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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)

Nicht zu Hause nachmachen! In der Nacht vor dem berühmten Holi-Fest findet in einem indischen Dorf ein geheimnisvolles und gefährliches Ritual statt – angeblich seit mindestens 600 Jahren. Der Fotograf Adam Gray hat es jetzt in Bildern festgehalten.

Der 8. März ist in Indien der Tag des Holi-Fests: Alle feiern ab wie bei uns an Weihnachten und Silvester zusammen. Es gibt Geschenke und süße Mandelmilch mit frischer Cannabis-Paste. Feinde verzeihen einander, alle sind ausgelassen und fremde Menschen knallen sich auf der Straße gegenseitig Farbpulver ins Gesicht.

Feuer und Farben zum Holi-Fest: Indien feiert den Sieg des Guten über das Böse

Man feiert den Beginn des Frühlings – und den Sieg des Guten über das Böse. Der wird dargestellt durch das Überleben des mythischen Helden Prahlada, der von Gott Vishnu aus dem Feuer gerettet wird.

Kurz vor dem Feuer-Lauf: Priester Monu Panda (2. von links) bereitet sich im Dorf-Tempel auf das Ritual vor. Einen Monat lang hat er zuvor gefastet. (Foto: IMAGO, IMAGO / SWNS)
Kurz vor dem Feuer-Lauf: Priester Monu Panda (2. von links) bereitet sich im Dorf-Tempel auf das Ritual vor. Einen Monat lang hat er zuvor gefastet. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Volle Konzentration: Vor dem Ritual umkreist der vermeintliche Nachfahre von Halbgott Prahlada den kleinen Dorf-Tempel. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Der Scheiterhaufen wird entzündet. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Die Spannung bei den Zuschauern steigt. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Monu Panda läuft mit schnellen Schritten los: Der Priester scheint selbst ein Teil der Flammen zu werden. Etwa acht Meter ist der lodernde Scheiterhaufen breit, den er überqueren muss. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Fast geschafft: die letzten Schritte durchs Feuer. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Unverletzt: der Priester (Mitte) nach dem Feuerlauf. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Die Menschen in Falen glauben: In ihrem Dorf hat sich die uralte Geschichte des Helden Prahlada und seiner Rettung aus den Flammen durch den Gott Vishnu zugetragen. IMAGO / SWNS Bild in Detailansicht öffnen
Am nächsten Tag: Ganz Indien feiert das Holi-Fest mit Farben, Süßigkeiten und ausgelassener Stimmung. IMAGO / ZUMA Wire Bild in Detailansicht öffnen

Vom eigenen Vater verfolgt – von Vishnu gerettet

Die Vorgeschichte: Prahladas dämonischer Vater Hiranyakashipu hat laut dem Hindu-Glauben seine böse Schwester Holika beauftragt, seinen Sohn Prahlada zu verbrennen. Der hat sich nämlich geweigert, den Vater anzubeten, und verehrt stattdessen Vishnu.

Vishnu rettet Prahlada und lässt stattdessen Holika verbrennen. Der Jüngling Prahlada entspringt dem gewaltigen Feuer unversehrt.

Die Menschen im Dorf glauben: Hier hat die Rettung von Prahlada stattgefunden

Diesen Moment, in dem Prahlada durchs Feuer in die Freiheit läuft, zelebriert ganz Indien am Abend vor dem Holi-Fest mit großen brennenden Scheiterhaufen. Das Dorf Falen in Nordindien aber geht buchstäblich ein paar Schritte weiter (siehe Bildergalerie). Hier seht ihr das Ritual auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2017:

Kleines indisches Dorf soll Schauplatz des Götter-Mythos gewesen sein

Der Grund dafür liegt weit in der Vergangenheit: Die Menschen in Falen glauben, dass die Geschichte von Prahlada und Holika in grauer Vorzeit mitten bei ihnen im Dorf stattgefunden hat. Und mehr noch: Die leitende Priesterfamilie von Falen geht davon aus, dass sie von dem Halbgott Prahlada selbst abstammt.

Das mag soziale Vorteile bringen. Allerdings muss Jahr für Jahr einer von ihnen durchs Feuer, um Prahladas Abenteuer nachzuspielen. In diesem Jahr hat es den Priester Monu Panda getroffen. Doch wie man sieht: Auch ihn hat Vishnu offenbar beschützt.

In diesem Tweet seht ihr noch mehr „Holi“-Fotos von Adam Gray:

Holi lot of fun #streetphotography #photojournalism #Holi2023 #holi #india pic.twitter.com/NdY1NTmaJe

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