STAND
AUTOR/IN
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Amelie Heß
Amelie Heß (Foto: SWR)

Das Grab von Benedikt XVI. ist nun für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei der Trauerfeier berührte zuletzt sein Nachfolger Franziskus demütig seinen Sarg.

Besucher können die letzte Ruhestätte des früheren deutschen Papstes unter dem Petersdom seit Sonntagmorgen aufsuchen. Am Donnerstag war Benedikt dort in einem kleinen Kreis beigesetzt worden. Die kleine Kapelle kann während der Öffnungszeiten des Petersdoms besichtigt werden. Rund 160 weitere Päpste haben in den Grotten unterhalb der Papstbasilika ihre letzte Ruhe gefunden.

Ob Nachfolger Franziskus schon am Grab war, behielt der Vatikan für sich.

Benedikt war nach knapp acht Jahren im Amt 2013 als erster Papst zurückgetreten. Danach lebte er zurückgezogen im Vatikan und starb am Silvestertag im Alter von 95 Jahren.

Papst Franziskus verabschiedet emeritierten Benedikt XVI.

Am Ende der Trauerfeier legte Papst Franziskus noch einmal die Hand auf den Sarg, in dem sein Vorgänger Benedikt XVI. ruht. Ein schlichter letzter Gruß zum Schluss einer schlichten, nüchternen Totenmesse auf dem Petersplatz.

Pope Emeritus Benedict XVI laid to rest @bbstvug https://t.co/QxIxacXV7x

Eine vor der Krippe auf dem Petersplatz stehende Frau rief in dem Moment laut „Santo subito“, heilig sofort. Einzelne schlossen sich dem Ruf an, doch mitreißend wurde die Stimmung nicht.

Bewegende Worte von Franziskus

Dennoch, es war ein historischer Moment – denn: Es ist das erste Mal seit mehr als 200 Jahren, dass ein amtierender Papst seinen Vorgänger beerdigt. Am Ende der Predigt sprach Franziskus einen Satz aus, der, wie der Bischofskonferenz-Vorsitzende Georg Bätzing hinterher sagte, die Herzen tief bewegte:

Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!

Weniger Besucher bei Benedikts Beisetzung als erwartet

Rund 50.000 Menschen hatten auf dem Petersplatz in Rom dem verstorbenen Ex-Papst Benedikt XVI. die letzte Ehre erwiesen – rund 10.000 weniger als erwartet. Am Ende der Messe wurde der Sarg zur letzten Ruhe in den Petersdom gebracht.

#World Thousands mourn #BenedictXVI at #funeral led by Pope Francis https://t.co/3m7eDUnrxx

Für den aus Deutschland stammenden Pontifex war das ehemalige Grab von Papst Johannes Paul II. in der Krypta der Basilika vorgesehen, wie der Vatikan mitteilte. Wie seine Vorgänger wird auch Benedikt XVI. in drei ineinander verschachtelten Särgen beerdigt: Die beiden inneren sind aus Zypressenholz und aus Zink und werden versiegelt, der äußere ist aus Eichenholz.

Spitzen der deutschen Politik dabei

Das Requiem war auch ein Staatsakt, vor allem für Deutschland. Von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Oppositionschef Friedrich Merz (CDU) bis hin zu den Spitzen von Bundestag, Bundesrat und Bundesverfassungsgericht war die politische Elite nach Rom geflogen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte Benedikts „große, beeindruckende Lebensleistung“. Steinmeier bezeichnete den im Alter von 95 Jahren verstorbenen Joseph Ratzinger – so Benedikts bürgerlicher Name – als herausragenden Theologen von großer Bescheidenheit.

Mainz: Requiem für Benedikt

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt in einem Requiem als Jahrhundertpersönlichkeit mit historischer Bedeutung bezeichnet. Er mahnte am Samstagvormittag (7. Januar) im Mainzer Dom aber auch zur Zurückhaltung bei der endgültigen Bewertung des Lebens von Benedikt. Es gehöre in der Kirche immer zum guten Stil, sich mit abschließenden Bewertungen eines Lebens Zeit zu lassen, so Kohlgraf auch mit Blick auf eine mögliche Heiligsprechung von Benedikt. Der habe durch manche Positionen provoziert.

