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AUTOR/IN
Alina Surawicz
Portraitfoto von Alina Surawicz (Foto: DNA Creative Collective / Niko Neithardt)
Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)
INTERVIEW
Jens Grotegut

Joko und Klaas haben ihre Instagram-Accounts zwei Iran-Aktivistinnen zur Verfügung gestellt. Mit der Aktion möchten die beiden Moderatoren die Proteste gegen die Regierung im Iran unterstützen. Aber bringt das auch was?

Die Aktion haben die beiden vergangenen Mittwochabend bei Joko und Klaas 15 Minuten live verkündet und direkt umgesetzt. Auf Instagram haben sie alle alten Posts gelöscht, damit dort nur noch Inhalte der Iran-Aktivistinnen hochgeladen werden können. Innerhalb einer Woche haben die beiden Accounts mehrere hunderttausend Follower dazugewonnen: Klaas hat mittlerweile eine Million Follower, Joko hat 1,4 Millionen Follower.

Ist die Aktion von Joko und Klaas hilfreich?

Susan Zare, Journalistin mit iranischen Wurzeln, verfolgt die Aktion der beiden, seitdem die Accounts nun zwei Iranerinnen gehört. Sie sagt im SWR3-Interview:

Es geht darum, dass wir Reichweite haben. [...] dass die beiden nun ihre Millionen-Reichweite nutzen, ist super und hilft der Sache enorm weiter.

Es sei wichtig, dass die Menschen im Iran gehört und gesehen werden. Ob die Aktion von Joko und Klaas eine Promoaktion war, ist der Journalistin egal, denn die Aufmerksamkeit für alle Iranerinnen und Iraner, die unter dem Regime leiden müssen, sei viel wichtiger. Die Auflagen des iranischen Staates verhindern, so Zare, dass Informationen, Bilder und Videos an die Öffentlichkeit gelangen. Bilder der rohen Gewalt seien der Journalistin in Erinnerung geblieben: Menschen, die unbewaffnet auf den Straßen im Iran unterwegs sind und durch das Regime angegriffen wurden. Aber auch der Mut der dort lebenden Menschen, die sich gegen das Regime stellen, beeindrucke Susan Zare sehr.

Was bringt die Aktion den Leuten im Land?

Jeden Tag wird über die beiden Accounts von Joko und Klaas versucht, die Menschen außerhalb des Irans daran teilhaben zu lassen, was dort geschieht, sagt Zare. „Es ist toll, dass neue Videos, Bilder und Informationen jetzt über so eine Reichweite gestreut werden, denn das ist es, was es gerade braucht“, sagt Susan Zare. Das Internet wurde auch 2019 bei Protesten gedrosselt, sodass die Informationen nur schwer aus dem Land nach draußen getragen werden konnten. Doch es sei enorm wichtig, dass auf der Welt gesehen wird, was das Regime im Land gerade macht.

Auch andere Menschen geben ihre Accounts gerade ab, sodass Menschen aus dem Iran diese Plattformen nutzen können. Und das bekommen die Menschen vor Ort auch mit: „Ich höre immer wieder, dass sie sagen, das macht ihnen nicht nur Mut einerseits, sondern es hilft auch.“ Wenn im Iran gerade jemand festgenommen wird, so Zare, sei es schwieriger für das Regime, die Person einfach so verschwinden zu lassen, wenn sie in den sozialen Netzwerken bereits eine Reichweite hat. So sei es wichtig, sowohl Einzelpersonen als auch das große Ganze zu unterstützen, indem man die Inhalte weiter teilt, so die Journalistin im SWR3-Interview.

Instagram-Accounts für Iranerinnen: Das Netz feiert Joko & Klaas

Im Netz kommt die Aktion der beiden Entertainer super an. Joko und Klaas bekommen viel Zuspruch dafür, dass sie den Frauen im Iran so viel Gehör verschafft haben. Benny Illinger schreibt auf Twitter, die Aktion sei „nur groß“.

