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Die Bundesregierung bekräftigt nach dem Impfgipfel, dass bis Ende des Sommers jeder Deutsche ein Impfangebot bekommen solle – auch Jugendliche.

Die Bundesregierung erwartete nach dem Impfgipfel am Donnerstag, dass die Zulassung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder von 12 bis 15 Jahren bald erfolgen könnte. Am Freitag war es schon soweit. Ursprünglich wollte die Behörde erst im Juni über die Zulassung entscheiden.

Europa

Corona-Impfung EMA gibt Biontech/Pfizer-Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren frei

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat entschieden: Sie empfiehlt den Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.  mehr...

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war sich nach dem Impfgipfel sicher: Wenn es eine EMA-Zulassung gebe, werde es auch in absehbarer Zeit eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben. Das habe der Chef der Stiko beim Impfgipfel deutlich gemacht. Die Kinder und Jugendlichen könnten sich dann ab 7. Juni um einen Termin bemühen. Dann wird die Impfpriorisierung aufgehoben.

„Noch viel Luft“ im Wissen über Risiken

Die Ständige Impfkommission (Stiko) weist darauf hin, dass das Risiko einer Impfung bei jüngeren Altersgruppen noch nicht ausreichend erforscht ist. Zwar liefen ersten Studien in den USA, aber mit zu wenigen Probanden, um ein vollständiges Bild zu erhalten, so Kommissionsmitglied Rüdiger von Kries im ARD extra zur aktuellen Corona-Lage.

Von Kries verwies auf das Beispiel der Impfung gegen die Schweinegrippe, wo als Spätfolge die Nebenwirkung der Narkolepsie aufgetreten war. So etwas müsse vermieden werden.

Dafür? Dagegen? Pro und Kontra – Coronaimpfung bei Kindern

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Intensivmediziner gegen schnelle Impfung von Jugendlichen

Die Intensivmediziner in Deutschland sehen eine Impfung junger Menschen kritisch. „Kinder erkranken häufig asymptomatisch oder im Verlauf harmlos und haben deshalb derzeit bei knappen Impfstoffkapazitäten keine dringliche Indikation für eine Impfung“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Florian Hoffmann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mit Blick auf die Belegung der Intensivbetten sollten weiterhin erwachsene Patienten höchste Priorität bei den Impfungen haben, erklärte er.

Schulbetrieb unabhängig von Impfungen

Ein sicherer Schulbetrieb werde auch in Zukunft völlig unabhängig davon sein, ob ein Kind geimpft ist oder nicht, betonte Kanzlerin Merkel nach dem Gipfel. Das gelte auch für Fahrten in den Urlaub, sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland, wo auch Tests ausreichen würden.

Wir bekräftigen noch einmal unsere Aussage vom Impfgipfel am 11. Februar, dass bis zum Ende des Sommers jedem Bürger und jeder Bürgerin ein Impfangebot gemacht wird. Das schließt auch diejenigen ein, die jetzt zusätzlich wahrscheinlich einbezogen werden können, nämlich die 12- bis 16-jährigen Kinder.

Trotz der klaren Aussage von Kanzlerin Merkel warnte Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor wachsendem politischen und gesellschaftlichen Druck auf Eltern. Außerdem sehe er die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen als unzureichend für eine Empfehlung an.

Merkel: Mehr als 41 Prozent der Menschen in Deutschland einmal geimpft

Die gemeinsame Impfkampagne von Bund und Ländern hat laut Merkel an Fahrt aufgenommen, sagte sie bei der Pressekonferenz nach dem Impfgipfel: 35 Millionen Deutsche, also 41,5 Prozent der Bevölkerung, seien mindestens einmal geimpft. 13 Millionen, also 15,7 Prozent, seien vollständig geimpft.

Die Impfpriorisierung für Ältere und Vorerkrankte habe zudem zu einer deutlichen Reduzierung schwerer Erkrankungen geführt.

Wie viel Impfstoff wird geliefert?

Aus Unterlagen des Bundesgesundheitsministeriums geht hervor, dass im Juni in Deutschland voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert werden. Voraussichtlich knapp 6,4 Millionen Impfdosen wolle der Bund den Ländern für die Impfung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, dass auch wenn Kinder und Jugendliche geimpft werden können, trotzdem insgesamt nicht mehr Impfstoff verfügbar sei.

Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna lieferten sehr zuverlässig und würden ihre Liefermengen einhalten, teilte Merkel mit. Allein bei Johnson und Johnson lägen noch beträchtliche Mengen Impfstoffdosen in den USA, da diese noch von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA geprüft werden müssten.

Dreyer: Impfung von Kindern ermöglichen

Auch Rheinland-Pfalz will Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren Corona-Impfungen ermöglichen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern, allen solle bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden. Voraussetzung sei, dass die EMA den Impfstoff von Biontech zulasse. „Eltern, die sich dann für die Impfung ihrer Kinder entscheiden, sollten sich von einem niedergelassenen Arzt beraten und auch dort die Impfung vornehmen lassen“, sagte Dreyer. Sie dämpfte zugleich die Hoffnung auf zusätzlichen Impfstoff für diese Gruppe. Ein Sonderkontingent werde es nicht geben.

Auch in Baden-Württemberg: Impfungen für Kinder und Jugendliche ab dem 7. Juni

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sollen sich auch in Baden-Württemberg ab 7. Juni um einen Corona-Impftermin bemühen können, insbesondere in Praxen. Das stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach dem Impfgipfel Aussicht.

Ein sicherer Schulbetrieb soll unabhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot wahrnehmen, gewährleistet werden. Baden-Württemberg hatte vor dem Impfgipfel betont, noch vor den Sommerferien mit den Corona-Impfungen bei Schülerinnen und Schülern beginnen zu wollen.

Kein neuer Verteilschlüssel für Impfstoffe

Baden-Württemberg hatte sich beim Bund zudem über die Verteilung des Corona-Impfstoffes auf die Bundesländer beschwert. Man habe bis einschließlich vergangener Woche rund 95.000 Dosen Impfstoff weniger bekommen, als dem Land gemäß Bevölkerungsschlüssel zustünden, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums am Donnerstag mit. Dies gehe aus einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts hervor.

An dieser Verteilung des Impfstoffs auf die Bundesländer soll sich laut Kretschmann aber nichts ändern. Darüber sei in der Runde während des Impfgipfels nicht debattiert worden.

Impfzertifikat in digitaler Form

Für ein digitales Impfzertifikat lägen jetzt die rechtlichen Regelungen vor, so Merkel. Man werde es als unabhängige App oder eingebettet in die Corona-Warn-App anbieten.

Das könne jeder selbst wählen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gehe davon aus, dass die Angebote bis Ende Juni, Anfang Juli zur Verfügung gestellt werden können. Die rechtlichen und technischen Voraussetzungen seien getroffen worden und erste Tests liefen schon, teilte Merkel mit.

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