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Kevin Kühnert hat sein Urteil über den Kapitalismus noch einmal bestätigt. Mittlerweile erhält er Rückendeckung von mehreren Parteigenossen.

Der Kapitalismus sei in viel zu viele Lebensbereiche vorgedrungen: „So können wir auf keinen Fall weitermachen.“ Er habe das sehr ernst gemeint, was er formuliert habe, sagte Kühnert der Zeit. „Ich habe keine Lust mehr darauf, dass wir wesentliche Fragen immer nur dann diskutieren, wenn gerade Friedenszeiten sind, und im Wahlkampf drum herumreden“, so der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation weiter. Er hat die SPD aufgefordert, die von ihm angestoßene Debatte offensiv zu führen.

SPD-Vize Stegner relativiert

Ralf Stegner nahm Kühnert jetzt in Schutz und sprach von einer „hysterischen Debatte“. Er stimme nicht allen Thesen zu, aber ein Juso-Vorsitzender dürfe auch „mal radikaler formulieren“, sagte Stegner im Deutschlandfunk. Kühnert habe über „politische Utopien“ gesprochen und auch klar gemacht, dass es um demokratischen Sozialismus gehe. Im Übrigen habe er sich ja mit Missständen etwa im Bereich Wohnen auseinandergesetzt.

Auch Gerhard Schröder und Andrea Nahles hätten als damalige Juso-Vorsitzende radikale Forderungen gestellt. Auch Berlins Innensenator Geisel (SPD) hat Kühnert in Schutz genommen. Die Aufregung zeige, dass der Chef der Jusos die richtige Frage gestellt habe – nämlich die nach der Verteilung von Einkommen, sagte Geisel in Berlin.

Um diese Äußerungen Kühnerts geht es

Der Jungsozialisten-Chef hatte unter anderem in einem Interview mit der Zeit angeregt, große Unternehmen wie BMW zu verstaatlichen. Wichtig sei, dass die Verteilung der Profite demokratisch kontrolliert werde. „Das schließt aus, dass es einen kapitalistischen Eigentümer dieses Betriebes gibt.“ Außerdem sprach sich Kühnert dafür aus, den Besitz von Immobilien zu begrenzen.

„Ich finde nicht, dass es ein legitimes Geschäftsmodell ist, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten“, sagte Kühnert. „Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt.“ Dafür gab es heftige Kritik von mehreren Politikern, unter anderem auch aus Kühnerts eigener Partei, der SPD. Seine Thesen wurden zunächst als zu sozialistisch eingeordnet.

Erst Wohnungen, jetzt Unternehmen: Kühnert fordert „Kollektivierung“. Ist das DDR light oder DDR? https://t.co/L7ZBIiA30q

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