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Wird die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen jetzt zum Superspreader-Event? Deutschlandweit steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus zurzeit wieder.

Als ob die Flutkatastrophe vergangene Woche nicht schon genug Leid und Chaos in die Eifel gebracht hätte: Zurzeit steigen auch die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie wieder. Die Delta-Variante ist weiter auf dem Vormarsch.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Rheinland-Pfalz lag am Dienstag bei 12,1. Zwar ist die Inzidenz mit 3,8 im Kreis Ahrweiler immer noch sehr niedrig – im Kreis Vulkaneifel liegt sie sogar bei 0,0.

Es gibt aber durchaus auch andere Beispiele, die nicht im Flutgebiet, aber in Rheinland-Pfalz und damit nicht weit weg liegen: Im Kreis Birkenfeld liegt sie bei 63,0, in Kaiserslautern bei 35,0 und in Speyer bei 27,7.

Lauterbach: Flutopfer nicht in Massenunterkünfte bringen

Wegen der bundesweit steigenden Zahlen warnt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach davor, die Opfer der Flut in Sammelunterkünften unterzubringen. „Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko“, sagte er SWR3.

Lauterbach rät, die Flutopfer lieber in Hotels und Einzelunterkünften unterzubringen. Nur so ließen sich Massenausbrüche verhindern. „Wir sollten die Menschen – wo immer möglich – in Hotels unterbringen oder bei Familien, die entsprechend entschädigt werden und entsprechend gastfreundlich sein können. So dass wir nicht über Sammelunterkünfte das Infektionsgeschehen noch einmal anheizen.

Rheinland-Pfalz und Kreis Ahrweiler schicken Impfbus ins Ahrtal

Das Land Rheinland-Pfalz und die Kreisverwaltung im Ahrtal schicken einen Impfbus ins Katastrophengebiet. Hier können sich Menschen aus der Region ohne Termin impfen lassen – mit Biontech-Impfstoff oder dem Mittel von Johnson und Johnson.

Außerdem können die Menschen in dem Bus einen Corona-Schnelltest machen. Impfen und Testen seien die beiden wichtigsten Vorkehrungen gegen eine Zunahme von Infektionen, sagte ein Ministeriumssprecher. „Angesichts einer Infrastruktur, die so schwer beschädigt ist, ist die Gefahr da.

Arzt: Corona-Impfung bietet in jedem Fall Schutz

Aber dauert es nicht mindestens zwei Wochen vom Pieks bis zum vollen Impfschutz? Nein. Denn das Immunsystem hat keinen An- und Ausschalter, nach ein paar Tagen hat man zumindest einen gewissen Impfschutz, sagt auch Hausarzt Günter Willinger aus Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis.

In seiner Gemeinschaftspraxis werden jeden Tag Menschen gegen Corona geimpft. „Die Impfung bringt auch schon nach ein paar Tagen einen Schutz gegen einen schweren Krankheitsverlauf“, sagte Willinger im SWR3-Gespräch. Deswegen sei es auf jeden Fall sinnvoll, sich die Impfung geben zu lassen.

Impfungen auch mit Blick in die Zukunft wichtig

Die Aufräumarbeiten zwischen Ahrweiler und Aachen werden noch Wochen dauern – in der Zeit wird wohl auch die Sieben-Tage-Inzidenz weiter nach oben schießen. Deswegen seien Impfungen auch mit Blick auf die kommenden Wochen wichtig – das sagt auch SPD-Mann Lauterbach.

Auch bei den weiteren Maßnahmen sind Lauterbach und Willinger sich einig: Nicht nur das Meiden von Sammelunterkünften würde helfen, die Infektionszahlen in den Flutgebieten im Rahmen zu halten. Auch müssten den Flutopfern gute FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden. Und auch Schnelltests seien ein wichtiger Punkt, um die Zahl der Neuinfektionen weiter niedrig zu halten. Und auch – wenn möglich – das Einhalten der AHA+L-Regeln.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Bundestag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Michael Kappeler)
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt: Macht einen großen Bogen um Sammelunterkünfte. picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Kann ich mich auch impfen lassen, wenn ich schon infiziert bin?

Im schlimmsten Fall könnten sich Menschen in den Flutgebieten schon mit der Delta-Variante infiziert haben, ohne das schon zu wissen. Auch hier sei eine Impfung immer noch sinnvoll: „Die Wenigen, bei denen das der Fall sein könnte, haben keine Nachteile. Die Impfung hilft trotzdem etwas – verschieben sollte man sie deswegen nicht.

Wird die Hilfe in den Flutgebieten jetzt zu einem Superspreader-Event?

Die Angst, dass die Flutgegend zu einem Superspreader-Gebiet werden könnte, ist berechtigt – das sagt nicht nur Karl Lauterbach. Immerhin sind Helfer aus dem ganzen Land in der Eifel – professionelle, aber auch jede Menge freiwillige.

Der rheinland-pfälzische Staatssekretär Denis Alt (SPD) sagte, in der Katastrophenhilfe werde „notwendigerweise Hand in Hand“ gearbeitet, „oftmals ohne Corona-Schutzmaßnahmen umfänglich einhalten zu können“.

Aber auch in den Notunterkünften ist das Risiko, sich mit der Delta-Variante zu infizieren, sehr hoch. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Nordrhein-Westfalen plant keine Sonderimpfaktionen

Eine Impfaktion wie in Rheinland-Pfalz ist in Nordrhein-Westfalen nicht geplant. Aber das Land stellt den vom Hochwasser betroffenen Gebieten zusätzliche Impfkontingente zur Verfügung. „Insbesondere bei der gemeinschaftlichen Unterbringung in Notunterkünften besteht ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen“, heißt es aus dem NRW-Gesundheitsministerium.

Die Menschen in den Katastrophengebieten haben derzeit ganz sicher andere Sorgen als das Coronavirus, das verstehe ich. Wenn sich die Menschen nun aber insbesondere in den Notunterkünften gegenseitig anstecken, belastet das die angespannten Strukturen vor Ort zusätzlich“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Daher geben wir so viel Impfstoff wie gebraucht wird in diese Regionen.

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Radionachrichten 24. September, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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