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Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Bald soll der große Impfschub kommen, doch noch ist davon nichts zu spüren: Das Impftempo stagniert, selbst in Prio-Gruppe 1 warten noch viele auf ihre Impfung. Wie es im Südwesten aussieht.

Kurz bevor die Hausärzte mit einsteigen sollen, geht es beim Impfen in Deutschland nach wie vor langsam voran: Auch eine knappe Woche nach dem vorübergehenden Ende des Impfstopps für das Präparat von Astrazeneca ist noch nicht in allen Bundesländern das Onlinebuchen für Impftermine wieder freigeschaltet worden. So geht es in Baden-Württemberg erst am Freitag (26.3.) weiter.

Von Land zu Land ist es obendrein unterschiedlich, wie viel von dem gelieferten Serum bisher tatsächlich verimpft wurde – und in welchem Umfang die Hochbetagten bereits geschützt sind oder noch auf Impftermine warten.

BW: Viele Über-80-Jährige haben immer noch keine Corona-Schutzimpfung

Gerade die Hochbetagten – die Prio-Gruppe 1 – von denen viele glauben, sie müssten ja langsam mal „durchgeimpft“ sein – ist dabei noch erstaunlich schlecht versorgt: In Baden-Württemberg sind es laut Robert-Koch-Institut erst 59,1 Prozent, die überhaupt eine Impfung bekommen haben. Das sind nicht einmal zwei Drittel. Und erst 39 Prozent haben auch die Zweitimpfung bekommen.

Das Ländle liegt damit auf einem der ganz hinteren Plätze: Nur Mecklenburg liegt mit 50 Prozent Erstimpfungen in Gruppe 1 noch darunter. Laut Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sollen bis Ende März diejenigen aus der Gruppe 1 geimpft werden, die bereits auf der Wartelisten stehen.

RP: Zwei Drittel der Über-80-Jährigen gegen Corona geimpft

Allerdings muss man zur Verteidigung der Landesregierung sagen: In Baden-Württemberg ist schon seit Mitte Februar das pädagogische Personal in Schulen und Kindertagesstätten impfberechtigt, was möglicherweise auf Kosten der Durchimpfung der Gruppe 1 geht.

In Rheinland sind immerhin 65,7 Prozent (Erstimpfung), beziehungsweise 35,3 Prozent (Zweitimpfung) geimpft. Deutschlandweit an der Spitze liegt das Saarland mit 73,3 Prozent Erst- und 33,7 Prozent Zweitgeimpften in dieser Altersgruppe.

Laut Robert Koch-Institut wurden am Dienstag rund 268.000 Impfdosen an einem Tag verabreicht – vier Tage nach dem Ende des knapp viertägigen Astrazeneca-Impfstopps. Am Dienstag vor dem Impfstopp waren es 248.000 Dosen gewesen, am Freitag vor dem Stopp 304.000 Dosen.

Nix „Halde“: Zwischen 70 und 80 Prozent der Lieferungen sind verimpft

Anders als bei den Hochbetagten sieht es bei der Frage aus, wie viel Prozent des gelieferten Impfstoffs die Länder bereits unters Volk gebracht haben. Da liegen beide Südwestländer in etwa im Mittelfeld:

So hat Baden-Württemberg 2,08 Millionen Dosen bekommen - gespritzt wurden 1,52 Millionen. Das sind 73,1 Prozent. Nach Rheinland-Pfalz gingen mehr als 0,77 Millionen Impfdosen - 0,6 Millionen wurden verimpft, also 77,9 Prozent.

In den Ländern sind dadurch Millionen noch nicht gespritzte Impfdosen vorhanden. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach aber am Mittwoch von „Falschmeldungen zu 'Impfdosen auf Halde'“. Er erläuterte, die Impfdosen im Lager müssten für bereits vereinbarte Termine oder Zweitimpfungen zur Verfügung stehen.

Baden-Württemberg impft auch über Ostern weiter

Eine Sprecherin des Sozialministeriums in Baden-Württemberg sagte derweil, auch über Ostern werde grundsätzlich geimpft - je nach verfügbarem Impfstoff.

Dass einzelne Zentren Termine auf die anderen Wochentage verteilen und etwa an Ostern schließen, sei zwar möglich, in dem Fall dann aber auf zu wenig Impfstoff zurückzuführen.

In der Woche nach Ostern sollen nach einem Bund-Länder-Beschluss von vergangener Woche auch die Hausärzte flächendeckend in die Corona-Impfkampagne einsteigen, allerdings zunächst nur mit knapp einer Million Dosen in der Woche, rund 20 Dosen für jede Praxis. Die Lieferungen sollen nach Ostern dann aber Schritt für Schritt deutlich ansteigen. Im April sollen laut Bundesgesundheitsministerium bis zu 15,3 Millionen Dosen Impfstoff geliefert werden - nur 4,5 Millionen weniger als im gesamten ersten Quartal.

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