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Eine junge Mutter hat vermutlich fünf ihrer sechs Kinder ermordet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Mutter emotional überfordert war. Anwohner trauern mit einer Lichterkette und einer Schweigeminute. Die Stadt Solingen will nun Spenden sammeln.

Mit einer Schweigeminute und Kerzen haben viele Menschen am Samstagabend um die fünf getöteten Kinder in Solingen getrauert. Es seien Hunderte Menschen gekommen, die Lichter angezündet und eine Lichterkette in Gedenken an die Opfer gebildet hätten, berichtete der WDR. Die Schweigeminute wurde von dem Nachbarschaftsverein „Wir in der Hasseldelle“ organisiert. Die Stadt Solingen kündigte an, ein Spendenkonto für die Beerdigung der Kinder einzurichten.

Trauer um tote Kinder in Solingen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/David Young/dpa)

Nachrichten Lichterkette in Solingen

Dauer

Ermittler: Kinder wohl betäubt und erstickt

Die Polizei geht davon aus, dass die Mutter die Kinder erst betäubt und dann erstickt hat. Gegen die 27-Jährige sei Haftbefehl wegen fünffachen Mordes erlassen worden, sagte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau „die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen hat und da auch das Motiv zu suchen ist“.

Großmutter der Kinder alarmierte Polizei

Polizisten hatten die Leichen der fünf Kinder am Donnerstag in der Wohnung der Familie in Solingen-Hasseldelle gefunden, nachdem die Großmutter der Kinder die Beamten alarmiert hatte.

Die Mutter der Kinder habe die Tat laut Staatsanwalt in einem Whatsapp-Chat gestanden und sich danach in Düsseldorf vor einen Zug geworfen. Dabei habe sie sich schwere, aber nicht lebensgefährliche innere Verletzungen zugezogen, sagte der Leiter der Mordkommission, Marcel Maierhofer.

Solingen: Um Mitternacht werden die Leichen der fünf Kinder abtransportiert. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Roberto Pfeil/dpa)
Solingen: Um Mitternacht wurden die Leichen der fünf Kinder abtransportiert. picture alliance/Roberto Pfeil/dpa

Motiv: Wahrscheinlich Überforderung

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die 27-Jährige ihre Kinder in einem Zustand der emotionalen Überforderung getötet hat. Seit einem Jahr habe sie von ihrem letzten Mann, dem Vater ihrer vier jüngsten Kinder, getrennt gelebt.

Trauer um tote Kinder in Solingen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/David Young/dpa)
Trauer um tote Kinder in Solingen picture alliance/David Young/dpa

Schulbesuch rettet Elfjährigem möglicherweise das Leben

Die Polizei geht davon aus, dass die Mutter ihre ein bis acht Jahre alten Kinder zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagvormittag getötet hat. Das älteste Kind, ein elf Jahre alter Junge, habe wahrscheinlich nur überlebt, weil er zur Tatzeit in der Schule war.

Das sei aber noch nicht sicher geklärt, da der Junge noch nicht befragt werden konnte. In einem Schul-Gruppenchat habe der Junge kurz nach der Tat geschrieben, dass alle seine Geschwister tot seien, sagte Einsatzleiter Robert Gereci.

Jugendamt war einbezogen

Dem Jugendamt sei die Familie schon vor der Tat bekannt gewesen: „Der Familie wurden von der Stadt Solingen erforderliche Unterstützungen gewährt. Das Jugendamt hat zusätzlich mögliche Hilfsangebote unterbreitet“, teilte die Stadt mit.

Welche Form der Unterstützung die Familie bekam, teilte die Stadt nicht mit. Absehbar sei die Tat jedenfalls nicht gewesen: „Erkenntnisse zu Auffälligkeiten oder einer potentiellen Gefährdung der Kinder gab es zu keinem Zeitpunkt.“

Reul: große Trauer um fünf kleine Kinder

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) war nach der Tat am Donnerstag schockiert:

Das Familiendrama von Solingen erfüllt mich mit großer Trauer, und im Moment bin ich mit meinen Gedanken und mit meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden.

Solinger OB-Kurzbach: „Eine Tat, die uns tief ins Herz getroffen hat“

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) kam am späten Donnerstagnachmittag zum Tatort und verließ diesen sichtlich schockiert. „Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat“, sagte Kurzbach gegenüber Journalisten vor Ort.

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