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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Was denkt Russlands Kriegsherr Wladimir Putin? Autorin Katja Gloger hat versucht, es zu erklären.

Die Ukrainer halten durch, Russlands Vormarsch hängt fest, die Sanktionen tun jetzt schon weh, die mächtigen Oligarchen sind auf einmal kleinlaut und der Rubel fällt und fällt. Bringt das Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum Umdenken? Wohl kaum, glaubt Katja Gloger.

Die Journalistin und Buchautorin („Putins Welt“) hat den Machthaber als erste westliche Journalistin über Monate begleitet. Der Präsident – mittlerweile eine Mischung aus Zar und Diktator – wähne sich auf einer „historischen, nahezu heiligen Mission“, sagt Gloger im Interview mit SWR3-Reporter Kristof Kien.

Hier könnt Ihr das ganze Interview mit Katja Gloger hören:

Autorin Katja Gloger (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Nachrichten „Vor Besuchern hält er lange, anklagende Monologe“

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Putin zeigt, dass er „weit weg“ ist

Gloger glaubt, dass Putin mittlerweile „weit weg“ sei. Weit weg von allen, die ihm noch widersprechen könnten oder wollten. Weit weg vom Westen – man sehe es an den endlos langen Tischen, an denen er Politiker wie Scholz oder Macron empfange.

Putins Ukraine-Krieg gilt auch dem Westen

Sein eigentliches Kriegsziel sei nicht nur die Eroberung der Ukraine, sagt Gloger. Der Krieg gelte auch dem Westen. Er und die Leute in seiner Umgebung, die ihn seit Jahrzehnten stützten, glaubten, dass jetzt die Zeit der großen Auseinandersetzung und Abrechnung mit dem angeblich „dekadenten“ Westen gekommen sei. Der will Russland zerstören, glaube Putin, der jetzt sogar mit der russischen Atom-Armada droht.

Bei Gesprächen halte er lange, anklagende Monologe, gespickt mit geschichtlichen Zitaten und Details, um den angeblichen Verrat des Westens an Russland zu belegen. Sein Ziel sei, das groß-russische Imperium des 19. Jahrhunderts wieder herzustellen.

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Putin will „neutralen“ Status für die Ukraine

Kreml-Chef Wladimir Putin verlangt einen „neutralen“ Status für die Ukraine. Moskau gibt an, sich durch die Nato-Osterweiterung bedroht zu fühlen. Selenskyj äußerte sich enttäuscht über die Nato. „Das Bündnis hat Angst vor allem, was kontrovers ist, und vor einer Konfrontation mit Russland“, beklagte Selenskyj in dem ABC-Interview. Er wolle nicht der Präsident eines Landes sein, das auf Knien um einen solchen Beitritt bettele.

BND: Putin liest nur noch historische und ideologische Schriften

Die Aussagen Glogers bestätigt auch der deutsche Auslandsgeheimdienst. Dem BND zufolge hat sich Putin in den vergangenen Monaten zunehmend zurückgezogen. Er soll vor allem historische und ideologische Schriften lesen und auch eigene Traktate verfassen. Mit innen- oder wirtschaftspolitischen Angelegenheiten habe er sich kaum noch befasst.

Fritz Pleitgen: Habe Putins Gefährlichkeit unterschätzt

Die Frage ist: Warum haben viele so lange nicht gesehen, welches Spiel Putin spielt? Dass er andere Länder angreift, wie Georgien oder zuvor schon die Ukraine? Dass russische „Medien“ und Trolle in Europa hetzen und spalten und dass Moskau gezielt rechtsradiale Gruppen und Parteien unterstützt?

Der langjährige ARD-Russland-Korrespondent Fritz Pleitgen sagt, er habe die Gefährlichkeit Putins unterschätzt. „Ich war fahrlässig“, räumte der 83-Jährige in einem Podcast des Redaktionsnetzwerks Deutschland und des Kölner Stadt-Anzeiger ein.

„Auch ich habe nicht geglaubt, dass er die Skrupellosigkeit besitzt, einen Krieg anzufangen und einen friedfertigen Nachbarn wie die Ukraine zu überfallen.“ Pleitgen war zur Zeit des Kalten Kriegs ARD-Korrespondent in Moskau, Ost-Berlin und Washington.

Kölner Stadt-Anzeiger: Ex-WDR-Intendant und Russland-Kenner Fritz Pleitgen gesteht Fehler in der Einschätzung von Wladimir Putin ein - "Die Ukraine in die EU aufzunehmen, wäre ein Akt der politischen Vernunft." https://t.co/JkOqG8e9BW #Köln

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