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Björn Widmann (Foto: SWR3)

Beim Aufziehen der Spritzen für die Impfung ist einer Mitarbeiterin ein Fläschchen Biontech-Impfstoff heruntergefallen. Statt das zu melden, hat sie eine folgenschwere Entscheidung getroffen.

Ein unglaublicher Vertuschungsversuch sorgt in Niedersachsen für Aufsehen: Dort hat eine Mitarbeiterin im Impfzentrum im Landkreis Friesland ein Fläschchen Corona-Impfstoff von Biontech herunterfallen lassen. Statt das zu melden, hat sie den Impfstoff in sechs Spritzen durch Kochsalzlösung ersetzt.

Die Mitarbeiterin hat mittlerweile zugegeben, dass sie Kochsalzlösung aufgezogen hat. Für die sechs Menschen, die statt des Impfstoffs die Kochsalzlösung bekommen haben, besteht zumindest keine Gefahr – die Flüssigkeit ist harmlos. Trotzdem muss der Kreis Friesland jetzt herausfinden, welche sechs Impflinge nochmal mit dem echten Impfstoff behandelt werden müssen.

Frieslands Landrat: „Bin zutiefst schockiert“

Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) sagte, der Fall sei für ihn zutiefst schockierend. Nach dem der Betrug aufgeflogen sei, habe er sofort ein Vier-Augen-Prinzip im Impfzentrum Friesland eingeführt. „Niemand wird mehr mit einem Impfstoff allein gelassen, dass solche Vertuschungen nicht mehr möglich sind.

Mittlerweile hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und untersucht den Vorfall. Der Verdacht: mögliche Körperverletzung. Die Mitarbeiterin, die die falschen Spritzen aufgezogen hat, ist von Beruf Pflegefachkraft. Das DRK teile mit, die Frau sei umgehend entlassen worden.

Frau erzählt Kollegin von Impfstoff-Betrug

Aufgeflogen ist die Mitarbeiterin, nachdem sie einer Kollegin von ihrer Tat erzählt hat. Sie war am vergangenen Mittwoch in der Frühschicht und sollte die Impfspritzen vorbereiten. Beim Mischen des Impfstoffs mit Kochsalzlösung sei ihr dann eines der Fläschchen heruntergefallen.

Die Kollegin der Frau informierte sofort ihre Vorgesetzten. Ein Polizeisprecher sagte nach dem Verhör, die Frau habe vollständig ausgesagt: „Sie wirkte sehr authentisch und sehr betroffen.“ Trotzdem bleibt unklar, warum die Frau ihr Missgeschick vertuschen wollte. Das fragen sich auch viele Twitter-Nutzer.

Meine Güte, was herrscht denn beim DRK Jeverland für ein Betriebsklima, dass eine Mitarbeiterin, der eine Ampulle runterfällt, aus Angst dieses Missgeschick vertuscht. https://t.co/6wUy4OVv6r

@MelGibbon123 Eine einzige verschissene Ampulle von wieviel Milliarden? Warum hat sie nicht einfach "Ups, mir ist eine kaputtgegangen." gesagt? #Kochsalzloesung #Impfzentrum #Friesland

@NDRnds Ja, die Reaktion der MA war unzweifelhaft falsch. Der Betreiber sollte vielleicht Mal überlegen, wie es mit der Fehlerkultur, Vertrauen und Betriebsklima bestellt ist. Dort scheint mir die Ursache für dieses Verhalten zu liegen. #CoronaImpfung #Impfzentrum #Friesland

200 Geimpfte bekommen Antikörpertest

Jetzt beginnt die aufwändige Suche nach den sechs Impflingen, die statt ihrer Corona-Schutzimpfung wirkungsloses Kochsalz gespritzt bekamen. Dazu bietet das Impfzentrum Friesland den 200 Menschen, die am 21. April zwischen 8:00 und 13:00 Uhr geimpft wurden, einen Antikörpertest an. Wenn alle daran teilnehmen, können die sechs ungeschützten Patienten sich am 12. Mai dann mit dem echten Impfstoff behandeln lassen.

Das Tragische an dem Fall: Hätte die Mitarbeiterin ihren Unfall sofort gemeldet, wäre das kein Problem gewesen. Impfzentrum-Chef Uwe Nitsche sagte, es hätten keine Impfberechtigten nach Hause geschickt werden müssen, weil es immer kurzfristige Stornierungen gebe. Deshalb sei immer genug Impfstoff vorhanden.

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