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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Seit Ende des Kalten Kriegs zerfällt die Infrastruktur für den Zivilschutz in Deutschland. Aus aktuellem Anlass soll hier nachgebessert werden.

In Deutschland hat man sich in den letzten Jahrzehnten in Sicherheit gefühlt – und deshalb offenbar wenig Anlass gesehen, sich auf mögliche Kriegs- oder Katastrophenfälle vorzubereiten.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat nun vieles verändert. Die deutsche Politik bezieht bei Themen wie Energie oder Waffenlieferungen jetzt Positionen, wie man sie vorher wohl nicht für möglich gehalten hätte. Auch die plötzliche 100-Milliarden-Euro-Finanzspritze für die Bundeswehr wäre ohne die Bilder aus der Ukraine undenkbar gewesen.

Faeser: Mehr Geld für Bevölkerungsschutz

Mehrere Politiker wollen, dass auch der Zivilschutz ausgebaut wird. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat mehr Geld für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) angekündigt. Auch Vorräte für Krisensituationen, wie medizinische Ausrüstung, Schutzkleidung, Masken oder Medikamente, sollen stärker angelegt werden.

Die Zeitenwende, die wir durch den Krieg erleben, erfordert, dass wir den Schutz auch vor militärischen Bedrohungen erheblich stärken müssen.

Gibt es noch Bunker in Deutschland?

Ja, es gibt noch Bunker in Deutschland – allerdings sind die ursprünglich öffentlichen Schutzräume inzwischen überwiegend in Privathand oder Eigentum von Kommunen, wie das BBK auf seiner Website schreibt. Darüber hinaus seien die meisten „rückabgewickelt“, also nicht mehr als Schutzraum nutzbar. Nach Ende des Kalten Kriegs wurden keine neuen Schutzräume mehr gebaut. 2007 beschlossen Bund und Länder, die funktionale Erhaltung der Bunker einzustellen.

Der Schriftzug "Ab hier Museum, bitte nichts verändern" ist im ehemaligen Regierungsbunker bei Bad Neuenahr-Ahrweiler zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Frey)
Ist das noch ein Bunker oder schon ein Museum? picture alliance/dpa | Thomas Frey

Laut Bundesinnenministerium gibt es in Deutschland 599 öffentliche Schutzräume für insgesamt 487.598 Menschen (Stand: März 2022). Davon liegen die meisten (220) in Baden-Württemberg. Faeser kündigte an zu überprüfen, ob es noch mehr Anlagen gebe, die ertüchtigt werden könnten. Der Rückbau von Schutzräumen sei „gestoppt“.

Es existieren aktuell 599 öffentliche Schutzräume in 🇩🇪. Wir werden prüfen, ob es noch mehr Anlagen gibt, die wir ertüchtigen könnten. Der Rückbau ist gestoppt. Wir arbeiten an neuen Konzepten, um die Bausubstanz von Gebäuden verstärken, z.B. Tiefgaragen, U-Bahnhöfe und Keller.

Das BBK gibt an, dass die Bundesrepublik flächendeckend über eine „solide Bausubstanz“ verfüge und diese einen „grundlegenden Schutz vor dem Einsatz von Kriegswaffen bieten“ könne. Explizit werden hier U-Bahn-Stationen, Tiefgaragen und Kellerräume genannt. Faeser kündigte an, die Bausubstanz von Gebäuden noch verstärken zu wollen.

Neue Sirenen, bessere Warnungen

Auch Warnsysteme wie neue Sirenen und Warnhinweise auf dem Handy (Cell Broadcast) sollen laut Faeser ausgebaut werden. In den vergangenen Jahrzehnten waren Warnsirenen vielerorts abgebaut worden. Der Warntag 2020, an dem getestet werden sollte, wie gut das System der übrigen noch funktioniert, ging im wahrsten Sinne des Wortes katastrophal schief.

So kannst du dich selbst vorbereiten

Wer sich selbst bestmöglich auf alle Eventualitäten vorbereiten möchte, sollte sich – ohne zu hamstern(!) – einen gewissen Vorrat an Lebensmitteln, Wasser und anderen wichtigen Dingen einrichten. Das BBK hat in seinem Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen alles zusammengefasst – inklusive Checkliste.

Mit der Warn-App NINA des BBK erhältst du Infos zu Gefahrenlagen direkt aufs Smartphone. Dazu gehören auch Wetterwarnungen.

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