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Hunderte Tote, eine abgebrannte Stadt und Temperaturen von fast 50 Grad. Die Hitzewelle in Nordamerika schockt – und hat laut einer neuen Studie stark mit dem Klimawandel zu tun.

Erst kam die Hitze, dann das Feuer. Vom kleinen Städtchen Lytton in Kanada ist nach verheerenden Waldbränden fast nichts mehr übrig geblieben. Praktisch die ganze Stadt ist den Flammen zum Opfer gefallen. Kurz zuvor hatte es in Lytton einen Hitzerekord nach dem anderen gegeben. Das Thermometer war bis auf 49,5 Grad geklettert. Ein nie dagewesener Wert.

Heatdome: Auch extreme Temperaturen im Nordwesten der USA

Auch im Nordwesten der USA gab es eine starke Hitzewelle. In Salem, der Hauptstadt von Oregon wurden 47,2 Grad gemessen – das ist der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1890. Experten sprachen von einem Heatdome, einer Hitzekuppel über dem Gebiet. Hunderte Menschen starben in Zusammenhang mit der Hitze. Für Europa war es der zweitwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, weltweit gemeinsam mit dem Juni 2018 der viertwärmste.

Hitzewelle in Nordamerika wäre ohne Klimawandel quasi undenkbar

Der Verdacht, dass die ungewöhnliche Hitzewelle auch mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte, drängt sich auf. Und eine neue Studie deutet auch stark darauf hin: Einer Gruppe von 27 Klimaforschern aus sieben Ländern zufolge, habe die durch Treibhausgase verursachte Erwärmung der Erde die Hitzewelle in Kanada und den USA 150 Mal wahrscheinlicher gemacht. Die Studie des Projekts World Weather Attribution (WWA) wurde allerdings noch in keinem Fachjournal veröffentlicht.

Ein Landwirt erntet Kartoffeln auf einem staubtrockenen Feld in der Region Hannover. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)

Klimaforscherin: "Wir müssen die Hitzewelle in Kanada als ganz starke Warnung verstehen"

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Es gibt absolut keinen Zweifel, dass der Klimawandel hier eine entscheidende Rolle gespielt hat

Solch eine extreme Hitzewelle kommt eigentlich nur alle 1.000 Jahre vor

Die Wissenschaftler verglichen die Temperaturen von Ende Juni und Anfang Juli mit historischen Daten seit dem Jahr 1800. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Hitzewelle selbst angesichts des derzeitigen Fortschritts beim Klimawandel ein Ereignis war, das wohl nur in einem von 1.000 Jahren vorkommen dürfte. Die beteiligte Forscherin Friederike Otto von der Uni Oxford sagte: „Was wir sehen, ist beispiellos. Es ist nicht normal, dass Wärmerekorde um vier oder fünf Grad Celsius gebrochen werden“.

Studie: Extreme Hitze könnte nun alle fünf bis zehn Jahre vorkommen

Laut der Studie könnten die außergewöhnlichen Vorkommnisse nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft – auch in nördlichen Breiten wie in Deutschland sein. Eine globale Erderwärmung um zwei Grad Celsius, die bei derzeitigen Emissionen in wenigen Jahrzehnten erreicht würde, könnte Ereignisse wie die Hitze in Nordamerika statt im Schnitt einmal in 1.000 Jahren alle fünf bis zehn Jahre geschehen lassen.

Wetterextreme in Deutschland: Für Versicherungsunternehmen wird es schon jetzt teuer

Während in den USA und Kanada die Hitze vorherrscht, kam es im Juni in Deutschland und auch bei uns im Südwesten zu Unwettern mit Starkregen und Hagel. Und die werden teuer. Deutsche Versicherer kostet das nach vorläufigen Schätzungen rund 1,7 Milliarden Euro. Hagelschlag und Starkregen hätten allein an Gebäuden einen versicherten Schaden von einer Milliarde Euro angerichtet, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes GDV. Es seien etwa 275.000 Autos beschädigt worden. Mit solchen Unwettern müsse man künftig häufiger rechnen, außerdem würden sie wahrscheinlich noch intensiver ausfallen.

SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 24. Mai, 0:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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