein könnt!

  3. Test für den Katastrophenfall So laut war die bundesweite Warnung auf dem Handy

    Im Katastrophenfall entscheiden Sekunden. Um die Alarmstrukturen in Deutschland zu testen, wurden am 8. Dezember um 11 Uhr Warn-SMS auf alle Handys verschick – ohrenbetäubend und laut.

    Die Morningshow SWR3

  4. Berüchtigter Waffenhändler kommt frei Russen tauschen US-Basketballerin gegen "Händler des Todes" aus

    US-Basketballstar Brittney Griner ist wieder frei. Im Gegenzug musste Washington einen Russen laufen lassen, dessen Handelsware für den Tod zahlloser Menschen verantwortlich ist.

    PUSH SWR3

  5. Anti-Terror-Einsatz gegen „Reichsbürger“ „Brandgefährlich“: Kommt bald die zweite Festnahme-Welle?

    Am Mittwochmorgen hatte die Polizei mit mehr als 3.000 Leuten gegen die sogenannten „Reichsbürger“ zugeschlagen. Der ersten Aktion könnten weitere folgen.

    Die Morningshow SWR3

  6. Liveblog: Der Krieg in der Ukraine Rückkehr russischer Olympia-Sportler? Innenministerin Faeser ist dagegen

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.