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Bis spät in die Nacht waren die Facebook-Dienste am Montagabend down. Fast sieben Stunden lang ging nichts – dann fanden Facebook-Techniker das Problem.

Social-Media-Junkies waren am Montagabend stundenlang auf unfreiwilligem Entzug: Fast sieben Stunden lang ging auf Facebook, Instagram und Whatsapp nichts mehr. Erst kurz nach Mitternacht wurde es besser, die Dienste waren immer besser erreichbar.

Jetzt, nur wenige Stunden nach dem Totalausfall, ist klar, was dahinter steckte: Das Netzwerk war falsch konfiguriert. Den Fehler habe es auf den Routern gegeben, die den Datenverkehr zwischen den Facebook-Rechenzentren koordinieren, schrieb Facebook in einem Blog-Eintrag.

Die Folge der falschen Konfiguration: Die Daten liefen in eine Sackgasse, die Rechenzentren konnten nicht mehr miteinander kommunizieren. Und zack: Facebook, Instagram und Whatsapp waren erst einmal offline.

#facebookdown, #whatsappdown, #instagramdown... Falls ihr euch fragt, warum – DAS muss es sein😅 https://t.co/ik9676IQmI

Netzwerkpanne: Facebook hat sich selbst ausgesperrt

Warum es so lange gedauert hat, den Fehler zu finden und zu beheben, hat Facebook auch mitgeteilt. Durch die falsche Konfiguration seien auch interne Systeme und Software-Werkzeuge erst einmal nicht erreichbar gewesen. Facebook hat sich also selbst aus seinen Systemen ausgesperrt. Deshalb sei es so schwer gewesen, den Fehler zu finden und zu beheben.

Facebook entschuldigte sich für die Panne: „An die riesige Gemeinschaft von Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich auf uns verlassen: Es tut uns leid.“

To the huge community of people and businesses around the world who depend on us: we're sorry. We’ve been working hard to restore access to our apps and services and are happy to report they are coming back online now. Thank you for bearing with us.

Facebook-Panne kostet Mark Zuckerberg Milliarden

Nicht nur die Nutzer der Facebook-Dienste waren nach der Panne verunsichert. Auch die Börsen reagierten, die Facebook-Aktie schloss mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Trotzdem war das Unternehmen an der Börse immer noch etwa 920 Milliarden Dollar wert.

Der Finanzdienstleister Bloomberg hat ausgerechnet, dass das persönliche Vermögen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in nur ein paar Stunden um sechs Milliarden Dollar geschrumpft ist – jetzt ist er „nur“ noch 121,6 Milliarden Dollar schwer. Damit ist Zuckerberg in der Liste der reichsten Menschen auf Platz fünf gefallen – hinter Microsoft-Gründer Bill Gates.

Was ist passiert?

Dass Webseiten oder Dienste ausfallen, kommt immer wieder vor – in diesem Ausmaß ist das aber selten. Schließlich waren gleich drei Dienste betroffen und das in weiten Teilen der Welt. Mehr als 10,6 Millionen Berichte über Störungen gab es auf der Seite für Störungsmeldungen downdetector.com. Selbst interne Systeme, die nur von Facebook-Mitarbeitenden genutzt werden, liefen nicht.

Mission Server-Neustart

Schließlich sollte das System neu gestartet werden. Das berichtete zumindest die New York Times und berief sich dabei auf ein internes Rundschreiben. Für diese Mission sollte ein kleines Team von Mitarbeitenden im Rechenzentrum in Santa Clara einen Reset des Servers probieren – und das scheint funktioniert zu haben.

Willkommen bei Twitter

Umso mehr freute sich Twitter über die Aufmerksamkeit und begrüßte „buchstäblich alle“ bei sich.

Facebook-Konzern in der Krise

Der Ausfall trifft Facebook in einer Zeit, in der es ohnehin nicht gerade rund läuft für den Konzern. Seit Wochen gibt es Negativ-Schlagzeilen über den Umgang des Unternehmens mit eigenen Untersuchungen zur Frage, wie schädlich die Online-Angebote – insbesondere Instagram – etwa für jugendliche Nutzer sind.

Außerdem hatte sich erst am Sonntag die frühere Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen als Whistleblowerin zu erkennen gegeben. Sie hatte Dokumente des Internet-Riesen an das Wall Street Journal weitergereicht.

Die 37-Jährige wirft ihrem ehemaligen Arbeitgeber unter anderem vor, Profit systematisch über Sicherheit zu stellen. „Die heutige Version von Facebook reißt unsere Gesellschaften auseinander und führt zu ethnischer Gewalt auf der ganzen Welt“, sagte Haugen. Die Vorwürfe wies Facebook-Vizepräsident Nick Clegg zurück. Am Dienstag geht der Streit in die nächste Runde, denn dann sagt Haugen vor einem Ausschuss im US-Kongress aus.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 18. Oktober, 12:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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