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Sie haben in hunderten Fällen Kinder auf einem Campingplatz missbraucht: Dafür müssen Andreas V. und Mario S. 13 und zwölf Jahre ins Gefängnis - mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Andreas V. muss 13 Jahre hinter Gitter, der Mitangeklagte Mario S. zwölf Jahre. Aber auch danach kommen sie nicht frei: Das Gericht ordnete Sicherungsverwahrung für die Männer an. Beide haben nach Ansicht des Gerichts Kinder in mehr als 200 Fällen schwer sexuell missbraucht.

An 32 Kindern sollen sich die beiden Männern über Jahre hinweg auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde vergangen haben. Einige der Kinder waren zu der Zeit noch im Kindergartenalter. Die meisten Taten sollen, so das Gericht, im Wohnwagen von Andreas V. passiert sein.

Pflegetochter als Lockvogel missbraucht

Bei dem Hauptangeklagten Andreas V. komme erschwerend hinzu, dass er immer weitere Opfer gesucht und auch seine Pflegetochter missbraucht und als Lockvogel eingesetzt habe, teilten die Richterin mit.

Eine Psychiaterin attestierte Andreas V. im Prozessverlauf, manipulativ zu sein. Außerdem sei er narzisstisch und antisozial - mit einer tief verwurzelten Neigung zum Kindesmissbrauch.

Missbrauch ging fast 20 Jahre lang

Andreas V. soll Kinder in 290 Fällen missbraucht haben. Seit 1999 sei auch Mario S. in mehr als 160 Fällen immer wieder zu Gast auf dem Campingplatz gewesen und habe sich dort an Mädchen und Jungen vergangen. Aber auch in seiner Wohnung in Steinheim bei Höxter soll er immer wieder Kinder missbraucht haben.

Hinzu kommt, dass die Männer ihre Taten filmten. Die Polizei stellte bei ihnen Tausende Bilder und Videos sicher. Auf allen Dateien war sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu sehen.

Nach erstem Urteil Revision angekündigt

Nach dem ersten Urteil im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch von Lügde am 17. Juli will die Staatsanwaltschaft in Revision gehen. Das Landgericht Detmold hatte den Angeklagten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Der Mann soll in den Jahren 2010 bis 2011 an mindestens vier Webcam-Übertragungen beim Missbrauch von Kindern teilgenommen haben. Laut Gericht, hat er in zwei Fällen den Mitangeklagten Andreas V. zum Missbrauch aufgefordert.

Kritik an Behörden

Polizei und auch Jugendämter stehen im Fall Lügde auch in der Kritik. Sie sollen Hinweisen auf den Hauptverdächtigen nicht nachgegangen sein. Bei den Ermittlungen gab es zudem Pannen - Beweismittel verschwanden spurlos. Der Landtag in Nordrhein-Westfalen hat deshalb einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

Nachdem der Fall bekannt wurde, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul das Thema zur Chefsache erklärt. Das Innenministerium in Düsseldorf hat Kindesmissbrauch und Kinderpornografie als "kriminalpolitischen Schwerpunkt" aller NRW-Polizeibehörden eingestuft. In den Kreispolizeibehörden sei das Personal für solche Fälle deutlich aufgestockt worden.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 28. Juli, 02:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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