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AUTOR/IN
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Viele Jahre durfte Nasseri den Pariser Flughafen Charles de Gaulle nicht verlassen. Später kehrte er freiwillig in das Terminal zurück. Jetzt ist er dort gestorben.

Die unglaubliche und tragische Geschichte beginnt im August 1988 in Paris: Da stellt der iranische Flüchtling Mehran Karimi Nasseri nach eigenen Angaben bei einem Zwischenstopp fest, dass seine Papiere geklaut wurden. Dadurch sitzt er fest: Er kann seinen Flüchtlingsstatus nicht mehr nachweisen und darf nun weder weiterreisen noch den Flughafen verlassen.

💔 Mehran Karimi Nasseri, un refugiado político iraní que vivió durante más de 18 años en el aeropuerto Roissy-Charles de Gaulle de París, ha fallecido este sábado en el mismo aeropuerto. Su historia la contó la famosa película protagonizada por Tom Hanks.

1999 darf Nasseri in Frankreich einreisen – doch er bleibt am Flughafen

Er richtet sich daraufhin im Terminal 1 ein. Jahrelang bemüht er sich vergeblich in mehreren Ländern Europas um Aufnahme. 1999 bekommt er doch noch ein Visum für Frankreich, bleibt aber in seiner Nische unter einer Flughafenrolltreppe. Dort hat er sich in elf Jahren häuslich eingerichtet.

Erst 2006 verlässt er für einen Krankenhausaufenthalt den Airport und lebt danach in einem Heim. Da ist er schon berühmt: 2004 hat Steven Spielberg seinen von Nasseri inspirierten Film „Terminal“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle veröffentlicht.

Nochmal 16 Jahre in Heimen und Hotels – dann kehrt Nasseri in den Flughafen zurück

Nasseri soll für seine Geschichte umgerechnet rund eine Viertelmillion Euro bekommen haben. Mit dem Geld zieht er schließlich in ein Hotel um.

Bis Mitte September dieses Jahres: Da kehrt der 76-jährige Iraner, der sich mittlerweile „Sir Alfred“ nennt, wieder in den Flughafen zurück. Scheinbar hält ihn niemand davon ab.

Zuletzt starrte er nur noch vor sich hin – bis zum Tod

Flughafenangestellte berichten der Zeitung Le Parisien, er habe mit seinen Habseligkeiten in einem Trolley stets an der gleichen Stelle gesessen. Zuletzt habe er kaum noch gesprochen und nur in die Leere gestarrt. Am Samstagmittag ist er dort gestorben.

Nach dem Tod des „Terminal-Manns“, wie er sich in einem autobiografischen Roman selbst nannte, hat der Flughafen seinen Platz mit einem weißen Laken abgedeckt.

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