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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer
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Beim Frontalcrash der Züge gab es Dutzende Tote. Der griechische Verkehrsminister ist daraufhin zurückgetreten. Was war die Ursache für das Zugunglück?

Es ist das schwerste Zugunglück in der Geschichte Griechenlands: Über 80 Menschen wurden verletzt, mindestens 46 starben, als in der Nacht auf Mittwoch zwei Züge frontal ineinander crashten. Nahe der Stadt Larissa, auf der Strecke zwischen Athen und Thessaloniki, kam es laut Feuerwehr zu einer Kollision zwischen einem Personenzug und einem Güterzug. Mehrere Waggons entgleisten, einige fingen Feuer. Die ersten zwei Wagen des Personenzugs wurden völlig zerstört. Hier Bilder vom Unglücksort:

Two trains collided head-on in Greece killing at least 32 people and injuring 85 but the cause of the deadliest rail crash in the country in decades remained unclear https://t.co/shpnvtqHI5 pic.twitter.com/UL6Bakmctm

Zugunglück in Griechenland: Suche nach der Ursache

Die Strecke, die Athen mit der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki verbindet, war in den vergangenen Jahren modernisiert worden. Obwohl sie zweigleisig ausgebaut ist, waren die beiden Züge in gegensätzlicher Richtung auf derselben Spur unterwegs. Das elektronische Leitsystem hatte Berichten zufolge einen Defekt, weshalb die Bahnhofsvorsteher die Züge koordinierten. So soll der Verantwortliche am Bahnhof von Larissa den entscheidenden Fehler gemacht und den Personenzug aufs falsche Gleis geleitet haben. Der aus Athen gestartete Personenzug mit 350 Reisenden stieß so frontal mit einem aus der Gegenrichtung – aus Thessaloniki – kommenden Güterzug zusammen.

Der 59-jährige Bahnhofsvorsteher wurde festgenommen. Laut der Tageszeitung Kathimerini wurde er wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Ermittlungen stehen allerdings am Anfang. Es werden auch weitere technische Probleme nicht ausgeschlossen. Berichten zufolge soll es beispielsweise auch Probleme mit der Stromversorgung gegeben haben.

Katastrophale Unwetter in Griechenland Menschen sitzen auf Dächern fest – ohne Essen und Trinken

Mindestens acht Dörfer seien durch das Wasser weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete der Nachrichtensender ERTnews. Ganze Landstriche stehen unter Wasser, wie Aufnahmen von Drohnen zeigen.

Nach Zusammenprall der Züge: Panik unter den Passagieren

„Die meisten Verletzten haben Kopfverletzungen, gebrochene Becken, Arme und Beine. Es gibt leider zahlreiche Menschen, die noch in den Trümmern sind“, sagte ein Mitglied eines Rettungsteams Reportern am Morgen vor Ort. Mit Kränen und anderen schweren Geräten versuchten die Retter, die entgleisten Waggons zu heben, um nach Überlebenden und Opfern zu suchen, wie Reporter vor Ort berichteten.

Nach dem Unglück sei Panik ausgebrochen, so ein Passagier. Ein Überlebender sagte, im Personenzug sei nach dem Zusammenstoß Feuer ausgebrochen. „Es herrschte Chaos und ein Höllenlärm“, fügte er im Staatsfernsehen hinzu. „Wir haben mit unseren Koffern die Fensterscheiben eingedrückt und sind in der Dunkelheit tastend aus unserem Waggon rausgegangen“, sagte ein junger Mann. Mangels Leitsystem war der genaue Unfallort zunächst nicht auszumachen, berichtete der Sender ERT – die Rettungskräfte hätten die Stelle erst suchen müssen.

Zugunglück: Verkehrsminister zurückgetreten

Der griechische Verkehrsminister Kostas Karamanlis zog Konsequenzen und trat noch am Mittwochnachmittag nach einem Besuch der Unglücksstelle zurück. Wenn so etwas Tragisches passiere, sei es nicht möglich, so weiterzumachen als sei nichts geschehen, ließ er mitteilen. Er fühle sich verpflichtet, die Verantwortung für die Fehler des griechischen Staates zu übernehmen, sagte Karamanlis und drückte den Familien der Opfer nochmals sein Mitleid aus.

Zugbetrieb „wie in alten Zeiten“

Die griechischen Bahnen (Hellenic Train) werden von der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiano (FS) betrieben. Trotz der Modernisierung mit neuen Brücken und Tunneln und zwei Gleisen entlang der gesamten rund 500 Kilometer langen Strecke Athen-Thessaloniki gebe es erhebliche Probleme bei der elektrischen Koordination der Verkehrskontrolle.

„Wir fahren wie in alten Zeiten von einem Streckenteil zum anderen per Funk. Die Stationsleiter geben uns grünes Licht“, sagte Kostas Genidounias, Präsident der Gewerkschaft der Lokführer, im staatlichen Rundfunk. Warum dies geschieht und kein modernes Leitsystem funktioniert, konnte er nicht sagen.

Bahnarbeiter streiken wegen des Unglücks

Bahnarbeiter wollten am Donnerstag ganztägig streiken. Damit soll gegen die Vernachlässigung der Eisenbahnstrecken durch die Regierung protestiert werden, teilte die Gewerkschaft der griechischen Eisenbahner mit. Es fehle an Personal, besserer Schulung und moderner Sicherheitstechnologie. Auch die Angestellten der Athener U-Bahn kündigten an, am Donnerstag für 24 Stunden ihre Arbeit niederzulegen. Sie hätten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, erklärten sie.

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