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Die Bilder der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben alle gesehen. Aber wie geht es den Menschen vor Ort jetzt; drei Monate später? Viel hat sich getan, doch ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Zwischen Zerstörung und Wiederaufbau

Vor drei Monaten verloren 181 Menschen ihr Leben und unzählige Familien ihre Existenz durch die Flutkatastrophe rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Berge von Schutt und zerstörten Häusern erinnerten an Kriegsgebiete, kaum ein Stein stand noch auf dem anderen. Doch auf die Flut folgte eine noch größere Welle an Hilfsbereitschaft. Viele Menschen packten mit an und helfen seitdem an allen Ecken.

Viel hat sich seitdem schon getan: Die meisten Schuttberge sind von den Straßen inzwischen verschwunden, Häuser wurden abgerissen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU), spricht von einem Wendepunkt: Der Katastrophenfall sei aufgehoben, jetzt gehe es um den gemeinsamen Wiederaufbau. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) stimmt dem zu:

Die weitgehend freien Straßen vermitteln ein positives Gefühl, doch der aufgeräumte Schein trügt: Häuserlücken erinnern an das Schicksal vieler Menschen, die noch immer bei Freunden und Verwandten wohnen müssen, weil ihr eigentliches Zuhause weggespült wurde. Laufende Bautrockner zeugen von Sanierungen, die längst noch nicht abgeschlossen sind und grundlegende Anschlüsse wie Gas sind auch noch nicht installiert; von der lückenhaften Infrastruktur etwa durch fehlende Brücken ganz zu schweigen.

„Wir brauchen eigentlich mehr Helfer“

Umso mehr betont Thomas Pütz vom Helfershuttle immer wieder, dass der Strom an Helfern nicht abreißen darf, denn in die betroffenen Regionen kommen immer weniger Helfer – von Woche zu Woche werden es weniger. Es gebe mehr Arbeit als helfende Hände, doch zumindest die Basis stehe:

Zwischen 400 und 500 Helfer sind das Grundrauschen, das wir jeden Tag brauchen. Wir brauchen eigentlich mehr Helfer, aber so können wir zumindest ein bisschen was bedienen. Und wir haben echt Schiss gehabt, dass das auf 200 oder 100 runtergeht.

Chef-Organisatorin Bella bestätigt diesen Eindruck. Es gebe gute Tage, aber grundsätzlich sei die Tendenz rückläufig. Die Zahl von nach eigenen Angaben insgesamt 70.000 transportierten Helfern dürfe ihrer Ansicht nach gerne noch steigen.

Drei Monate nach der Flutkatastrophe

Hilfe wird nicht nur im Handwerk gebraucht – auch Seelsorgeteams sind unterwegs, um bei der Bewältigung des Erlebten zu unterstützen. Sowohl für Menschen, die selbst betroffen sind, als auch für Hilfskräfte vor Ort sind die Seelsorgeteams wertvolle Ansprechpartner. Doch auch untereinander halten die Menschen zusammen und versuchen, sich gegenseitig aufzubauen. Dabei zählen oft die kleinen Gesten; und seien es auch nur ein paar Blumen, die Helfer den Anwohnern mitgebracht haben.

Spenden und Hilfsgelder kommen vor Ort an

Neben der Hilfe vor Ort ist die Spendenbereitschaft ist nach wie vor hoch; von Benefizveranstaltungen über Sachspenden bis hin zu Organisationen, die Spendenkonten für die betroffene Region eingerichtet haben. Und auch die beantragten Hilfsgelder kommen vor Ort an. Geld, das beim Wiederaufbau dringend notwendig ist.

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Neben der großen finanziellen und tatkräftigen Unterstützung brauchen die Menschen im Ahrtal weiterhin vor allem Durchhaltevermögen und Geduld. Mit den sinkenden Temperaturen sitzt allerdings auch die Zeit im Nacken: Manche Haushalte konnten bereits an das Erdgassystem angeschlossen werden, für viele ist aber noch nicht klar, wie sie einzelne Etagen oder Zimmer heizen können.

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Wie geht es im Ahrtal weiter?

Die Betreiber bemühen sich, so schnell wie möglich flächendeckend den Anschluss an das Gassystem sicherzustellen. Zudem sollen noch in diesem Jahr 80 neue Sirenen installiert werden. Die alten seien zu leise oder defekt gewesen. Viele Experten sind sich im Nachhinein sicher: Ein funktionierendes Sirenenwarnnetz hätte effektiver vor der Flutkatastrophe warnen können.

Die Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur wird noch lange dauern. Brücken, Straßen oder beispielsweise auch Bahngleise in einer Länge von 30 Kilometern wurden so stark beschädigt oder komplett weggespült, dass der Wiederaufbau nicht mit kleinen Reparaturen getan ist.

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