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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Sexistische Kommentare, peinliche Auftritte und Korruptionsverdacht – Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann geriet immer mehr unter Druck. Im Oktober muss er vor Gericht.

Frankfurts Skandal-Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) klebte zuletzt an seinem Posten wie Kaugummi. Immer wieder geriet der 63-Jährige mit Fehltritten in die Schlagzeilen: Sexismus, Bestechlichkeit oder Egoismus – Feldmann ließ kein Fettnäpfchen aus. Seinen Stuhl wollte er aber nicht räumen, redete seine Patzer immer wieder klein. Bis jetzt.

Ich erkläre, dass ich im Januar beantrage, meine Amtszeit zum Monatsende zu beenden“, so beginnt der SPD-Mann eine Erklärung, die auf der Homepage der Stadt Frankfurt veröffentlicht wurde. Feldmann wolle der Stadt ein quälendes und teures Abwahlverfahren ersparen. Gleichzeitig wolle er die Gelegenheit nutzen, seine Amtsgeschäfte zu einem ordentlichen Abschluss zu bringen. Wenige Tage später fügte er hinzu, er wolle in der kommenden Woche offiziell seinen angekündigten Rücktritt einreichen. Damit lege er seine Amtszeit Ende Januar 2023 nieder, sagte Feldmann.

Feldmann-Rücktritt wohl nicht ganz freiwillig

Ganz freiwillig kommt der Schritt wohl nicht. Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hatte vor knapp einem Monat den Druck auf Feldmann erhöht und forderte mit großer Mehrheit seinen Rücktritt. Sonst sollte in der nächsten Sitzung am 14. Juli seine Abwahl eingeleitet werden. Mit seiner Rücktrittserklärung will der Oberbürgermeister wohl einer Abwahl zuvorkommen.

Allerdings forderten die Stadtverordneten, dass Feldmann sofort zurücktreten wolle. Ob seine Ankündigung, sein Amt Ende Januar 2023 zur Verfügung zu stellen, eine Abwahl dennoch verhindert, ist offen. Immerhin: Feldmann hatte im April schon angekündigt, bei der nächsten Wahl im Jahr 2024 nicht mehr anzutreten.

Sexismus, Korruption und Egoismus: Feldmann und seine Skandale

Feldmanns Welle der Skandale hat mit einem Korruptionsvorwurf begonnen. Feldmanns Frau soll als Leiterin eines AWO-Kindergartens ohne Grund ein übertarifliches Gehalt bekommen haben. Daneben habe die Arbeiterwohlfahrt Feldmann in seinem Wahlkampf finanziell unterstützt – im Gegenzug habe er die Interessen des Sozialverbandes „wohlwollend berücksichtigen“ wollen.

Deshalb hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft im März Anklage gegen den Frankfurter OB erhoben. Das Landgericht Frankfurt hat die Korruptionsanklage jetzt zur Hauptverhandlung zugelassen. Feldmann muss sich ab dem 18. Oktober in einem Prozess wegen des Vorwurfs der Vorteilsannahme verantworten, teilte das Gericht mit. Es wurden sechs Verhandlungstage angesetzt.

Peinliche Momente rund um das Europapokalfinale von Eintracht Frankfurt

Auch rund um das Europa-League-Finale von Eintracht Frankfurt fiel Feldmann unangenehm auf. Erst äußerte er sich auf dem Flug nach Sevilla sexistisch über das Bordpersonal im Flugzeug. In einer Rede über die Bordlautsprecher sprach er davon, dass die Flugbegleiterinnen ihn „hormonell am Anfang erst mal außer Gefecht gesetzt“ hätten.

OB Feldmann mit sexistischen Äußerungen gegenüber dem weiblichen Bodenpersonal und Flugbegleiterinnen auf dem Flug zum Europacup. Das geht mal gar nicht! #wasmachteigentlichPeterFeldmann https://t.co/DqvPFp0iQm

Bei der Feier zum Europapokalsieg von Eintracht Frankfurt im Frankfurter Rathaus nahm Feldmann Eintracht-Kapitän Sebastian Rode und Trainer Oliver Glasner den Pokal aus der Hand und trug ihn selbst Richtung Kaisersaal – das wurde als egoistisch und selbstgefällig gewertet.

Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann kritisierte dieses Verhalten im Gespräch mit der Bild-Zeitung: „Die Spieler und Trainer präsentieren den Pott den Menschen. Alles andere ist Eitelkeit und Narzissmus.“

Nach der Rückkehr der Europa-League-Champions in Frank­furt wollte Ein­tracht-Kapitän Rode stolz mit der Tro­phäe auf den Rat­haus­balkon schreiten.Doch Ober­bür­ger­meister Peter #Feldmann nahm dem Kapitän den Pokal gleich weg, um sich mit fremden Federn zu schmücken. https://t.co/qpjc9O1G5t

Feldmann entschuldigt sich für Ausfälle rund um Europapokal

Im Nachhinein entschuldigte Feldmann sich zwar für das Auftreten bei der Siegesfeier und für seinen Spruch im Flugzeug. Die Eintracht ließ ihn aber trotzdem wissen, dass er im Stadion nicht mehr willkommen sei. Und auch seine eigene Partei machte Feldmann deutlich, dass sie nicht mehr hinter ihm steht.

Die Äußerungen des Oberbürgermeisters seien „kein Kavaliersdelikt, sondern eine zu verurteilende Entgleisung“. Sexismus habe in der SPD „keinen Platz“ und werde „aktiv bekämpft“, hieß es aus seiner Partei. Entsprechend forderte auch die SPD Feldmanns Rücktritt.

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Radionachrichten 11. August, 6:31 Uhr - SWR3 Nachrichten

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