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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer
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Nach dem Zugunglück in Oberbayern am Freitag geht die Suche nach der Ursache weiter. Ein technischer Defekt kann wohl nicht ausgeschlossen werden.

Jetzt hat das Zugunglück von Garmisch auch erste juristische Folgen: Die Staatsanwaltschaft München II hat ein Ermittlungsverfahren gegen drei Personen wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Bei den Beschuldigten handele es sich um Mitarbeiter der Deutschen Bahn, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Unterdessen geht die Suche nach der Unglücksursache weiter. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, derzeit würden Schienen und Fahrgestelle „peinlich genau untersucht und vermessen“.

Ein Fehler des Fahrpersonals ist laut Herrmann im Moment nicht ersichtlich. Aber es werde immer noch in alle Richtungen ermittelt. Der Zugführer wurde nach Polizeiangaben am Samstag vernommen. Was er gesagt hat, teilte die Polizei allerdings nicht mit. Sicher sei bislang nur, dass ein Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug ausgeschlossen werden könne.

Die Zeitung Die Welt berichtete, dass die Deutsche Bahn auf der Unglücksstrecke bei Garmisch-Partenkirchen ab Ende des Monats Sanierungsarbeiten an den Gleisen geplant hatte. Die Bahn teilte mit, aufgrund der laufenden Ermittlungen könne sie sich nicht dazu äußern.

Ukrainerinnen unter den Todesopfern

Die Polizei in Garmisch-Partenkirchen hatte am Sonntag bekannt gegeben, um wen es sich bei den fünf Toten handelt: Demnach sind die ersten vier gefundenen Todesopfer drei Frauen im Alter von 32, 39 und 70 Jahren sowie nach bisherigen Erkenntnissen eine 51-Jährige. Zwei der Frauen seien Ukrainerinnen, die mit ihren Kindern nach Bayern geflohen waren, teilte Innenminister Herrmann mit.

Das fünfte, am Samstag geborgenen Opfer sei ein 14-jähriger Junge aus der Region Garmisch.

Hier alle aktuellen Entwicklungen:

Ein Unfallopfer schwebte auch am Montag noch in Lebensgefahr

Rund 40 Menschen waren bei dem Unglück am Freitag verletzt worden, mehrere von ihnen schwer. Ein Unfallopfer war laut Herrmann am Montag weiter in Lebensgefahr.

So sah die Unfallstelle am Sonntagmorgen aus:

Noch ist es ruhig. Die Bergungsarbeiten in #Burgrain gehen heute weiter. Zuerst soll der Waggon, der momentan noch auf der B2 liegt, abtransportiert werden. Dafür muss er eventuell geteilt werden. #zugunglück #garmisch https://t.co/g0n0yRwuAI

Letzter Waggon geborgen

Am Montag wurde der letzte der drei umgestürzten Waggons von Kränen geborgen und für den Abtransport zerlegt. Am Abend standen nur noch die Lok und zumindest ein Waggon auf dem Bahndamm.

Die entgleisten Waggons waren nacheinander auf die angrenzende Straße gehoben, zerlegt und abtransportiert worden.

Regionalbahn entgleiste bei Burgrain

Das Unglück hatte sich am Freitag gegen 12:15 Uhr im Ortsteil Burgrain in den Loisachauen ereignet: Mehrere Doppelstock-Wagen des Zugs kippten um, rutschten eine Böschung hinab und blieben direkt neben einer Bundesstraße liegen. Der Zug war Richtung München unterwegs. Rund 140 Menschen saßen darin.

Unter den Verletzten waren auch viele Schülerinnen und Schüler. Einige Opfer erlitten schwerste Verletzungen und mussten notoperiert werden. Es war eines der schwersten Bahnunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland.

Martin Breitkopf vom Bayerischen Rundfunk hatte am Freitagnachmittag berichtet:

Großaufgebot an Rettungskräften

Feuerwehr, Notärzte und Polizei waren mit einem Großaufgebot vor Ort – insgesamt waren rund 500 Retter im Einsatz. Nach Angaben eines Sprechers der ADAC-Luftrettung unterstützten sechs Rettungshubschrauber, drei davon vom ADAC. So sah der Unglücksort aus dem ADAC-Hubschrauber aus:

Zahlreiche Einsatz- und Rettungskräfte sind nach einem schweren Zugunglück im Einsatz (Luftaufnahme aus einem Rettungshubschrauber). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/ADAC Luftrettung | ADAC Luftrettung)
picture alliance/dpa/ADAC Luftrettung | ADAC Luftrettung

Weiterhin Streckensperrung bei Garmisch-Partenkirchen

Die bayerische Landesregierung hatte am Freitag mitgeteilt, es könne mindestens zwei Wochen dauern, bis die Strecke wieder befahrbar sei. Innenminister Herrmann sprach am Samstag von „zumindest noch einigen Tagen“.

Hier stehen die Ermittlungsarbeiten im Vordergrund, danach kann mit der Instandsetzung begonnen werden. Ersatzbusse seien im Einsatz, aber von nicht zwingend erforderlichen Zugfahrten im Bereich Garmisch-Partenkirchen – Murnau werde abgeraten, teilte die Deutsche Bahn mit.

Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen und die Polizei kündigten an, dass bis zum Ende der Bergungsarbeiten auch der Autoverkehr in der Region von Behinderungen betroffen sein werde.

Aufgrund der Bergungsmaßnahmen rund um den Unglücksort kommt es voraussichtlich bis Mitte nächster Woche zu Verkehrsbehinderungen. Genauere Infos gibt es hier: https://t.co/Do5qBb1EdW #Burgrain0306

Anteilnahme aus der Politik zum Zugunglück

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte am Freitagabend den Unglücksort besucht. „Ich bin zutiefst erschüttert“, sagte sie nach Gesprächen mit den Rettungskräften. Sie sei gekommen, um Angehörigen, Familien und Freunden der Todesopfer das tiefe Mitgefühl der Bundesregierung auszudrücken, sagte Faeser.

Das furchtbare #Zugunglück bei #Garmisch erschüttert mich tief. Hier hat sich heute eine schlimme Katastrophe ereignet. Ich habe mir gerade vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Und ich habe den Einsatzkräften und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sehr herzlich gedankt. https://t.co/4ck0uzSRzR

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) meldete sich tief bestürzt über Twitter:

Es sind erschütternde Nachrichten und bedrückende Bilder vom #Zugunglück in der Nähe von #Garmisch-Partenkirchen. Es wird alles versucht, den Verletzten zu helfen, denen wir eine schnelle Genesung wünschen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Samstagmorgen den Unfallort besucht. „Wir beten und hoffen sehr, dass wir unter den Waggons keine weiteren Toten finden“, sagte Söder da. Leider kam es anders, als gegen Mittag der verunglückte Teenager gefunden wurde.

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