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Mord, Totschlag, Missbrauch – Tausende Kinder erleiden in Deutschland Schreckliches. Und während der Pandemie wächst die Gefahr, befürchten Polizei und Kinderschützer.

Die nackten Zahlen der neuen Polizeistatistik sind erschreckend genug: In Deutschland sind im vergangenen Jahr 112 Kinder vorsätzlich oder fahrlässig getötet worden oder in Folge von Körperverletzung gestorben. Die Zahlen sind leicht zurückgegangen – um 24 im Vergleich zu 2018.

Jugendliche werden oft Opfer von Jugendlichen

Im Bereich Kindesmisshandlung wurden 4.055 Fälle registriert (2018: 4.129). Bei sexueller Gewalt gegen Kinder gab es einen Anstieg von 14.606 auf 15.936 Fälle. Die Polizei in Deutschland hat außerdem im vergangenen Jahr in 12.262 Fällen wegen kinderpornografischer Delikte ermittelt.

Hier sind die Zahlen in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Im Vergleich zu 2016 melden die Kriminalisten mehr als eine Verdopplung. Immer öfter kommen dabei Jugendliche als Täter ins Visier der Ermittler, weshalb der Bund dafür ein Hilfsportal zur Verfügung stellt.

Die hohe Zahl bedeutet nach Angaben des Bundeskriminalamts indes
nicht zwangsläufig einen Zuwachs an Vergehen. Vielmehr gebe es
inzwischen deutlich mehr Hinweise, etwa von einer Organisation in den USA, die vermisste Kinder auffinden und Missbrauch aufdecken will.

Und was passiert während der Corona-Pandemie?

Und jetzt die bange Frage: Wie schlimm ist das alles während der Corona-Pandemie – einer Zeit, in der betroffene Kinder womöglich nicht einmal wie sonst Kontakt zu Menschen haben, die helfen könnten?

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, ist besorgt: Eine Zunahme von Gewalt oder Missbrauch im häuslichen Umfeld lasse sich in den polizeilichen Daten derzeit zwar nicht erkennen, sagte Münch, als er am Montag die Zahlen der Gewalt gegen Kinder vorstellte.

Laut #Polizeistatistik sterben in #Deutschland jede Woche drei Kinder an den Folgen von #Misshandlung. Doku @3Sat „Wenn Eltern ausrasten“ - Donnerstag, 5. April, 20:15 Uhr. @DasErste https://t.co/MKqKbKEI41 https://t.co/eeHUlcdNat

Rund um die Uhr mit dem Peiniger zusammen

Aber das Dunkelfeld sei groß. Es sei nicht auszuschließen, dass Isolation und Stressfaktoren wie Beengtheit, Existenzangst oder Spannungen die Gewalt ansteigen ließen.

Sehr besorgt ist auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Er glaubt: Durch häusliche Isolation seien Kinder jetzt noch größeren Gefahren in den Familien ausgesetzt. Trotz der Lockerungen fehle noch immer der Kontakt zu helfenden Einrichtungen wie Schulen oder Kitas.

Seine Behörde hat unter der Nummer 0800-2255530 eine Telefon-Hotline eingerichtet. Dort soll es für Opfer Hilfe und Rat geben. Dass die Zahl der Anrufe während der Pandemie nur leicht gestiegen ist, beruhigt Rörig kein bisschen: Er fürchte, sagte er, dass viele Kinder nicht anrufen könnten, da sie momentan im Extremfall auch rund um die Uhr mit ihrem Peiniger zusammen seien.

Und: Es müssen nicht immer Gewalt und Missbrauch sein. Die Telefonberatung „Nummer gegen Kummer“ (kostenlos unter 116111) boomt jedenfalls: Anrufe seien um 50 Prozent gestiegen, meldete die Fachreferentin der Organisation, Anna Zacharias, im ARD-Morgenmagazin. Kinder und Jugendlichen riefen vor allem wegen Zukunftsängsten, der Corona-Situation, Einsamkeit und Konflikten in der Familie an.

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