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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Die katholische Kirche warnt vor einem Hochstapler: Ein Südpfälzer soll sich als Priester ausgegeben haben, die Behörden ermitteln. Zum Verhängnis wurde ihm wohl Dreistigkeit.

Das Bistum Speyer warnt vor einem angeblichen Fake-Priester aus der Südpfalz. Es hat einen 22-Jährigen angezeigt, weil er sich in Baden-Württemberg als katholischer Geistlicher ausgegeben haben soll. Die Kirche wirft dem Mann vor, er sei in Wirklichkeit ein Hochstapler, denn er habe weder die nötige Ausbildung noch sei er zum Priester geweiht worden.

Vorwurf gegen falschen Priester

Trotzdem soll er im Juli in Winnenden (Rems-Murr-Kreis), das zum Bistum Rottenburg-Stuttgart gehört, einen Gottesdienst mitgefeiert und ein Kind getauft haben. Und was die Verantwortlichen beim Bistum Speyer besonders ärgert: Der Mann aus der Südpfalz soll den Eindruck erweckt haben, er sei beim Bistum Speyer angestellt. Wegen dieses Etikettenschwindels im Namen des Bistums hat es gegen den Mann nun Anzeige erstattet. Dabei geht es um den Straftatbestand des „Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen“ (§ 132a).

Ein Priester trägt sein Gewand und faltet seine Hände. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)
Nicht immer steckt unter dem Gewand ein echter Priester (Symbolbild). picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael

Anzeigen gegen angeblichen Fake-Priester

Damit liegt bei der Polizei insgesamt schon Anzeige Nr. 2 gegen den Mann vor. Denn auch die betroffene Kirchengemeinde aus dem Rems-Murr-Kreis in der Region Stuttgart hat den Vorfall den Ermittlern gemeldet. Offenbar trug in der Kirchengemeinde Winnenden die Personalsituation dazu bei, dass der mutmaßliche Fake-Priester dort mitarbeiten konnte. Die Gemeinde habe schon länger keinen leitenden Pfarrer mehr, heißt es von der nächsthöheren Verwaltungseinheit der Kirche, dem sogenannten Dekanat. Es umfasst mehrere Kirchengemeinden. In Winnenden seien daher immer wieder Aushilfspfarrer tätig gewesen.

Ein Hochstapler als Priester in Winnenden?

In Winnenden habe im Sommer schließlich ein Pfarrer aus Afrika Urlaubsvertretung gemacht, berichtet ein Mitglied des Winnender Kirchengemeinderats dem SWR. Der Mann habe auch schon im Heimatort des Verdächtigen in der Südpfalz ausgeholfen und ihn dort vor einigen Jahren kennengelernt. Der Beschuldigte habe den Pfarrer aus Afrika schließlich kontaktiert und behauptet, auch er sei zum Priester geweiht worden und wolle ihn in Deutschland treffen. So sei es schließlich dazu gekommen, dass der Beschuldigte nach Winnenden kam.

Katholische Kirche (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa | Bernd Weißbrod)
In der St. Karl Borromäus Kirche von Winnenden fand am 21.03.2009 die Trauerfeier nach dem Amoklauf statt (Archivbild). picture-alliance/ dpa | Bernd Weißbrod

Ein Anruf wurde ihm zum Verhängnis

Wenn die Angaben des Kirchengemeinderats stimmen, scheiterte der junge Mann schließlich an seiner Dreistigkeit. Denn der Beschuldigte habe für sich vor seiner Zeit in Winnenden einen Kelch sowie einen Teil eines Priestergewands gekauft – und die Rechnung an sein angebliches Heimatbistum Speyer schicken lassen. Diese ließ den Angaben zufolge daraufhin nach ihm suchen. Durch einen Informanten habe sie erfahren, dass der Mann in Winnenden war und deshalb dort angerufen.

Im Gespräch erfuhr die Kirchengemeinde demnach, dass der Mann – anders als behauptet – nie zum Priester geweiht wurde. So sei der Schwindel Mitte Juli aufgeflogen, doch der Beschuldigte sei schon nicht mehr in Winnenden gewesen. Danach untersuchte die Kirche, ob er auch die Beichte abgenommen hatte – und ihm Gläubige dadurch möglicherweise persönliche Geheimnisse anvertraut hatten.

Dies konnten wir nach einer internen Recherche allerdings verneinen.

Vorwürfe gegen Mann aus dem Kreis Germersheim

Der Beschuldigte stammt den Angaben zufolge ursprünglich aus dem südpfälzischen Kreis Germersheim. Das Bistum Speyer ruft weitere betroffene Kirchengemeinden dazu auf, sich zu melden. Es bewirkte, dass im August sogar die Deutsche Bischofskonferenz öffentlich vor dem Mann warnte.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Der mutmaßliche Fake-Priester im SWR3-Regioticker

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Das Bistum Speyer hat einen Mann aus der Südpfalz bei der Polizei
angezeigt, der sich als Priester ausgegeben haben soll. Der Verdächtige stammt aus dem Kreis Germersheim.

SWR3 konnte den Beschuldigten bislang nicht erreichen, um von ihm seine Version der Geschehnisse zu erfahren. Katholische Medien berichten jedoch, der Mann habe die Vorwürfe ihnen gegenüber als unberechtigt zurückgewiesen.

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Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

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