Benedikt XVI.: Tod am Silvestermorgen

Benedikt XVI. war am 31. Dezember gestorben. Der Sprecher des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, teilte mit: „Schmerzerfüllt muss ich mitteilen, dass Benedikt XVI., Papst Emeritus, heute um 9.34 Uhr im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan verstorben ist.“

Der Gesundheitszustand von Benedikt hatte sich laut einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur Ansa schon vor Weihnachten verschlechtert. Wie Ansa am Mittwoch unter Berufung auf qualifizierte Kreise berichtete, haben beim 95-Jährigen schon in den Tagen vor Weihnachten Atemprobleme eingesetzt. Seine letzten Worte soll der ehemalige Papst in der Nacht vom 30. auf 31. Dezember gesprochen haben. Berichten nach sagte Benedikt auf italienisch: „Signore ti amo“ (auf Deutsch: „Herr, ich liebe dich“).

Kanzler Scholz: Benedikt war „ein besonderer Kirchenführer“

Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte Benedikt auf Twitter als „klugen Theologen“. Er schrieb seine Gedanken seien bei Papst Franziskus.

Als „deutscher“ #Papst war #BenediktXVI. für viele nicht nur hierzulande ein besonderer Kirchenführer. Die Welt verliert eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen. Meine Gedanken sind bei Papst Franziskus.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) sprach von einem „überzeugungsstarken Repräsentanten der katholischen Kirche“. „Der Tod von Benedikt XVI. berührt mich genau wie viele Menschen in Bayern und aller Welt sehr“, sagte Söder. Mit ihm verliere die Gesellschaft einen der einflussreichsten Theologen des 20. Jahrhunderts.

Benedikt „beeindruckender Theologe“, aber nicht unumstritten

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) würdigte ihn als „eine geschichtsträchtige Persönlichkeit“, die aber nicht unumstritten gewesen sei.

Der erste deutsche Papst seit 482 Jahren ist verstorben. Benedikt XVI war eine geschichtsträchtige Persönlichkeit und ein nicht unumstrittener Intellektueller. Heute aber gedenken wir seiner als Menschen. CL

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach von einem „beeindruckenden Theologen“ und „erfahrenen Hirten“. Papst Benedikt habe die Stimme des Evangeliums „gelegen oder ungelegen“ hörbar gemacht, sagte Bätzing.

Neben dem „hohen Respekt“, den er für seine mutige Entscheidung habe, als Papst zurückzutreten, verwies er aber auch auf die zuletzt gegen den früheren Papst laut gewordene Kritik am Umgang mit Missbrauchsfällen. „Die Betroffenen hat er um Vergebung gebeten und doch lieben Fragen offen“, sagte er.

Die Evangelische Kirche dankte Papst Benedikt für seinen Beitrag zur Ökumene. „Als Kardinal und später als Papst Benedikt XVI. hat er in Ökumene-Fragen das Gemeinsame unterstrichen“, sagte Annette Kurschus, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten SWR3-Reporterin Sabine Winter mit Reaktionen zum Tod Benedikts XVI.

Dauer

SWR3-Reporterin Sabine Winter mit Reaktionen zum Tod Benedikts XVI.

Der deutsche Papst Benedikt XVI.

Joseph Ratzinger, wie Benedikt XVI. mit bürgerlichem Namen heißt, wurde am 16. April 1927 in Marktl am Inn geboren. Er wuchs in einer tiefgläubigen, religiösen Familien auf und erlebte in seiner Kindheit ein  „freudiges, farbiges, menschliches Christentum“, heißt es in seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“.  

Breits mit 12 Jahren folgte er seinem Bruder Georg in das Traunsteiner Studienseminar St. Michael. Mit diesem Schritt begann für die beiden Brüder der Weg zum Priestertum. 1946 begann Joseph Ratzinger dann sein Theologiestudium, zunächst in Freising, dann an der Universität München.

Am 25. März 1977 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising. Am 25. November 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Kurienkardinal nach Rom. In dieser Aufgabe war er mehr als zwei Jahrzehnte einer der engsten Mitarbeiter des Papstes, bevor er schließlich am 19. April 2005 nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. selbst zum Papst gewählt wurde.  

Kritik an seinem Pontifikat

In seinem Pontifikat führte Benedikt den konservativen Kurs seines Vorgängers fort. So stemmte er sich gegen eine Modernisierung der Kirche, was ihm viel Kritik einbrachte. Außerdem wurde seine Amtszeit von Missbrauchsskandalen überschattet. So schwand die anfängliche Begeisterung der Deutschen für „ihren“ Papst.

