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Anfang 2019 geriet Amazon-Chef Bezos in die Schlagzeilen: Ein US-Blatt habe ihm gedroht, intime Fotos und Chatverläufe mit seiner damaligen Affäre zu veröffentlichen. Wie die sensiblen Daten geklaut wurden, war lange nicht klar. Laut einem Medienbericht führt die Spur zum saudischen Kronprinz.

Das Smartphone von Amazon-Gründer Jeff Bezos wurde gehackt. Laut dem britischen „Guardian“ könnte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman dafür verantwortlich sein. Die US-Botschaft des Königreichs wies die Vorwürfe prompt zurück und bezeichnete sie als „absurd“. Sie fordert eine Untersuchung der Ereignisse.

Recent media reports that suggest the Kingdom is behind a hacking of Mr. Jeff Bezos' phone are absurd. We call for an investigation on these claims so that we can have all the facts out.

Daten von Bezos' Handy geklaut

Laut dem Medienbericht soll Bezos – der reichste Mann der Welt und Besitzer der „Washington Post“ – im Mai 2018 eine verschlüsselte Whatsapp-Nachricht erhalten haben. Die soll offenbar vom Konto des Kronprinzen gesendet worden sein. Untersuchungen ergaben, dass eine schadhafte Videodatei das Handy des Amazon-Chefs infiziert hat. Innerhalb weniger Stunden wurden daraufhin große Datenmengen von Bezos Handy heruntergeladen.

Amazon-Chef mit intimen Fotos erpresst

Falls der saudische Kronprinz hinter dem Hacker-Angriff stecken sollte, wäre das in mehrfacher Hinsicht brisant: Im Januar 2019 verkündeten Bezos und seine damalige Frau MacKenzie nach 25 Ehejahren ihre Trennung. Vorausgegangen war eine Veröffentlichung des „National Enquirer“. Das Blatt berichtete über eine außereheliche Affäre des Amazon-Chefs mit der ehemaligen TV-Moderatorin Lauren Sánchez.

In dem Bericht über Bezos und Sánchez fanden sich auch intime Textnachrichten und Fotos der beiden. Bezos versuchte daraufhin mit der Hilfe von Privatdetektiven herauszufinden, wie der „National Enquirer“ das private Material bekommen hatte.

Bezos warf der Illustrierten Erpressung vor: Das Blatt habe ihm gedroht, intime Fotos von ihm zu veröffentlichen, falls er die Ermittlungen nicht einstelle. Bezos ließ sich davon aber nicht einschüchtern und machte die Geschichte in einem Blogeintrag öffentlich.

Darin schrieb Bezos, dass er hinter der Erpressung ein politisches Motiv vermute. Der Amazon-Gründer ist auch Inhaber der „Washington Post“ – eine der einflussreichsten Tageszeitungen in den USA. Diese berichtete immer wieder kritisch über den US-Präsidenten Donald Trump und das Königreich Saudi-Arabien. Der Herausgeber des „National Enquirer“, David Pecker gilt als Vertrauter von Trump. Laut dem „Guardian“ habe Pecker auch eine „enge Beziehung“ zum saudischen Kronprinzen.

Zusammenhang zum Mordfall Khashoggi?

Die Herkunft des kompromittierenden Materials konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden. Falls der saudische Kronprinz wirklich das Handy von Bezos gehackt haben sollte, könnte ein möglicher Zusammenhang zu den intimen Nachrichten und Fotos untersucht werden.

Das könnte aber auch in einem anderen Fall Fragen aufwerfen: Der Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Er wurde im Oktober 2018 in der saudischen Botschaft in Istanbul ermordet – also nur wenige Monate nach dem Hacker-Angriff auf Bezos. Die saudische Regierung hatte zugegeben Khashoggi ermordet zu haben. Kronprinz bin Salman bestreitet aber bis heute, die Tötung angeordnet zu haben. Khashoggi hatte als Kolumnist für die „Washington Post“ gearbeitet.

„Relevante Hinweise“ im Fall Khashoggi

UN-Experten halten die Vorwürfe gegen den saudische Kronprinz für glaubwürdig. Sie fordern eine sofortige Untersuchung des Falls. Dabei müssten US- und andere relevante Behörden ermitteln, ob bin Salman persönlich in Versuche involviert sei, vermeintliche Gegner ins Visier zu nehmen. Das teilten die unabhängige Menschenrechtsberichterstatterin für willkürliche Hinrichtungen, Agnes Callamard, und ihr für Meinungsfreiheit zuständiger Kollege, David Kaye, mit.

„Die Information, die wir bekommen haben, deutet auf die mögliche Beteiligung des Kronprinzen an der Überwachung von Bezos hin“, schrieben Callamard und Kaye. Diese Hinweise seien für die Ermittlungen zum Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi relevant.

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