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Trotz erster Öffnungsschritte für den Sport liegt der Betrieb in den Fitnessstudios in Baden-Württemberg vielerorts noch still. Das bringt vor allem kleinere Studiobetreiber zunehmend in eine finanziell prekäre Situation.

Ich kann diese Sonderbehandlung nicht mehr nachvollziehen“, sagt Alexandros Stampoulidis, erster Vorsitzender des Baden-Württembergischen Bodybuilding- und Fitnessverbands. Er betreibt selbst ein Fitnessstudio und sieht die Zukunft der Branche in Gefahr. „Wir Fitnessstudios werden ohne jegliches Entgegenkommen links liegen gelassen“, sagt er zur neuen Corona-Verordnung.

Fitnessstudio-Betreiber Alexandros Stampoulidis (Foto: SWR)
Fitnessstudio-Betreiber Alexandros Stampoulidis

Für ihn der negative Höhepunkt: Die Fitnessstudios wurden in der neuen Fassung von den Sportanlagen zur Rubrik Freizeitanlagen umgestuft und profitieren deshalb nicht von der ersten Öffnungsstufe. Breitensport im Freien ist in Baden-Württemberg schon wieder weitgehend erlaubt: Amateur- und Freizeitsport auf Sportanlagen oder Sportstätten im Freien in Gruppen von maximal 20 Personen sind gestattet.

In Rheinland-Pfalz dürfen die Studios laut der Corona-Verordnung bei einer Inzidenz von unter 100 sogar wieder öffnen. Wenn auch mit der Auflage:  40 Quadratmeter Trainingsfläche pro Person.

Fitnessstudios sind in Baden-Württemberg erst bei Öffnungsstufe Zwei dran

Erst ab Öffnungsstufe zwei können sich die Studios in Baden-Württemberg auf Lockerungen freuen. Nach Öffnungsschritt Eins greift diese, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz 14 Tage lang unter 100 bleibt und weiter sinkt. Dann darf im Fitnessstudio eine Person pro 20 Quadratmetern trainieren. Allerdings nur mit negativem Antigentest. Vollständig Geimpfte und Genesene trifft diese Einschränkung nicht. Für sein Fitnessstudio befürchtet Stampoulidis deshalb geschlossene Türen bis Juli.

Finanzielle Sorgen bei Betreibern von Fitness-Einrichtungen

Immer mehr Fitnessstudios seien inzwischen in eine solch finanzielle Schieflage geraten, dass jegliche Investitionen genau überdacht sein müssten. Zwar gibt es vom Land Unterstützungshilfen, diese würden allerdings nur bedingt helfen. „Die Hilfen decken nur die Fixkosten. Da frage ich mich, wovon sollen die Betreiber leben? Die müssen auch Miete zahlen, Strom zahlen und Lebensmittel kaufen“, beklagt der Verbandsvorsitzende.

Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen würden mittlerweile nur noch die wenigsten Studios generieren. Auch Stampoulidis selbst verzichtet seit Februar darauf. „Wenn du den Kunden keine Leistung bieten kannst, kannst du sie nicht auf Dauer bezahlen lassen“, erklärt er. Studios, die die Beiträge als letzten finanziellen Strohhalm weiterhin einziehen, würden möglicherweise eine riesige Kündigungswelle erfahren.

Sterben die kleinen Fitnessstudios aus?

Stampoulidis beobachtet bereits die ersten Schließungen von Fitnesseinrichtungen und befürchtet, dass immer mehr hinzukommen könnten. „Von den Studiobetreibern gehen aktuell viele ins Minus und holen sich ein Darlehen von der Bank. Auf Dauer wird das nicht gut gehen“, sagt er.

Besonders kleinere Betriebe seien besonders schwer betroffen, weshalb sich der Verbandsvorsitzende sorgen um die Zukunft der Fitnessstudio-Kultur macht. „Die Studios, bei denen der Inhaber selbst hinter der Theke steht, die Leute einweist und den Service macht, die wird es - falls sich bald nichts ändert - in Zukunft vielleicht nicht mehr geben. Wenn die Situation so bleibt, überleben nur die großen Ketten.

Einzige Möglichkeit: Reha-Training

Es gibt eine Möglichkeit, die es den Studiobetreibern in Baden-Württemberg erlaubt, doch noch ein bisschen Kundschaft zu bekommen: Reha-Training – auch in Fitnessstudios. Dies führt laut Stampoulidis dazu, dass Fitnessbegeisterte für ein Attest reihenweise zum Hausarzt rennen und sich so in die Fitnesshallen mogeln.

Doch nur die wenigsten Studios würden auf diese Art Kunden empfangen können. „Um Reha-Training offiziell anbieten zu dürfen, ist eine spezielle Ausbildung nötig. Die haben die wenigsten Leute in der Fitnessbranche“, so Stampoulidis. Entsprechend geschultes Personal einzustellen, würde sich finanziell nicht rechnen.

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