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Hans Liedtke (Foto: SWR3)

Die Regierung will, dass weniger Lebensmittel im Müll landen. Die genaue Menge an verschwendetem Essen ist aber schwer zu ermitteln. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner setzt auf freiwillige Maßnahmen.

Die Bundesregierung will die Lebensmittelabfälle in Deutschland verringern und Wirtschaft und Verbraucher dafür stärker einbeziehen. Das sieht eine Strategie von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, die das Kabinett beschlossen hat.

Julia Klöckner (Foto: Reuters)

Nachrichten Klöckner will Lebensmittelabfälle halbieren

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Vorgesehen ist unter anderem, mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Wissenschaft konkrete Maßnahmen auf freiwilliger Basis zu entwickeln – zum Beispiel bei Lieferprozessen oder mit passenderen Portionsgrößen in Restaurants. Vor allem Jugendliche und junge Familien sollen mit Informationen über das Internet stärker sensibilisiert werden.

BMin @JuliaKloeckner stellt ihre Nationale Strategie gegen Lebensmittelverschwendung im @ardmoma vor. Ziel: Bis 2030 die Lebensmittelverschwendung halbieren - die ganze Wertschöpfungskette muss eingebunden werden. https://t.co/zJ5ptW7euO

Abfälle bis 2030 halbieren

Klöckner betonte das Regierungsziel, Lebensmittelabfälle auf Ebene von Einzelhandel und Verbrauchern bis 2030 zu halbieren. Das soll auch zum Klimaschutz beitragen. Bisher werden laut Studien jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – von Privathaushalten, in der Lebensmittelbranche, im Handel und der Gastronomie.

Auf die Verbraucher entfallen demnach pro Kopf 55 Kilogramm im Jahr. Die Berechnung der Abfälle ist aber umstritten, weil unter anderem keine verlässlichen Ausgangszahlen existieren.

Mülltonnen (Foto: Wolfram Steinberg)

Nachrichten Berechnung von Lebensmittelverschwendung

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Kritikern geht Vorschlag nicht weit genug

Die Grünen-Verbraucherexpertin Renate Künast bezeichnete Klöckners Strategie als „mutlos“. Erneut setze die Ministerin lediglich auf „Freiwilligkeit und Runde Tische, statt auf Verbindlichkeit“, sagte Künast.

Das von der UNO und der EU vorgegebene Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, rücke damit „in weite Ferne“. Nötig seien stattdessen verbindliche Reduktionsziele für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und ein Ende der Massenproduktion in der Landwirtschaft, fordert Künast.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, kritisiert: „Die Strategie des Ernährungs- und Landwirtschaftsministeriums ist bloß ein halbherziger Schritt in die richtige Richtung. Viel zu viele Lebensmittel werden erst aufwändig produziert, nur um später weggeworfen zu werden. Riesige Mengen Wasser, Dünger, Pestizide und Kraftstoffe werden völlig umsonst verbraucht.“

Es heißt ja auch „mindestens haltbar bis“ und nicht „garantiert tödlich ab“! 😉Gepostet von SWR3 am Mittwoch, 17. Oktober 2018

Was tun andere Länder gegen Lebensmittelverschwendung?

Die Vorgabe, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, kommt von der UNO und der EU. Deutschland ist also nicht alleine damit, dass es seine Lebensmittelabfälle reduzieren muss.

In Frankreich gibt beispielsweise seit drei Jahren ein Gesetz, das größere Supermärkte verpflichtet, übriggebliebene Lebensmittel zu spenden. Wer das als Händler nicht macht und erwischt wird, muss Strafe zahlen. In Tschechien und Italien gibt es ähnliche Gesetze, die es leichter machen, unverkaufte Nahrungsmittel zu spenden.

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