STAND
AUTOR/IN

Sind Mobilfunk-Masten gefährlich? Schädigt Handy-Strahlung das Erbgut? Und was ist eigentlich Radon? Viele Deutsche wissen nicht, welche Strahlenquellen gefährlich sind – und welche eher nicht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat mit einer repräsentativen Befragung untersucht, was Deutsche über die Risiken durch Strahlung wissen.

Das Ergebnis: Die Gefahren und die Wirkung von Atomkraftwerken und Mobilfunk (Handystrahlen) werden überschätzt. Über das krebserregende Gas Radon wissen hingegen nur wenige Bescheid.

Strahlung durch Kernkraftanlagen wird stark überschätzt

Die größte Angst hatten die Befragten vor Atomkraftwerken (AKW) und generell der Atomkraft: 74 Prozent der Studienteilnehmer äußerten sich besorgt über die Strahlung, die von den Kraftwerken ausgehe.

Dabei kommt von der Strahlung aus Atomkraftwerken beim durchschnittlichen Bürger quasi nichts an: Weniger als 0,01 Millisievert betrug 2016 laut einem Bericht des BfS die Strahlung aus nuklearen Anlagen, die eine Person im Laufe eines Jahres durchschnittlich abbekommt. Zum Vergleich: Allein die kosmische Strahlung, die Menschen in Deutschland jährlich abkriegen, beträgt schon 0,3 Millisievert – also mehr als das 30-fache.

Laut Bundesamt für Strahlenschutz lag 2016 die Strahlungsbelastung durch deutsche Kernkraftwerke immer deutlich unter den erlaubten Grenzwerten.

Luftaufnahme des Kernkraftwerks Philippsburg – manche fürchten Strahlenschäden (Foto: picture alliance/Uli Deck/dpa)
Kernkraftwerke können durch Unfälle die Umwelt für Jahrzehnte verseuchen. Im Regelbetrieb geht von ihnen aber keine große Strahlenbelastung aus. picture alliance/Uli Deck/dpa

Halbwissen über Handystrahlen und deren Wirkung

Beim Thema Mobilfunk zeigte die Studie des BfS recht widersprüchliche Einstellungen: Einerseits benutze fast jeder wie selbstverständlich digitale Geräte wie Smartphones und Tablets. Andererseits gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, dass sie über die Strahlung von Mobilfunk-Masten und Smartphones beunruhigt seien.

Auch gibt es zu dem Thema offenbar noch viel Halb- und Unwissen: Zum Beispiel war vielen Studienteilnehmern nicht klar, dass die stärkste Strahlenbelastung durch Mobilfunk direkt beim Telefonieren durch das Handy am Ohr entsteht. 60 Prozent der Befragten gingen stattdessen fälschlicherweise davon aus, dass Mobilfunk-Masten die größere Strahlenquelle seien.

Ebenfalls aus Sicht der Medizin falsch: die Behauptung, dass Handystrahlung das Erbgut schädigen könne. Jeder zweite hielt diese Theorie aber für wahr.

Strahlung im Alltag: Wie wirken Handystrahlen?

Durch Mobilfunk, Wlan, 5G & Co. werden sogenannte hochfrequente elektromagnetische Felder erzeugt. Diese elektromagnetischen Felder von Handystrahlen werden auch von menschlichen Körpern absorbiert. Das bedeutet, dass der Körper Energie aufnimmt. Die biologische Auswirkung: Der Körper erwärmt sich.

Über einen kurzen Zeitraum kann der menschliche Körper mit der zusätzlichen Wärme gut umgehen, heißt es in der Medizin. Langfristig sollte die Körpertemperatur aber nicht erhöht werden. Besonders wärmeempfindlich sind die Augen, das Gehirn und die Hoden.

Restrisiken bei Handystrahlung bleiben

Beim Telefonieren mit Handys entsteht – nach Messungen und derzeitigem Stand der Wissenschaft – nicht so viel Strahlung, dass der Körper sich gefährlich erwärmen und Schäden davontragen könnte. Also keine Schäden der Zellen oder des Gewebes durch Smartphones? Egal, in welcher Dosis sie aufgenommen werden?

Restrisiken sehen Forscher aber noch bei den Langzeitfolgen, vor allem für sehr intensive Handy-Nutzer. Und auch bei Kindern ist noch nicht ganz sicher, ob diese nicht auch empfindlicher für die Strahlenwirkung sein könnte.