Du kannst oft nebenbei die Iran-Proteste kurz erwähnen. Aber Joko & Klaas richten ihre Aufmerksamkeit zur Primetime auf die iranischen Revolution, weil es die Welt seit 40 Tage leider nicht tat. Nur groß. #JKLive https://t.co/24THTeYbEI

Clara ist Joko und Klaas sehr dankbar dafür, dass sie sich für die Rechte von Frauen einsetzen.

ich glaub viele verstehen gar nicht wie absolut wertvoll es für einen selber als frau ist zu sehen, dass joko und klaas sich jetzt schon mehrmals für frauen und die betreffenden missstände eingesetzt haben und ihnen immer wieder eine bühne bieten 🫶🏼 #JKLive

Lara musste sogar ein paar Tränen vergießen, schrieb sie bei Twitter: „Ihr seid der Wahnsinn. Ich weine. Danke.

Und genau deswegen ist es so wichtig, dass Joko und Klaas immer wieder diese 15 Minuten gewinnen. Für solche Messages. Danke, dass es euch so wichtig ist laut zu werden und nicht zu schweigen. Ihr seid der Wahnsinn. Ich weine. Danke. #JKLive

Auch Steffen Zander lobt die Aktion, die den mutigen Iranerinnen eine laute Stimme gibt:

Joko und Klaas nutzen Ihre 15 Minuten für alle mutigen Iranerinnen und Iraner, die für Ihre Freiheit kämpfen. Eine mutige feministische Bewegung. Ich bin tief beeindruckt und hoffe das viele Menschen davon Kenntnis gelangen.. #JKLive

Jokos Insta-Account: Wer postet dort ab sofort?

Das Profil hat Azam Jangravi übernommen. Sie setzt sich für Frauenrechte im Iran ein. Das ist ihr erster Post auf Jokos Profil:

In dem Video erklärt Jangravi, dass sie den Account nutzen werde, „um über die Bewegung, die Demokratie und die Rechte der Frauen im Iran zu sprechen“. Der Post hat nach den ersten zwei Stunden bereits über 60.000 Likes.

In ihrem zweiten Beitrag schreibt die Aktivistin, dass Iranerinnen und Iraner seit Wochen protestieren. Sie erklärt weiter, dass die Machthaber des Regimes das Internet sperren und auch Journalistinnen und Journalisten daran hindern, zu berichten.

Und trotzdem machen die Protestierenden weiter. Sie schreiben Lieder, malen Bilder, umgehen Sperren und Verbote, stellen Videos und Bilder ihres Protests ins Netz. Sie wollen die Aufmerksamkeit der Welt – denn es ist unsere Aufmerksamkeit, die die Verbrechen des Regimes sichtbar macht.
Was können wir also tun, damit die Menschen und insbesondere die Frauen in Iran gesehen werden? Wir können immerhin unsere Aufmerksamkeit schenken.

Insta-Konto von Klaas gehört jetzt Sarah Ramani

Auch Klaas hat seinen Account an eine Aktivistin abgegeben. Sarah Ramani gehört zur iranischen Bewegung „The Voice of the Streets“. Ihr erstes Reel zeigt bewegende Bilder aus dem Iran.

Warum wollen Joko und Klaas die Iran-Proteste auf diese Weise unterstützen?

Den beiden ist wichtig, dass die Situation weiter wahrgenommen wird. Sie möchten ihren Teil dazu beitragen.

Und wenn unsere Aufmerksamkeit effektiv sein soll, muss sie nachhaltig und verlässlich sein. Wir möchten, dass die Proteste in unserer Welt wahrnehmbar bleiben und unser gemeinsames Hinschauen Teil der internationalen Druckkulisse wird, die sich gerade im Netz formiert.

Iran-Proteste: Es begann mit Mahsa Amini

Auslöser für die Proteste im Iran war der Tod von Mahsa Amini. Am Mittwoch, an dem die Show ausgestrahlt wurde, war der Tod von Amini genau 40 Tage her. Viele Tausende besuchten ihr Grab und protestierten gegen die Regierung.

Baerbock: „Grenzenlose Menschenverachtung“ Iranische Führung vollstreckt nach Protesten erstes Todesurteil

Gerade hat der Iran die verhasste Sittenpolizei aufgelöst. Doch die Hoffnung, dass sich jetzt wirklich etwas ändert, kam wohl zu früh.

Die Morningshow SWR3

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