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Die Aktie der Leasingfirma Grenke aus Baden-Baden hat weiter deutlich an Wert verloren. Hintergrund sind die Vorwürfe eines britischen Investors, der dem Unternehmen Bilanzfälschung, Betrug und Geldwäsche vorhält. Grenke wies die Vorwürfe zurück. Was ist da los?

Das Leasing-Unternehmen Grenke schafft es trotz Milliardengeschäften nur selten in die Schlagzeilen. Nun wird es heftig von einer Investorengruppe attackiert – und wehrt sich. Der Finanzmarkt, der gerade erst den Wirecard-Skandal wegstecken musste, reagiert nervös: Der Kurs der Grenke Aktie fiel auf 35 Euro – den niedrigsten Wert seit mehr als fünf Jahren. Grenke büßte damit seit Dienstag mehr als 900 Millionen Euro an Börsenwert an.

Warum der ganze Wirbel um Grenke?

Hintergrund sind die Vorwürfe eines britischen Investors, der dem Unternehmen Bilanzfälschung, Betrug und Geldwäsche vorhält. Der Investor räumte allerdings ein, mit geliehenen Aktien, sogenannten Shortsellern, auf einen Kurssturz von Grenke zu wetten. SWR-Wirtschaftsredakteurin Sina Rosenkranz erklärt, was das ist und was dahinter stecken könnte.

Was ist denn eigentlich ein Shortseller? 

Kurz gesagt: Shortseller sind Börsenspekulanten, die mit geliehenen Börsen-Papieren häufig auf fallende Kurse setzen. Shortselling ist der englische Begriff für Leerverkäufe. Also: Einige Shortseller gehen dabei so weit, dass sie aktiv auf auf Aktienkurse einprügeln und dann möglicherweise einen Gewinn daraus ziehen, wenn die Aktie tatsächlich ins Bodenlose fällt. Sie profitieren dann also vom Scheitern anderer. Und oft versuchen sie dieses Scheitern, diese Kursstürze zu beschleunigen oder sogar selbst auszulösen, indem sie negative Berichte über bestimmte Unternehmen veröffentlichen.

Das klingt nicht besonders seriös, da rümpft man auch als Journalist ziemlich schnell die Nase, aber ganz so einfach ist die Sache nicht. Shortseller arbeiten zum Teil wie Detektive oder Investigationsjournalisten – heißt, sie suchen, eben weil sie ein finanzielles Interesse daran haben, ganz gezielt nach Bilanzlöchern und Ungereimtheiten und sprechen mit Insidern oder ehemaligen Mitarbeitern. So wurden auch schon viele brisante Fälle aufgedeckt.  

Perring erhebt schwere Vorwürfe – ist das Strategie? 

Ja – der britische Investor Fraser Perring hat mit der Veröffentlichung seiner Vorwürfe auch gleich ganz klar zugegeben, gleichzeitig auf einen Kurssturz der Grenke-Aktie zu wetten. Dieser Kurssturz ist dann auch eingetreten. Ähnlich hat der Investor das schon mit anderen Unternehmen gemacht, auch bei ProsiebenSat1 hat er die Kurse zum Einstürzen gebracht und auch bei Wirecard.

Schon vor vier Jahren hat der Börsenspekulant Fraser Perring einen umfangreichen Bericht über Wirecard veröffentlicht mit dem zentralen Vorwurf der Bilanzfälschung und war deshalb vielen Anfeindungen ausgesetzt – es wurde sogar Strafbefehl gegen ihn beantragt, der am Ende wieder fallengelassen wurde gegen eine geringe Geldstrafe. Aber: Fraser Perring hat in vielem am Ende Recht behalten.

Wie geht der Fall Grenke aus?

Wie es aber im Fall Grenke ausgeht, ist derzeit überhaupt nicht einzuschätzen. Grenke hat die Vorwürfe erstmal scharf zurückgewiesen und eines ist klar: Sollte an den Behauptungen überhaupt nichts dran sein, hätte der Auslöser des Skandals, Fraser Perring, ein echtes Problem. Bei Marktmanipulationen verstehen die Behörden in der Regel keinen Spaß.  

Die Finanzaufsicht Bafin muss jetzt prüfen, ob an den Vorwürfen gegen Grenke Leasing was dran ist. Sie geht aber auch dem Verdacht auf Insiderhandel nach, weil unmittelbar vor Bekanntwerden des Reports Geschäfte mit Grenke-Aktien in größerem Stil erfolgt sind.  

Wirecard vs. Grenke: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Parallelen sind ziemlich klar: Es geht in beiden Fällen um angeblich frisierte Bilanzen, angeblich nicht vorhandene hohe Geldbeträge, Marktmanipulationen, Aktienkurse, die in den Keller rauschen und in beiden Fällen erhebt der Shortseller Fraser Perring die Vorwürfe, die Grenke wie gesagt zurückgewiesen hat.

Wolfgang Grenke (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Marijan Murat/dpa)
Der Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), Wolfgang Grenke, aufgenommen 2016 in Stuttgart während eines Gesprächs mit der Deutschen Presse-Agentur. picture alliance / Marijan Murat/dpa

Aber – und das ist der Unterschied: Im Gegensatz zu den Managern von Wirecard gilt vor allem der Firmengründer und Hauptaktionär von Grenke, Wolfgang Grenke, in der Region Baden-Baden als absolut integer, er ist Präsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages, bekennendes SPD-Mitglied, Vereins-Sponsor und Mäzen. Gleichzeitig erscheint das Geschäftsmodell von Grenke für Außenstehende als sehr kompliziert und undurchsichtig. 

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