STAND
AUTOR/IN
Laura Bisch (Foto: SWR3)

Facebook will wohl mehr gegen Fake News tun – das kündigt das Unternehmen allerdings nicht zum ersten Mal an. In Zukunft soll die Deutsche Presse-Agentur Facebook dabei unterstützen, Falschnachrichten aus dem Netzwerk rauszufiltern. Wir klären, welchen Effekt das haben könnte.

Dass Facebook sich Hilfe von außen holt, um Falschmeldungen von seiner Plattform zu filtern, ist erst mal nichts fundamental Neues: Laut Facebook selbst arbeitet der Konzern dafür weltweit mit insgesamt 43 Organisationen zusammen – in Deutschland mit dem Recherchezentrum „Correctiv“.

Facebook will „virtuelles Lagezentrum“ einrichten

Jetzt – kurz vor der Europawahl Ende Mai – will Facebook offenbar aber noch mal in dem Bereich aufstocken. Unter anderem will der Konzern ein neues virtuelles Lagezentrum einrichten, in dem Facebook-Mitarbeiter an verschiedenen Standorten zusammengeschaltet werden. Sie sollen dann auch mit Behörden aus Deutschland zusammenarbeiten. Das hat die zuständige Facebook-Managerin Tessa Lyons gesagt.

Außerdem neu: Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) soll zweiter unabhängiger Faktencheck-Partner von Facebook werden – und damit die „Correktiv“-Journalisten unterstützen.

Wie funktioniert ein Fakten-Check bei Facebook?

Aber wie funktioniert so ein Faktencheck eigentlich? Cristina Helberg ist Faktencheckerin bei „Correctiv“ – sie hat im SWR-Interview darüber gesprochen.

Die Faktenchecker müssten oft länger recherchieren, um solche Fake-News tatsächlich aufdecken zu können. Manchmal komme es aber auch vor, dass sie einfach nur nach einem Bild suchen und direkt feststellen, woher es kommt – und dass es fake ist, so Helberg. Pauschal – so sagt sie – sei das schwer zu sagen, aber ein Faktencheck am Tag „sei schon dabei“.

Was passiert mit entlarvten Fake-News?

Schnelligkeit sei beim Faktencheck besonders wichtig. Denn: Je länger so eine Überprüfung gehe, desto mehr könne sich ein potenziell falscher Inhalt weiterverbreiten.

Aber was passiert dann, wenn eine Falschnachricht als fake entlarvt wurde? Dann wird sie nicht etwa komplett gelöscht – das wäre nicht mit der Meinungsfreiheit zu vereinbaren. Was nachweislich fake ist, das werde erst mal auf der Seite von „Correctiv“ veröffentlicht und eingeordnet. Bei Facebook werde die Falschnachricht dann automatisch mit dem zugehörigen Faktencheck verbunden. So kann jeder sehen, was die Recherche von „Correctiv“ ergeben hat.

Außerdem schränke Facebook dann die Reichweite des Postings ein, so Helberg weiter. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Beitrag im News-Feed der Nutzer weiter unten angezeigt wird, zusammen mit dem Faktencheck. Und dass jeder Nutzer, der den Link teilen will, dann eine Meldung mit der jeweiligen Einschätzung bekommt.

Ein Problem: Wer Institutionen grundsätzlich misstraut, lässt sich davon wohl nicht abschrecken. Das sieht auch Helberg so.

Welche Kritik gibt es an den Fakten-Checks?

„Correctiv“-Mitarbeiterin Helberg kritisiert an diesem System vor allem, dass die Faktenchecker wenig Einsicht von Facebook bekämen, wenn es um Daten geht. Zum Beispiel um Daten darüber, wie viele Menschen sich nach so einem Hinweis tatsächlich dagegen entscheiden, den falschen Inhalt weiter zu teilen. Facebook habe allerdings angekündigt, bis Ende des Jahres solche Daten bereitzustellen.

Wenn nun die Deutsche Presse-Agentur „Correctiv“ bei der Entlarvung solcher Falschnachrichten unterstützt, bedeutet das, dass prinzipiell mehr Fake-News entlarvt werden können. Ob das reicht, ist allerdings fraglich.

STAND
AUTOR/IN
Laura Bisch (Foto: SWR3)

Meistgelesen

  1. München

    Erster Corona-Fall in Deutschland Ärztin machte Entdeckung zum Coronavirus – und keiner wollte es hören

    Vor fast einem Jahr war die Corona-Pandemie, die uns heute immer noch so fest im Griff hat, irgendein Virus aus China. Weit weg von unserer Lebenswirklichkeit. Eine Ärztin aus München entdeckte damals den ersten offiziellen Fall in Deutschland.  mehr...

  2. Senat entscheidet über Impeachment Ex-Präsident Trump drohen rund 30 Klagen

    Die US-Demokraten wollen auch nach der Amtszeit von Donald Trump das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn durchbringen. Der Senat stimmt darüber ab. Doch auch abseits davon drohen Trump zahlreiche juristische Verfahren.  mehr...

  3. SWR3 Tatort-Check Dieser Tatort ist mehr ein Spielfilm als ein Krimi

    Kommissar Falke wird von einer alten Freundin auf Norderney gelockt, weil dort nach und nach die ganze Insel verkauft werden soll. Etwas, was sie öffentlich anprangern will. Doch plötzlich wird ausgerechnet einer von denen ermordet, die da am meisten am Vorhaben verdienen.  mehr...

  4. Die besten Messenger-Dienste „Whatsapp-Alternative Telegram auf keinen Fall verwenden.“

    Wer kein Whatsapp verwenden möchte, landet schnell bei Telegram. Nicht zuletzt der Wendler und die Corona-Kritiker nutzen den Messenger gerne – und haben praktisch keinen Datenschutz mehr.  mehr...

  5. SWR3-Faktencheck: Sucharit Bhakdi Ist die Corona-Impfung von Biontech und Pfizer gefährlich?

    In mehreren Sendungen hat Bhakdi geschildert, dass der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer gefährlich sei. Wir prüfen seine Thesen.  mehr...

  6. News-Ticker zum Coronavirus Probleme bei Lieferung von Impfstoff: Druck auf Astrazeneca wächst

    Wegen der stark gestiegenen Infektionszahlen gibt es zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen in Deutschland. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Ticker.  mehr...