Strahlung und Strahlenschutz ist ein riesen Thema - auch bei Mobilfunkmasten (Foto: picture alliance/Andreas Arnold/dpa)
Viele Deutsche sind besorgt über Strahlung durch Funkmasten. Doch die Belastung durch das Handy am Ohr ist viel größer. picture alliance/Andreas Arnold/dpa

Gefährliche Strahlen, aber unbekannt: Radon

Doch während die Strahlen von Handys und Atomkraftwerken vielfach überschätzt wird, ist die wohl gefährlichste Strahlenquelle in Deutschland offenbar kaum bekannt: Radon. Nur 23 Prozent der Befragten gaben in der BfS-Studie an, sich über die Belastung des Stoffes Radon in ihrer Umwelt – und mögliche Strahlenschäden – Sorgen zu machen.

Dabei ist Radon die größte Quelle für die jährliche Strahlenbelastung in Deutschland und außerdem die zweithäufigste Ursache für Erkrankungen wie Lungenkrebs, direkt nach dem Rauchen.

Gesundheitliche Folgen: Strahlung durch Radon in Gebäuden

Radon ist ein radioaktives Gas, das ganz natürlich im Boden entsteht und mit der Zeit nach oben steigt. Gefährlich wird Radon in Gebäuden, die einerseits nach unten nicht richtig abgedichtet sind und andererseits schlecht belüftet werden. Hier kann das Radon ins Haus gelangen und sich mit der Zeit ansammeln.

Weil man Radon weder sieht, noch riecht oder schmeckt, fällt den betroffenen Bewohnern nichts merkwürdiges auf. Doch durch das Einatmen des Gases gelangt Radon in die Lunge und kann dort Krebs verursachen. Fünf Prozent aller Lungenkrebsfälle werden auf eine zu hohe Radonbelastung zurückgeführt, ein Faktor für das Krebsrisiko.

Spitzkegelhalden unweit von Ronneburg - Hinterlassenschaften des jahrzehntelangen Abbaus von Uranerz im sächsisch-thüringischen Raum. (Foto: picture-alliance/ dpa)
In ehemaligen Uranabbau-Gebieten in Sachsen und Thüringen ist die Belastung durch Radon besonders hoch. picture-alliance/ dpa
STAND
AUTOR/IN

Meistgelesen

  1. Jeder für sich und doch zusammen Das war das große SWR3 Grillen mit Johann Lafer und Johannes Strate

    Johann Lafer und sein Promi-Assistent Johannes Strate haben für das leckere 4-Gänge-Menü alles gegeben. Gang für Gang könnt hier noch mal hinter die Kulissen schauen.  mehr...

  2. Baden-Baden

    Grillt mit Johann Lafer und Johannes Strate Das war das große SWR3 Grillen im Video-Livestream!

    Ihr wart live dabei als Johann Lafer und Johannes Strate sechs Stunden lang mit euch gegrillt. Es hat großen Spaß gemacht!  mehr...

  3. Das große SWR3 Grillen 2021 Die Rezepte für das 4-Gänge-Menü zum Nachkochen

    Jedes Jahr denkt sich Johann Lafer tolle Gerichte aus, die wir alle gemeinsam grillen. Wenn ihr das Event noch einmal erleben wollt, holt euch hier die Rezepte.  mehr...

  4. Das große SWR3 Grillen SWR3Land hat gemeinsam gegrillt – ihr saht toll aus!

    Obwohl jeder im kleinen Kreis bei sich zu Hause gegrillt hat, fühlte es sich doch an, als hätten wir alle gemeinsam zubereitet, gebraten und gegessen. Schön, dass ihr dabei wart und danke für eure tollen Bilder!  mehr...

  5. SWR3 Tatort-Check Der böse König: ein Ludwigshafen-Krimi wie aus dem Lehrbuch

    In Ludwigshafen liegt der Besitzer eines Kiosks brutal erschlagen in seinem Laden. Für Kommissarin Lena Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern kommen zwei Kunden als Täter infrage.  mehr...

  6. News-Ticker zum Coronavirus Lauterbach: EM-Pläne verantwortungslos

    Wegen der hohen Infektionszahlen gibt es in Deutschland zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen im öffentlichen Leben. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Corona-Ticker.  mehr...