2022 geriert sein eigener Umgang mit Missbrauchsfällen in die Schlagzeilen. Ein vom Erzbistum München in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten warf ihm in vier Fällen Fehlverhalten vor. In einem offiziellen Brief entschuldigte sich Benedikt bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs.

Papst Benedikts Rücktritt 2013

Besondere Aufmerksamkeit bekam Papst Benedikt XVI. 2013 als er am 11. Februar seinen Rücktritt bekannt gab. Dass ein Papst nicht durch den Tod aus dem Amt scheidet, hatte es seit 1415 nicht mehr gegeben. Er begründete seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Gründen.  

Seitdem lebte Papst emeritus Benedikt XVI., wie er offiziell genannt wurde, relativ zurückgezogen in einem früheren Kloster in Rom gemeinsam mit seinem Privatsekretär und Frauen einer religiösen Laiengemeinschaft.  

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir dir, woher wir unsere Infos haben!

Die dpa ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel Reuters, AFP, AP und SID.

Wenn Personen, Vereine oder Unternehmen Neuigkeiten direkt kommunizieren, dann ist das eine Quelle für uns. Das können zum Beispiel exklusive Interviews oder Pressemitteilungen sein. In der Regel kennzeichnen wir bereits im Text, auf welche Quelle wir uns konkret beziehen – vor allem dann, wenn es keine zweite unabhängige Bestätigung zu der Neuigkeit gibt.

Bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) arbeiten Journalisten. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AFP, AP und SID.

Der Evangelische Pressedienst (epd) ist eine Nachrichtenagentur. Dort arbeiten Journalisten, Kameraleute, Fotografen. Sie sind in Deutschland und weltweit bei wichtigen Ereignissen dabei. Informationen, Bilder und Videos stellen sie anderen zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass Zeitungen, Sender und Online-Portale über Themen berichten können, bei denen sie keine eigenen Leute vor Ort hatten. Weitere Nachrichtenagenturen, mit denen wir arbeiten, sind zum Beispiel dpa, Reuters, AFP, AP und SID.

STAND
AUTOR/IN
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)
Amelie Heß
Amelie Heß (Foto: SWR)

Meistgelesen

  1. Beim allerersten Mal Jackpot in Kanada: 18-Jährige wird über Nacht Multimillionärin

    Auf einmal Multimillionärin und das mit gerade einmal 18 Jahren. Aber für Juliette Lamour kein Grund größenwahnsinnig zu werden. Ganz im Gegenteil, sie hat überaus vernünftige Pläne.

  2. Frankfurt an der Oder

    SWR3-Polizeiruf-Check „Wieso geht einer wie SIE eigentlich zur Polizei?“

    Ein ungleiches Paar: Kommissar Ross muss auch nach dem Abschied von Raczek nicht alleine ermitteln. Sein Übergangskollege geht einigen allerdings gehörig auf die Nerven.

  3. Er zieht fast überall blank Dieser Mann läuft nackt durch Valencia

    Alejandro Colomar zieht gerne blank. Ob auf dem Fahrrad oder beim Spaziergang durch die Straßen von Valencia. Nun hat sogar ein Gericht bestätigt, dass er das darf.

  4. Remshalden Lenningen

    Seit gut einer Woche vermisst Polizei bestätigt: Tote Frau im Wald ist Julia aus Remshalden

    Tagelang haben Einsatzteams nach Julia aus Remshalden gesucht. Am Donnerstag fanden die Ermittler bei Lenningen eine Leiche. Jetzt ist klar: Es ist die 16-jährige Julia.

  5. Liveblog: Der Krieg in der Ukraine EU-Boykott: Kein Öl mehr aus Russland

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen. Der Krieg hat auch Auswirkungen auf Europa und die ganze Welt. Alle Infos dazu.

  6. Tipps & Fallstricke, die Mieter kennen sollten Nebenkostenabrechnung: Diese Tipps schützen euch vor möglicher Abzocke!

    Kleine Briefe, die Sorgen machen können: Bei vielen Mieterinnen und Mietern flattern gerade die Nebenkostenabrechnungen rein – oftmals mit hohen Nachzahlungen. Wie ihr eure Abrechnung checken könnt und wann ihr nicht zahlen müsst, lest ihr hier.

    Die Morningshow SWR3