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Keine Maskenpflicht, kein Abstandsgebot, sondern nur noch freiwillige Corona-Maßnahmen in Eigenverantwortung – das gilt seit Montag in England. Dabei steigen die Inzidenzen immer weiter. Kann das gut gehen?

Masken sind seit Montag an den meisten Orten freiwillig, genauso wie Abstandhalten. Es gibt in England keine Beschränkungen mehr für Clubs oder private Partys, auch Theater und Kinos dürfen ihre Säle voll besetzen. Und schon in den ersten Morgenstunden begrüßten Tausende Feierwütige ihre neugewonnene Freiheit – mit der ersten Clubnacht seit Monaten. Die englische Corona-Strategie steht nun ganz unter dem Motto: Eigenverantwortung.

Mehr als 50.000 Neuinfektionen pro Tag

Auf den ersten Blick sieht England aus wie ein Land, das das Virus hinter sich gelassen hat. Doch die hochansteckende Delta-Variante lässt die Zahl der Corona-Infizierten in Großbritannien immer weiter ansteigen. Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde zuletzt mit 399 angegeben (Stand: 14.7.). Pro Tag werden fast täglich mehr als 50.000 Fälle registriert. Das sind beinahe so viele wie zum Höhepunkt der zweiten Welle zum Jahreswechsel – Tendenz steigend.

Freiheit ist noch weit weg

Weitreichende Lockerungen bei hoher Impfquote, aber auch extrem hohen Infektionszahlen: Es ist ein Experiment, wie es in kaum einem Land in dieser Form probiert wurde. Und bereits jetzt, noch weit vor dem mutmaßlichen Höhepunkt der aktuellen Welle, zeigt sich, dass Freiheit und Pandemie nicht so recht zusammenpassen wollen: Rund 1,7 Millionen Briten befinden sich einem Bericht zufolge derzeit in Quarantäne, weil sie als enge Kontakte von Infizierten durch die Corona-App „gepingt“ oder vom Gesundheitsdienst angerufen wurden. Inzwischen fehlen Bahnfahrerinnen, Bedienungen oder Kassierer.

Einer von den Menschen in Quarantäne ist der britische Premierminister Boris Johnson selbst. Nach Kontakt mit seinem coronainfizierten Gesundheitsminister ist er seit dem Wochenende selbst in Isolation.

Like so many people I've been pinged by NHS Test and Trace as I have been in contact with someone with COVID-19, and I will be self-isolating until Monday 26th July. https://t.co/X57gDpwDqe

Impfquote im Vereinigten Königreich ist hoch

Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent sind bereits zweimal geimpft. Doch Experten zweifeln daran, ob das ausreichen wird, um einer großen Infektionswelle standzuhalten. Dem Epidemiologen Neil Ferguson vom Imperial College in London zufolge ist es „beinahe unausweichlich“, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen die Marke von 100.000 bald überschreitet. „Die echte Frage ist, ob es sogar doppelt so viel wird, oder sogar noch mehr“, sagte Ferguson der BBC am Sonntag. Im schlimmsten Fall, wenn die Zahl der Krankenhauseinweisungen 2.000 oder 3.000 täglich erreiche, müssten doch wieder Maßnahmen ergriffen werden, um die Lage wieder in den Griff zu kriegen, warnte er. Das wiederum wäre ein Bruch des politischen Versprechens, das Johnson gegeben hat.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 24. September, 03:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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