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Viele Deutsche haben nach dem brutalen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd gegen Rassismus demonstriert. Wie wichtig das ist, zeigt dieser bedrückende Vorfall in Deutschlands Hauptstadt.

„Noch am Samstag waren wir zu Tausenden in einer echt schwierigen Lage gemeinsam am Alexanderplatz, um trotz Corona gegen Rassismus und Diskriminierung zu protestieren“, schreibt der Berliner Linken-Abgeordnete Hakan Taş auf seinen Social-Media-Accounts. Als er am Dienstag an einem Drogeriemarkt vorbeikommt, kann er die Folgen des Rassismus offenbar aus nächster Nähe erleben:

Eine junge afrikanische Frau sagt, die Kassiererin in der Drogerie habe ihr nicht geglaubt, dass die Kreditkarte, mit der sie bezahlen wollte, ihr gehöre.

Deutscher Nachname? Die lügt doch.

Der Grund: Die Angegriffene trägt einen deutschen Nachnamen. Als sie sich wehrt, heißt es demnach, sie solle „die Klappe halten“. Dann kommt die Polizei – und nach dem, was die Frau berichtet, ist es dann alles andere als besser geworden. Hier die Aufnahme, die Taş auf Facebook veröffentlicht hat:

Noch am Samstag waren wir zu Tausenden in einer echt schwierigen Lage gemeinsam am Alexanderplatz, um trotz Corona gegen Rassismus und Diskriminierung zu protestieren.

Nun, bereits wenige Tage später wurde ich selbst Zeuge eines rassistischen Vorfalls beim Einkauf. Es sind diese alltagsrassistischen Situationen, die einen lähmen und sprachlos machen.

Mit diesem Video möchte ich der Betroffenen eine Stimme und eine Plattform bieten. Den Fall werde ich weiterhin begleiten. Auch mit ein wenig Abstand bin ich weiterhin so mitgenommen von dem Vorfall. Rassismus ist Niedertracht und es muss endlich aufhören!Gepostet von Hakan Tas am Dienstag, 9. Juni 2020

Taş sagte, er habe die Polizisten vor Ort noch angetroffen und mit den Vorwürfen konfrontiert – etwa ob es stimme, dass sie die Anzeige der Kundin zunächst nicht aufgenommen und auch ihre Dienstnummer nicht angegeben hätten. Die Beamten hätten sich unter Verweis auf „laufende Ermittlungen“ nicht weiter geäußert.

„Strafbares oder disziplinarwürdiges Verhalten“ – Polizei ermittelt

Die Vorgesetzten der Beamten nehmen den Vorfall sehr ernst und ermitteln gegen die Beschuldigten. In einem Tweet ruft die Berliner Polizei explizit dazu auf, derartige Vorfälle zu melden:

@_didilulu @rossmann Auch, wenn wir noch nicht alle Infos zusammengetragen haben, können wir bestätigen, dass gestern eine Strafanzeige aufgenommen und ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung mit rassistischer Motivation eingeleitet wurde. 1/2

„Wenn sich der Vorfall so abgespielt hat, dann steht ein strafbares oder disziplinarwürdiges Verhalten unseres Kollegen im Raum“, heißt es da. Nicht alle glauben allerdings an die gute Absicht bei Polizisten im Allgemeinen:

@polizeiberlin @_didilulu @rossmann auf einmal... ich erinnere mich daran, wie "Polizisten" eures Bezirks bei Naziaufmärschen gelacht haben, wenn der friedliche Gegen-Protest auf das härteste und volksverhetzend beschimpft wurde...Anstatt Festnahmen, gab´s Gelächter! Danke für Nichts!

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