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Juden, Christen und Muslime gehen normalerweise in Synagogen, Kirchen und Moscheen zum Gottesdienst. In Berlin soll das jetzt alles in einem gemeinsamen Haus möglich sein: dem „House of One“.

Der Dialog der Religionen ist ein hehres Anliegen. In Berlin macht man jetzt Ernst: Hier spricht man nicht nur miteinander, sondern zieht auch noch zusammen. Es ist quasi eine Religions-WG, allerdings werden bei diesem Begriff die Maßstäbe wohl noch nicht so ganz klar.

Ein großes Gebäude soll es werden, das eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche beherbergen wird. Der Sakralbau will damit sichtbar zur Verständigung zwischen den Religionen beitragen. Die drei abrahamitischen Religionen unter einem Dach – und das mitten in Berlin!

Für das „House of One“ wurde am Donnerstagvormittag in Berlin-Mitte der Grundstein gelegt. Es wird auf den Fundamenten der alten Petrikirche errichtet, die 1964 wegen Kriegsschäden abgerissen worden war.

Mai 2021  Rendering Kuehn Malvezzi House of One  Petriplatz, Berlin (Foto: Davide Abbonacci)
So soll es mal aussehen, wenn es fertig ist: 3D-Rendering des „House of One“. Davide Abbonacci

Grundsteinlegung am Petriplatz in kleinem Rahmen

Die feierliche Grundsteinlegung fand pandemiebedingt mit begrenzter Gästezahl statt und wurde live im Internet gestreamt. Das „House of One“ repräsentierten die Initiatoren Pfarrer Gregor Hohberg, Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sanci. Unter anderem wurden der Architektenentwurf sowie Grußbotschaften aus aller Welt in eine Kapsel für den Grundstein eingelassen, die später auch vermauert werden soll.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sprach von einem Ort der Toleranz und Offenheit. Der Dialog zwischen den Religionen sei wichtig. Er prangerte zudem Fanatismus und Gewalt an.

Ursprünglich sollte die Grundsteinlegung am 14. April 2020 stattfinden, am 237. Jahrestag der Erstaufführung von Lessings „Nathan der Weise“. Das Stück mit seiner „Ringparabel“ steht bis heute für Aufklärung und Toleranz zwischen den Religionen.

Für ein Miteinander von Juden, Christen und Muslimen

Den Stein ins Rollen brachte die evangelische Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien, die sich mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, dem Rabbinerseminar Abraham-Geiger-Kolleg und der muslimischen Dialoginitiative Forum Dialog e.V. zusammentat. Da die Initiative von Vertretern der Religionen selbst ausging, gilt das Projekt in dieser Art bislang als weltweit einzigartig.

Seit 2011 feilen die Initiatoren bereits an der Verwirklichung ihrer gemeinsamen Vision. Noch im selben Jahr verabschiedeten sie eine Charta, um die theologischen Grundlagen und Leitlinien ihres Konzepts festzulegen.

Auf dem Petriplatz, dem Gründungsort der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln, entsteht etwas Neues: ein neues Bauwerk, ein Bet- und Lehrhaus, in dem öffentlich und für jeden frei zugänglich Juden, Muslime und Christen ihre Gottesdienste feiern und unter Einbeziehung der mehrheitlich säkularen Stadtgesellschaft einander kennenlernen, den Dialog und Diskurs miteinander suchen: ein Haus des Gebets und zugleich ein Haus der interdisziplinären Lehre über die Religionen, ihre Geschichte und ihre gegenwärtige Rolle in Berlin und im Land.

Gewaltlosigkeit, Solidarität, Respekt und Gleichberechtigung sind dabei die Kernelemente, die einen friedvollen Umgang miteinander gewährleisten sollen.

שלום ✡ Friede✝ سلام ☪️ Eine große #Chance für ein friedvolles Miteinander aller Menschen ... Egal welcher Religion oder Nationalität. DIE WELT IST BUNT UND SOLL ES BLEIBEN. Danke @House_of_One_DE #HouseofOne Live: https://t.co/MDDrgIuD7N

„House of One“ soll 2024/2025 fertig sein

2012 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, 2016 eine Stiftung als Projektträgerin gegründet. Das Gebäude aus gelben Sandsteinziegeln und mit einem 42 Meter hohen Turm soll ab 2024/2025 bezugsfertig sein. Darin werden drei separate Gebetsräume – Synagoge, Kirche und Moschee – verbunden durch einen zentralen Raum der Begegnung, den Kuppelsaal.

House of One - Schnittperspektive (Foto: Kuehn Malvezzi, House of One)
Querschnitt durch die Architektur des „House of One“. Kuehn Malvezzi, House of One

Die Baukosten werden mit 47,3 Millionen Euro veranschlagt. Davon trägt der Bund 20 Millionen Euro, das Land Berlin steuert zehn Millionen Euro bei. Spenden aus über 60 Ländern und weitere Zuwendungen erbrachten bislang zehn Millionen Euro. Rund sieben Millionen Euro will die Stiftung noch einwerben.

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